Akupunktur - Eine Alternative auch für Pferde

Akupunktur - Eine Alternative auch für Pferde

Akupunktur, Heilmethode, bei der durch den Einstich von Nadeln aus Edelmetall bestimmte Hautstellen, die den Hautstellen ‚zugeordneten' Organe geheilt werden sollen' - so definiert, noch etwas unbeholfen, der Duden in Band 5 vor zwölf Jahren die damals noch sehr umstrittene vermeintlich ‚neue' Heilmethode. Inzwischen aber sind die Skeptiker leiser geworden und vielen konnte durch die Akupunktur schon geholfen werden.
Die traditionelle chinesische Medizin wird sowohl in der Human-, als auch in der Veterinärmedizin angewendet und dient oftmals als erfolgreiche Ergänzung zur Schulmedizin. Definition Die 4 Säulen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)
  • Akupunktur
  • Phytotherapie, d.h. die Behandlung mit pflanzlichen und tierischen      Nahrungsmitteln - auch beim Pferd, bei besonderen Erkrankungen eine sinnvolle Ergänzung zur Akupunktur
  • Diätetik, die Lehre von den Nahrungsmitteln und ihrer speziellen Wirkung, besonders unter energetischen Gesichtspunkten. Beim Pferd, auf Grund des kleinen Nahrungsspektrums nur von geringer Bedeutung.
  • Qi gong, eine spezielle Bewegungs- und Ruheübungslehre, die den Energiefluss stärken und speziell lenken soll.
Aspekte Die Akupunktur als Teil der Chinesischen Medizin (TCM) basiert auf einer jahrtausendalten Erfahrung und dies nicht nur für den Menschen - auch für Pferde und andere Tiere. Doch trotz der sehr guten Erfolge bei kaum auftretenden Nebenwirkungen und breitem Anwendungsgebiet aber hält die Akupunktur erst seit den 60er Jahren - und auch nur sehr zögerlich - bei uns Einzug und das liegt sicher an dem gänzlich anderen Gedankenansatz. Um die Gesundung eines Lebewesens - Mensch oder Tier - herbeizuführen, wird bei der Akupunktur das Qi beeinflusst. Unter Qi versteht man die körpereigene Energie als Antriebskraft aller psychologischen Abläufe. Die Grundgedanken des Qi gong könnten aus jeder Reitlehre abgeschrieben sein und passen sich auch nahtlos in die Skala der Ausbildung ein. Für Reiter kann daher die Kombination Qi gong und Reiten sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene - sehr sinnvoll sein. Ein weiterer wichtiger Aspekt des chinesischen Denkens ist die Polarität in allen Dingen: ohne Oben kein Unten, ohne Hell kein Dunkel usw. Sowohl der Mikrokosmos als auch der Makrokosmos werden also in Yin und Yang-Aspekte unterteilt, für die ein dynamisches Gleichgewichtsverhältnis bestehen soll. Yang Yin: die Sonne - der Mond / Frühling und Sommer - Herbst und Winter / das Männliche - das Weibliche / das Feuer - das Wasser / das Trockene - das Feuchte / das Helle - das Dunkle / der Rücken - der Bauch / die Wehrenergie - die Bauenergie / das Bewegende - das Ruhende / das Aktive - das Struktive / der Tag - die Nacht / das Aufsteigen - das Absinken / Krankheiten oder Beschwerden entstehen durch ein Ungleichgewicht, eine Disharmonie von Yin und Yang oder durch Blockaden, Stauungen des Qi-Flusses, denn so die Idee, das Qi, das in so genannten Leitbahnen oder Meridianen durch den Körper fließt, kann durch äußere oder innere Faktoren blockiert sein. Häufige äußere Faktoren sind Kälte, Wind Hitze, aber auch schlechte Haltungsbedingungen. Zu den inneren Blockaden zählen Emotionen wie Angst, Trauer, Stress - z.B. durch Unterdrückung in der Herde, Stall- oder Besitzerwechsel etc.. Gerade beim Pferd dürfen die Auswirkungen von Emotionen auf den energetischen Zustand und damit auf die Gesundheit nicht unterschätzt werden. Qi (die Körperenergie) setzt sich - vereinfacht gesagt - zusammen aus dem angeborenen Qi (Erbgut, Konstitution), dem Qi aus der Umwelt (z.B. Sonnenlicht), dem Qi aus der Nahrung und aus dem Abwehr-Qi, das vor Umwelteinflüssen schützen soll. Funktionskreise Die differenzierte Einteilung von Emotionen in 7 Gruppen - wie beim Menschen - ist bei einem Pferd nicht praktikabel, wohl aber eine Einteilung in 3 Gruppen, die jeweils auf unterschiedliche Funktionskreise einwirken. Die Funktionskreise, Orbes genannt, sind in 6 Gruppen - mit je 2 Funktionskreisen - aufgeteilt. Holz - Leber - O. hepacticus und Gallenblase - O. felleus - wichtige Funktion vom Bewegungsapparat. Feuer - Herz - O. cardialis und Dünndarm - O. intestini tenuis - Ausstrahlung, Persönlichkeits-Leitbahnen Feuer - Kreislauf - O. pericardialis und 3-Erwärmer - O. tricalorii. Erde - Milz-Pankreas - O. lienalis und Magen - O. stomachi - Verarbeitung und Ausgleich von Eindrücken, Nahrung, "Körpermitte". Jedem Funktionskreis ist nicht nur ein Organ sondern eine Vielzahl von Funktionen sowie ein Sinnesorgan, eine Körperöffnung usw. zugeordnet. SO bedeutet beispielsweise eine Störung im Leberfunktionskreis - Orbis hepacticus - nur in den seltensten Fällen eine Lebererkrankung, meist liegt bei einer solchen Störung die Erkrankung im Bewegungsapparat, Muskeln und Sehnen. Zu den 12 Funktionskreisen gehören 12 Hauptleitbahnen, daneben gibt es noch 8 unpaarige Leitbahnen. Diese unpaarigen Leitbahnen spielen beim Pferd eine wichtige Rolle, da sie als Ausgleichsreservoir für Qi und xue (xue entspricht Körperflüssigkeiten, Blut , Sekrete, Lymphflüssigkeit etc.) fungieren. Für das Pferd als Fluchttier ist eine plötzliche Mobilisierung von "gespeicherten" Qi und xue wichtig und ermöglicht extreme Leistungen in Flucht und Leistungs-(Turnier)-Situationen. Auch bei alten Pferden oder nach ernsteren Erkrankungen kann eine Stützung, Kräftigung und Leistungssteigerung u.a. über die Beeinflussung der unpaarigen Leitbahnen erfolgen. Akupunkturpunkte Auf den 12 Hauptleitbahnen und auf 2 der unpaarigen Leitbahnen liegen die Akupunkturpunkte. Bei der Akupunkturbehandlung müssen der energetische Zustand des betroffenen Funktionskreises - Fülle (Replito) oder Schwäche (Deplito) - , die Art der Störfaktoren - Hitze, Kälte, Wind etc. - und die Beeinflussung der Funktionskreise untereinander beachtet werden. Nachdem auf dieser Grundlage eine chinesische Diagnose erstellt wurde, erfolgt die Akupunktur mit Nadeln oder einem Akupunktur-Laser. Die Auswahl und Kombination der jeweils richtig wirkenden Punkte ist das Schwierige aber auch das Interessante bei der Akupunktur. Behandlung Bei der Behandlung werden meist 2 - 6 Nadeln, gelegentlich auch mehr, gesetzt. Diese belässt man 10 - 30 Minuten. Die Pferde reagieren im Allgemeinen gelassen auf die Nadelung und entspannen sich, häufig schlafen sie während der Behandlung ein. Im Allgemeinen sind 1 bis 3 - selten mehr - Akupunktursitzungen zur Behandlung notwendig. Kombiniert oder ergänzt werden kann die Akupunktur mit chinesischen Arzeimitteln bzw. einer osteopatischen Behandlung. Nach der Akupunktur mit Nadeln und/oder dem Akupunktur-Laser werden dem Pferdebesitzer ausführlich die Akupressurpunkte gezeigt. Eine Unterstützung der Akupunktur durch Akupressur ist fast immer sinnvoll und verkürzt oft die Therapiezeit deutlich. "Kooperation statt Konkurrenz", dieser Grundsatz wird bei Carola Krokowski groß geschrieben: Die traditionelle chinesische Medizin und im Besonderen die Akupunktur sollten immer in Zusammenarbeit mit der Schulmedizin und Osteopathie erfolgen. Eine ganzheitliche Betrachtungsweise sollte alle Aspekte eines Lebewesens beinhalten. Gerade durch die Kenntnis und Anwendung der verschiedenen therapeutischen Möglichkeiten sind die besten Erfolge zu erzielen. Diagnostik Eine Diagnosestellung in der traditionellen chinesischen Medizin erfolgt unter Berücksichtigung von:
  • Angaben vom Tierbesitzer Krankheiten, Beschwerden, Verhalten unter dem Reiter, allgemeines Verhalten, Fressverhalten, Leistungsbereitschaft Haltungsbedingungen etc.
  • Betrachtung des Tieres (Pferdes) Ausdruck, Augen Fell, unnatürliche Farbunterschiede im Fell etc.
  • Betrachtung des Tieres (Pferdes) in der Bewegung - Gleichmaß, Schwung, Reaktionen, Schiefe, Schweifhaltung, Kopf- Halshaltung
  • Pulsdiagnostik - dabei zeigt ein oberflächlicher Puls eine Erkrankung im Anfangsstadium und ein tiefer Puls eine fortgeschrittene bzw. chronische Erkrankung an. Ein langsamer Puls spricht für eine Kälteerkrankung bzw. eine energetische Schwäche und ein schneller 
    Puls für eine Hitzeerkrankung bzw. eine energetische Fülle
  • Zungendiagnostik
  • Untersuchung der Zustimmungs- und Alarmpunkte
  • Eventuelle Überprüfung der Akupunkturpunkte über RAC-
    Tastung
Indikation und Therapie Zu den Erkrankungen, die erfolgreich mit Akupunktur behandelt werden können, gehören u.a.:
  • Chronisch obstruktive Bronchitis, Husten, Asthma, Allergie, 
  • Dämpfigkeit 
  • Wundheilungsstörungen, Leistungsschwäche allgemeine Erschöpfung, Unruh
  • Trächtigkeits- und Aufnahmestörungen
  • im Anschluss an eine größere Operation oder langwierige medikamentöse Therapie, besonders bei verzögerter Rekonvaleszenz degenerativen oder verletzungsbedingten Wirbelsäulen- und Gelenkerkrankungen
  • Lahmheiten, Sehnenerkrankungen sowie Verspannungen und 
    Genickproblemen (sinnvoll kann eine Kombination mit einer 
    osteopathischen Behandlung sein)
  • Hauterkrankungen, Ekzeme
Phytotherapie Unter chinesischer Phytotherapie versteht man die Behandlung mit chinesischen Arzneimitteln. Diese Arzneimittel bestehen aus pflanzlichen oder tierischen Bestandteilen - für diese sind die energetischen Wirkungen bekannt und genau beschrieben. (Bei den schulmedizinischen Arzneimitteln wird die Wirksubstanz bestimmt und isoliert und bio-chemische Prozesse werden induziert, wobei die energetische Wirkung nicht berücksichtigt wird).
Bei der chinesischen Phytotherapie wird individuell ein Rezept zusammengestellt, um eine ganz spezielle Wirkung zu erzielen. Die chinesische Phytotherapie ist somit die ideale Ergänzung zur Akupunktur.
Akupunktur, eine der ältesten Heilmethoden, ist kein Wunderheilmittel und keine Allzweckwaffe - aber sie kann in vielen Fällen - immer vorausgesetzt ein seriöser und erfahrener Akupunkteur ist zur Stelle und nach Absprache mit dem behandelnden Tierarzt, eine sinnvolle und heilende Unterstützung sein.
(aus: Pferde Fit&Vital Nr. 01/2002)
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