Ein Fohlen erziehen

Der Mensch muss bei der Erziehung des Fohlens den Ton angeben

Ein umsichtiger Züchter oder Aufzüchter beginnt bereits im Fohlenalter mit der Erziehung und Ausbildung des Reitpferdes in spe. Ein Fohlen ist ein entzückendes Wesen. Es ist verspielt, lebendig und knabbert immer gern an allem herum. Am liebsten würde man so einen kleinen Vierbeiner den ganzen Tag knuddeln. Wer ein Fohlen erziehen möchte, sollte dies allerdings nicht tun.

Im Wesentlichen beruht die Erziehung eines Fohlens darauf, dass es sich selber straft, wenn es widersetzlich ist. Insofern ist es wichtig, dass ein Halfter gut sitzt und Stricke richtig angebracht werden. Wenn sich ein Fohlen beim Anbinden nach hinten wegwirft, hat dies keinen Erfolg, es gibt nur einen kräftigen spürbaren Ruck. Wenn es sich aber auf diese Weise losreißen kann, gibt es bereits ein kleines Problem, denn der Vierbeiner hat jetzt einen „Trick“ heraus.
Der Mensch muss bei der Erziehung bestimmt und ohne Zögern handeln. Nur so kann man sich Respekt verschaffen. Aus dieser Beziehung heraus kann dann auch ein tiefes Vertrauensverhältnis entstehen. „Respekt und Vertrauen sind keine Gegensätze“, schreibt Reiner Klimke in seinem Buch: „Grundausbildung des jungen Reitpferdes“. Wer ein Fohlen erziehen will, beginnt damit, ein Halfter anzulegen. Dabei sollte man sich das erste Mal einen Moment aussuchen, in dem das Fohlen den ganzen Tag gespielt hat und matt und zufrieden in der Box steht. Man geht an die linke Seite neben das Fohlen, legt den rechten Arm um den Hals und zieht dann mit beiden Händen das Halfter über den Kopf. Auf gar keinen Fall darf man vor dem Fohlen stehen. Wenn dies gut geklappt hat, wird der junge Vierbeiner freundlich angesprochen und zur Belohnung am Hals geklopft. Dann wird das Halfter wieder angelegt. Diese Übung wird einige Tage wiederholt.
Bald wird das Anlegen eines Halfters zur Gewohnheit. Dann kann man das Fohlen anbinden und putzen. Die meisten kleinen Vierbeiner mögen des sehr gern und sind auch schnell bereit, ihre Hufe zu geben.

Das Führen an der Hand lernen Fohlen am ehesten, wenn die Mutter vorweg geht. Irgendwann wird das Pferdekind vielleicht doch auf den Gedanken kommen, sich dem Strick zu wiedersetzen. In diesem Moment ist sehr viel Feingefühl gefragt. Ziehen bringt nichts, sondern fordert noch mehr Widerstand heraus. Vielmehr sollte man nachgeben, sich erneut neben das Fohlen stellen und ein zweites Mal anführen, eventuell mit einem energischen „Vorwärts!“.
Mehr sollte dann aber auch im Fohlenalter nicht geschehen. Die ersten Jahre darf sich das Pferdekind noch auf der Koppel, am besten mit gleichaltrigen Artgenossen, austoben. Schließlich fängt der Ernst de Lebens noch früh genug an.
Pferde sollen ersten im dritten Lebensjahr angeritten werden. Wer schon vorher von den Pferdekindern Leistung erwartet, setzt die Gesundheit dies Tieres auf das Spiel. Gerade Zweijährige sind oft überbaut, das heißt vorne höher als hinten, sodass sie gar keine Möglichkeit haben sich auszubalancieren. Es hat sich bewährt, die Dreijährigen im Frühjahr bereits an die Longe und Trense zu gewöhnen, ihnen dann aber den Sommer über noch eine Weidesaison zu können. Es reicht dann, im Herbst mit der eigentlichen Ausbildung zu beginnen.

Die Umstellung von der Weide in den Stall am Ende der Koppelsaison sollte für das auszubildende Pferd möglichst angenehm gestaltet werden. Die ersten Tage wird noch nicht gearbeitet, sondern der Vierbeiner darf sich ausgiebig an seine neue Umgebung gewöhnen. Aber dann kommt der Zeitpunkt, an dem das Pferd seine ersten Lektionen als Reitpferd lernen muss. Dann ist die Erziehung des Fohlens beendet. (wem)
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