Erste Hilfe beim Pferd

Wichtig für jeden Reiter: Erste Hilfe beim Pferd

Ist das Pferd gesund, freut sich der Mensch und niemand denkt gerne daran, dass dem vierbeinigen Partner etwas zustoßen könnte. Viele Unfälle und Krankheiten lassen sich durch Sorgfalt und Umsicht vermeiden, aber man kann Pferde eben nicht in Watte packen, sie verletzen sich und werden trotz aller Aufmerksamkeit krank. In echten Notfällen müssen Pferdebesitzer dann schnell und überlegt handeln können, denn was in der Zeit bis der Tierarzt kommt getan oder unterlassen wird, ist oft entscheidend für die weitere Gesundheit, den Heilungsprozess und im schlimmsten Fall auch überlebenswichtig. Was also tun, wenn sich das Pferd verletzt hat? Wann muss der Tierarzt gerufen werden? Wann darf, wann muss man erste Hilfe leisten?   Was ist erste Hilfe? Das Lexikon erklärt: Die erste Hilfe sind vorläufige aber zweckmäßige Maßnahmen zur Behebung der unmittelbaren Gefahr und zur Vermeidung von Komplikationen bei Unglücksfällen bis zur Herbeirufung des Arztes oder bis zum Transport in eine Klinik. Und jeder hat solche Maßnahmen für den Menschen irgendwann einmal gelernt. Im Umgang mit Pferden aber sind doch die meisten im Notfall hilflos, aber in einer Situation, in der das Tier medizinische Hilfe braucht, lässt sich mit richtiger erster Hilfe viel bewirken.    Erste Hilfe wird geleistet:
  • Um Schmerzen zu lindern
  • Um die Heilungsaussichten zu ver-bessern
  • Um gute Voraussetzungen für die Behandlung durch den Tierarzt zu schaffen
Einschätzung der Lage Jeder, der erste Hilfe leisten möchte, sollte in der Lage sein, eine Notfallsituation richtig einzuschätzen. Dazu gehört ein solides Grundwissen über die Anatomie, die Physiologie und das Verhalten von Pferden. Folgende Grundsätze sollte man beherzigen:
  • Lieber den Tierarzt einmal zu oft als einmal zu wenig bemühen
  • Nicht nur die Verletzung, sondern immer auch den Allgemeinzustand des Tieres mit bewerten, daher immer Puls, Atmung und Temperatur kontrollieren
  • Den Rat von Laien immer kritisch hinterfragen, nur der Tierarzt ist wirklich ein Fachmann
Wichtig:  Jedes kranke oder verletzte Pferd ist in einer Ausnahmesituation, das heißt, es ist ein gefährliches Pferd. Ist die Leistung der ersten Hilfe nicht ohne Gefährdung des Menschen möglich, sollte man die Finger davon lassen. Jeder, der mit Pferden zu tun hat, sollte über die Waffen dieser Tiere wissen. Im Zweifelsfall hat der Mensch Vorrang!   Wichtige Informationen für den Tierarzt Die erste Hilfe ist nur eine vorläufige Maßnahme, die den Besuch des Tierarztes meist nicht ersetzt. Wenn der Tierarzt zu einem Notfall gerufen wird, benötigt er eine Reihe wichtiger Informationen, die man am besten bereits beim Anruf parat hat.
  • Allgemeiner Zustand, auch Alter und Geschlecht (tragend, etc.)
  • Ernährungslage (wann hat das Tier was zuletzt gefressen), trinkt und frisst es derzeit
  • Kot- und Harnabsatz
  • Wann ist der Notfall eingetreten bzw. wann wurde er bemerkt
  • Auffällige Verhaltensänderungen
  • Werte für Atmung, Puls und Temperatur
  • Auffällige Veränderungen der Bewegungen
Die Informationen sind wichtig, damit der Tierarzt den Notfall besser einschätzen und eventuell bereits Empfehlungen über erste Maßnahmen am Telefon geben kann.   Was man nicht machen sollte Erste Hilfe ist wichtig, aber keine erste Hilfe ist besser als falsche erste Hilfe. Folgende Maßnahmen sollten daher nicht vorgenommen werden:
  • Keine Desinfektionssprays, Salben oder Pulver auf Wunden aufbringen, die dem Tierarzt gezeigt werden sollen. Dadurch wird das Wundbild verändert (besonders bei gefärbten Präparaten wie dem beliebten Blauspray) und zudem wird häufig die Wundheilung beeinträchtigt.
  • Keine Gabe von Schmerzmitteln bei Fraktur- oder Fissurverdacht. Auch sonst mit Schmerzmitteln vorsichtig sein und den Tierarzt in jedem Fall über ihren Einsatz informieren.
  • Keine Desinfektionsmittel im Bereich der Augen einsetzen, Gefahr von ernsthaften Hornhautschäden.
  • Keine herabhängenden Hautfetzen abschneiden, sonst kann eine Wunde häufig nicht mehr genäht werden.
  • Nie Gegenstände aus Pfählungswunden herausziehen, Gefahr von starken Blutungen und der Tierarzt kann die Verletzung nicht mehr richtig beurteilen.
Wichtige Telefonnummern Ist ein Notfall eingetreten, sollte keine Zeit damit verloren gehen, dass die wichtigen Telefonnummern erst gesucht werden müssen oder dass man sich erst nach dem Weg in die Klinik erkundigen muss. Folgende Nummern sollten immer griffbereit sein:
  • Nummer des Hoftierarztes
  • Nummer des Tierarztes, der den Notdienst in der Nacht und am Wochenende hat (Notdienstkalender)
  • Nummer der nächstgelegenen Pferdeklinik einschließlich Wegbeschreibung, falls ein nicht ortskundiger Fahrer eingesetzt werden muss
  • Hufschmied
  • Notruf für Menschen
  • Nummer des Schlachthofes
  Wird das Pferd in einem Reitstall betreut, sollte der Stallbesitzer natürlich über die Nummer des Pferdebesitzers und die Nummern weiterer Personen, die im Notfall zu verständigen sind, verfügen.   Rechtliche Lage Wer erste Hilfe leistet, sollte über die rechtlichen Hintergründe Bescheid wissen. Schließlich können Kosten entstehen, Menschen oder Tiere verletzt werden oder zumindest Sachschaden verursacht werden.   Wer muss helfen? Zur ersten Hilfe verpflichtet ist der Halter des Pferdes sowie jede Betreuungsperson, die das Pferd im Auftrag des Besitzers versorgt. Dabei ist es nicht wichtig, ob ein schriftlicher Betreuungsvertrag besteht oder nur eine mündliche Absprache vorliegt. Jeder Pferdebesitzer sollte sein Tier nur in die Obhut von Personen geben, die über ein entsprechendes Sachverständnis verfügen. Zudem sind Personen, die gewerblich mit Pferden zu tun haben (Reitlehrer, Reitstallbesitzer, Bereiter), zur Leistung der ersten Hilfe verpflichtet. Niemand ist zur Leistung erster Hilfe an fremden Pferden verpflichtet, aber jeder, der helfen möchte, darf dies, auch ohne Rücksprache mit dem Besitzer. Er kann nachher auch nicht für Fehler, die er gemacht hat, zur Rechenschaft gezogen werden.   Wer trägt die Kosten? Sind einer Person durch die Leistung der ersten Hilfe Kosten entstanden, so ist der Tierbesitzer verpflichtet, diese zu erstatten. Das gilt auch dann, wenn die Person ohne Rücksprache mit dem Besitzer (Besitzer abwesend) gehandelt hat.   Welche Versicherung ist zuständig? Wer ohne Aufforderung durch den Tierbesitzer erste Hilfe an fremden Pferden leistet, tut dies auf eigene Gefahr. Er hat bei einem Schaden keinen Anspruch auf Leistungen aus der Haftpflichtversicherung des Pferdes. Wird der Helfer dagegen vom Besitzer gebeten zu helfen, ist ein Schaden über die Haftpflichtversicherung des Pferdes abgedeckt.   Wichtig:  Bei Gefahr für das eigene Leben ist niemand zur Leistung der ersten Hilfe verpflichtet. Auch der Tierarzt kann in so einem Fall die Behandlung ablehnen!   Der Erste-Hilfe-Koffer für Pferde Wer Pferde besitzt oder gewerblich mit ihnen umgeht, sollte über einen Erste-Hilfe-Koffer für diese Tiere verfügen. Der Verbandskasten im Auto ist nicht auf die Körpergröße von Pferden ausgelegt und reicht in der Regel nicht aus. Geräte und Hilfsmittel
  • Phonendoskop, Stetoskop zum Abhören
  • Fieberthermometer     
  • Verbandschere
  • Verbandmaterialien    
  • Verbandmull bzw. Polsterwatte
  • Elastische Binden
  • Selbsthaftende Binden
  • Leukoplast               
  • sterile Wundabdeckung
  • eventuell Isolierband
Medikamente Medikamente sind in den meisten Fällen für die erste Hilfe nicht notwendig. Ein leichtes Desinfektionsmittel, beispielsweise auf Jodbasis kann für die Desinfektion stark verschmutzter Wunden hilfreich sein, in der Regel genügt aber klares Leitungswasser. Sollten Medikamente eingesetzt werden, muss auf jeden Fall der Tierarzt darüber informiert werden.   Grundwissen muss sein Wer Erste Hilfe leisten möchte, sollte ein solides Wissen über Anatomie und Physiologie des Pferdes besitzen. Für alle Personen, die gewerblich mit Pferden zu tun haben, ist dies eine Voraussetzung für ihre Tätigkeit.   Normalwerte Um das Allgemeinbefinden eines Pferdes beurteilen zu können, müssen die Werte für Puls, Atmung und Temperatur überprüft werden. Die Normalwerte bei einem gesunden, erwachsenen Pferd in Ruhe liegen bei
  • Puls   28-40 Pulswellen pro Minute
  • Atmung  8-16   Atemzüge pro Minute
  • Temperatur 37-38° Celsius
Fohlen haben eine etwas höhere Temperatur (bis 38,5° Celsius) und altersabhängig höhere Werte für Puls und Atmung. Bei starker Belastung beziehungsweise Aufregung können die Werte für Atmung und Herzschlag stark ansteigen, Atmung bis 100 Atemzüge pro Minute, Puls bis 220 Schläge pro Minute. Diese Werte sollten sich nach der Belastung innerhalb von 10 Minuten wieder den Normalwerten nähern, anderenfalls liegt eine Erkrankung vor. Bei untrainierten Tieren dauert es länger, bis die Normalwerte erreicht sind.  Neben den Normalwerten sollte der Pferdemensch auch das Verhalten eines Pferdes sowie weitere Körperfunktionen, wie zum Beispiel Futteraufnahme und Kot- und Harnabsatz beurteilen können. Außerdem muss er einschätzen können, ob erste Hilfe in einer speziellen Situation erforderlich ist und wann das Pferd auf jeden Fall in die Hand des Tierarztes gehört.   Notfälle bei Pferden In den abgebildeten Tabellen sind die wichtigsten Notfälle bei Pferden zusammengefasst. Die Tabellen geben einen Überblick über die jeweiligen Anzeichen, die bei dem Notfall zu beobachten sind und die Erste-Hilfe-Maßnahmen. In jedem Fall sind die allgemeinen Regeln der ersten Hilfe und natürlich die Sicherheit von Mensch und Tier zu beachten. Bei allen hier aufgeführten Fällen muss der Tierarzt sofort benachrichtigt werden.  
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