Heu, Heulage oder Silage für Pferde?

Im Juni wird bereits das erste Heu geerntet. Oder das gemähte Gras wird nicht auf dem Boden getrocknet, sondern zu Silage verarbeitet. Dann gibt es noch Heulage – ein Produkt zwischen Heu und Silage. Aber welches Futter eignet sich besser für Pferde? Dies ist bei Pferdebesitzern und Reitern eine strittige Frage. Die einen schwören nur auf Heu, die anderen auf Silage oder auch Heulage. Aus Expertensicht sind alle Varianten für die Raufutterversorgung des Pferdes geeignet.

Heu

Als Heu wird allgemein getrocknetes Grünfutter von Wiesen und Weiden bezeichnet. Es besteht meistens aus mehreren Grassorten, gemischt mit Kräutern. Je nach Schnittzeit spricht man vom 1., 2. oder 3. Schnitt. Pferden wird üblicherweise der erste oder zweite Schnitt verfüttert. Heu für Pferde sollte möglichst 20 % Rohfaser ausweisen.

Heu_Ballen_Bändel_gepresst_Pressballen_Quader 

Nach dem Schnitt muss das Heu trocknen, bis es nur noch einen Wassergehalt von 18 bis 20 Prozent aufweist, dann kann es eingefahren werden. Bei gutem, sonnigen Wetter dauert das zwei bis drei Tage, bei ungünstigen Wetterbedingungen können auch ein bis zwei Wochen vergehen. Heu ist das wichtigste Grundnahrungsmittel für Pferde – sozusagen das Vollkornbrot für die Vierbeiner. Aufgrund des hohen Rohfasergehaltes fördert es die Verdauung, außerdem dauert es relativ lange, bis ein Pferd die Heuration gefressen hat. Fressen ist gerade für Pferde, die überwiegend in der Box gehalten werden, ein wichtiger Zeitvertreib. Zum Vergleich: Ein Großpferd braucht nur zehn bis 20 Minuten, um ein Kilo Kraftfutter zu verspeisen. An einem Kilo Heu knabbert es immerhin 40 bis 50 Minuten. Als Menge hat sich folgende Faustregel etabliert: ein Kilo Heu pro Kilo Körpergewicht. Ein 500 Kilogramm schweres Warmblut sollte also mindestens 5 Kilogramm Heu am Tag erhalten.

Silage_Ballen_draußen_Ernte_eingepackt_Folie

Silage

Als Silage wird Grünfutter bezeichnet, das durch Milchsäuregärung konserviert wird. Die angewelkten Gräser werden luftdicht abgeschlossen, z.B. werden sie mit einer Ballenpresse aufgewickelt, verdichtet und schließlich mit Folie verschlossen. Die Milchsäurebakterien wandeln den Zucker in Säure um. Gute Silage riecht angenehm säuerlich-aromatisch bis brotartig-fruchtig. Die Herstellung von Silage ist nicht einfach und gehört daher in Kennerhände. Wenn irgendetwas schief läuft, vermehren sich die falschen Bakterien und die Silage wird ungenießbar. Auch die Lagerung in Ballen, die mit Folie umschlossen sind, birgt Gefahren. Vögel oder Kleinstlebewesen können Löcher hineinfressen. Dann wird der natürliche Gärungsprozess unterbrochen, und es können sich Schimmelpilze entwickeln. Sehr gefährlich sind auch Botulismus-Erreger, die durch tote Tiere in die Silage gelangen. Pferde, die sich mit diesem Erreger infizieren, müssen meistens qualvoll sterben. Die betroffenen Tiere erleiden Muskellähmungen und innere Blutungen.

Heulage

Heulage wird ebenso spät wie Heu geschnitten. Nach dem Schnitt wird Heulage auf 50 bis 60 % Trockenmasse (Silage ca 35 %) heruntergetrocknet und anschließend gepresst und luftdicht verpackt. In der Pferdefütterung wird Heulage zunehmend eingesetzt, da es einen geringeren Eiweißgehalt als Silage ausweist.

Füttert man Raufutter aus fest angelegten Raufen, geht weniger Futter verloren

Heu, Silage oder Heulage?

Alle drei Varianten werden von Pferden gern gefressen. Bei guter hygienischer Qualität ist Silage oder Heulage dem Heu ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen. Der Eiweißgehalt ist fast identisch. Dies ergab auch eine Studie der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2005. Silage und Heulage sind staubärmer. Dies ist vor allem dann ein Vorteil, wenn allergische Pferde oder Vierbeiner mit Atemwegserkrankungen gefüttert werden müssen.