Ist Fett gut für Pferde?

Ist Fett gut für Pferde?

Etwa 40 % aller Menschen in Deutschland leiden unter Übergewicht. Stoffwechselstörungen wie Diabetes, Gicht oder ein erhöhter Cholesterinspiegel können die Folgen sein. Das Risiko, an Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Arterienverkalkung, Thrombosen oder Gelenkerkrankungen zu erkranken, steigt mit zunehmendem Übergewicht erheblich.  Schuld daran ist vor allem eine falsche Ernährung mit zu viel Fett. Fette gelten als Dickmacher und haben deshalb einen schlechten Ruf.
Aber ganz ohne Fette kommt unser Körper nicht aus, sie sind Energiequelle, Geschmacksträger und unentbehrlich für die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K aus Darm und Blutkreislauf. Die kleinsten Bestandteile der Fette werden nach ihrem Aufbau in ungesättigte und gesättigte Fettsäuren unterteilt. Gesättigte Fettsäuren stecken überwiegend in tierischen Lebensmitteln, wie Butter, Sahne, Mayonnaise, Fleisch, Wurst, Käse aber auch in Palm- und Kokosfett. Ungesättigte Fettsäuren, wie zum Beispiel die oft genannte Linolsäure, sind essenzielle Stoffe, auf die der Körper angewiesen ist. Sie kommen hauptsächlich in Pflanzenöl, Samen, Avocados, Hülsenfrüchten, Getreide vor. Sie erfüllen im Organismus viele wichtige Funktionen, etwa als Baustoffe der Zellen und Nerven und als Ausgangsstoff für die Bildung von Hormonen.
Und genau diese ungesättigten Fettsäuren können für Pferde eine nützliche Nahrungsergänzung sein. Natürlich wird kein Pferd Avocados oder Hülsenfrüchte fressen, doch viele Pferdebesitzer wissen längst, dass ein Schuss Öl im Futter ihrem  Pferd sehr gut tun kann und es gibt tatsächlich vier gute Gründe jeden Tag den Speiseplan mit Pflanzenöl anzureichern:
Das Pferd ist  zu dünn
Das Pferd braucht mehr Energie
Das Pferd hat ein stumpfes Fell
Das Pferd neigt zu Tying Up

Gewicht
Dünne Pferde wieder in Form zu bringen kann durchaus schwierig sein. Viel Heu macht zwar einen dicken Bauch, aber gibt keine Energie, viel Kraftfutter setzt an, aber Hufrehe und Koliken können die Folge sein. Fett liefert Löffel für Löffel  zweimal soviel Kalorien wie Protein, so dass man die Kalorienzufuhr deutlich erhöhen kann ohne die Kraftfutterration auf einen bedenklichen Level zu steigern. Ein Gramm Fett liefert mehr als doppelt so viel Kalorien und wie Kohlehydrate und Eiweiß. Fett ist also der Hauptkalorienträger. Die Kalorie ist eine Maßeinheit für den Energiegehalt der Nahrung. Verschiedene Nahrungsstoffe haben unterschiedliche Kalorienwerte. Proteine und Kohlenhydrate enthalten je Gramm ungefähr 4 Kalorien, Fette liefern 9 Kalorien je Gramm. Fette sind somit die kalorienreichsten Nahrungsstoffe und hervorragende Energielieferanten. Wenn mehr Kalorien zugeführt werden, als der Körper verbrennen kann, wird der Überschuss in Form von Fett (Fettzellen) im Körper gespeichert. Bis zu zehn Prozent kann die Kraftfutterration durch pflanzliches Öl ersetzt werden. Langsam - innerhalb von einer Woche steigert man die tägliche Dosis und reduziert im gleichen Maße das Kraftfutter.
Gerade Pferde, die sich von einer Krankheit erholen müssen, ältere Pferde, die ihr Futter nicht mehr so gut verwerten oder auch schwerfuttrige Pferde können so Gewicht zulegen.
Untergewicht kann allerdings auch einen medizinischen Hintergrund haben und deshalb sollte auch der Tierarzt um Rat gefragt werden.

Energie
Pferdeathleten brauchen viel Energie, gerade jetzt, wenn die Turniersaison wieder auf Hochtouren läuft und wieder ist Fett eine gute Alternative zu einem ständig steigenden Angebot an Kraftfutter. In einer Studie der Texas ASM University wurde festgestellt, dass Renn- und Cuttingpferde, die regelmäßig eine zusätzliche Portion Fett bekamen, ausdauernder und auf einem höheren Level arbeiteten, als die, die nur ihr übliches Futter fraßen.
Schwere Muskelarbeit und  -wachstum  erfordern unter anderem eine ständige Zirkulation von Fettsäure und Glycogen im Blutkreislauf. Glycogen dient so als Energiespeicher, der bei Bedarf abgebaut wird. Für eine optimale Leistungsfähigkeit des Körpers, insbesondere auch bei intensiven sportlichem Training, sind gut gefüllte Glycogenspeicher sehr wichtig, was besonders durch einen hohen Kohlenhydratanteil in der Ernährung gewährleistet werden kann. Die Verbrennung von Fett als Energiereserve ist sehr effizient, so dass auch die Körperwärme während des Trainings langsamer steigt. Ein bisschen Geduld muss man allerdings haben, um die Wirkung zu erkennen, denn es braucht gut drei Wochen, bis der Erfolg sichtbar wird. Es scheint, als müssten die Muskelzellen erst "lernen" sich auf das fette Angebot zu verlassen. Gute Ernährung kann natürlich ein Training nicht ersetzen und Fett kann nur eine Zutat für Hochleistungspferde sein. Mit dem Tierarzt sollte die Fütterung des Sportlers genau besprochen werden.

Fell
Wenn selbst das beste Glanzspray, die teuerste Bürste und der neuste Striegel nicht mehr hilft das Fell in Glanz zu bringen, dann ist Fett ein wichtiger Helfer. Alle Säugetiere brauchen essentielle Fettsäuren, um Zellmembrane herzustellen. Essentielle Fettsäuren sind auf unterschiedlichste Weise für den Gesundheitszustand von Bedeutung. Sie spielen für Haut und Fell, für die Nierenfunktion und für die Fortpflanzung eine Rolle. Ein Mangel an diesen Fettsäuren lässt das Fell des Pferdes rau und stumpf werden, verursacht Schuppen, schlechte Wundheilung und trockene Haut.
Rohfett aus pflanzlichen Ölen - und in diesem Fall besonders gut, aus Sonnenblumenöl - mit einem hohen Anteil an ungesättigten und kurzkettigen Fettsäuren erhöht die Wertigkeit und die Verdaulichkeit des Fettes. Fettsäuren, wie zum Beispiel Linolsäure, fördern den Fellglanz und sollten ausreichend im Futter vorhanden sein.
Das wasserlösliche Vitamin H,  Biotin, spielt bei der Gesunderhaltung von Haut, Haar und Hufhorn ebenfalls eine zentrale Rolle. Bei einer Unterversorgung wegen erhöhten Bedarfs, gestörter Synthese im Darm oder ungenügender Verwertung können auch  der Aufbau, die Umwandlung und Neubildung von Fettsäuren betroffen sein. Fett allein aber ist noch kein Garant für den Haarglanz. Eine ausgewogene Fütterung mit ausreichend Protein, Mineralien und Vitaminen ist wichtig für die gesamte Gesundheit, die sich dann auch im Fell des Pferdes widerspiegelt. Der Zustand von Haut und Fell eines Pferdes ist ein guter Indikator für die Gesundheit des Tieres. Ein Mangel oder auch Überschuss an Nährstoffen kann sich schnell in einer Veränderung von Struktur, Funktion und des Fells und der Haut eines Pferdes zeigen.
Regelmäßige Entwurmungen und Impfungen sollten außerdem selbstverständlich sein. Ein dauerhaft stumpfes Fell deutet möglicherweise auch auf eine Krankheit hin und sollte mit dem Tierarzt besprochen werden.

Tying Up
Muskeln leisten ein Leben lang Schwerarbeit, sie sind verantwortlich für die koordinierten Bewegungsabläufe des Pferdekörpers, sie stützen das Skelett, wirken gegen die Schwerkraft, geben Kraft und formen das Exterieur. Muskeln sind immer auf Trab. Immer wiederkehrende Muskelspasmen während oder nach der Arbeit zeigen meist eine eher milde Form des Tying Up, in schweren Fällen ist die Krankheit unheilbar und kann in einzelnen Fällen auch tödlich sein. Tying Up, so vermuten die Tiermediziner, hat verschiedene Ursachen, unter anderem ein Mangel an Vitamin E und / oder Selen, ein instabiler Kalziumspiegel oder zu viel Milchsäure im Muskelgewebe. Die Milchsäure kann nur einige Minuten lang arbeiten, da sie den Muskel ansäuert und der Muskel die Milchsäure wieder abbauen muss. Milchsäure entsteht in besonders großer Menge bei schnellen, viel Energie fordernden Bewegungen. Eine weitere Theorie geht davon aus, dass einige Pferde auch Probleme haben, die Kohlehydrate des Krippenfutters in Muskelenergie  umzuwandeln. Die Studie der texanischen Universität zeigte auch hier bei allen betroffenen Pferden nach einigen Wochen der Fettfütterung eine Verbesserung von 25%. Die Muskeln beginnen dabei mehr und mehr die notwendige Energie aus dem Fett zu ziehen und weniger aus den Kohlehydraten. Das Tying Up Syndrom ist in jedem Fall eine sehr ernst zu nehmende schwere Krankheit und ohne einen Tierarzt sollte kein Pferdebesitzer Rezepte ausprobieren.

Dosierung
Um Energie und Gewicht zu steigern sollte über einen Zeitraum von mindestens zehn Tagen die Fettration langsam gesteigert werden, bis sie etwa zehn Prozent der der Krippenfutterration ausmacht, das Kraftfutter wird im gleichen Maß reduziert.
Für das glänzende Fell genügen etwa vier Esslöffel, während bei Tying Up nur nach Absprache mit dem Tierarzt - soviel Kraftfutter wie möglich ersetzt werden sollte.
Wie bei jeder Fütterung gilt auch hier: je öfter desto besser, mindestens aber zweimal am Tag.
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