Lahmheit bei Pferden

Manchmal geschieht es ganz plötzlich: Scheinbar ohne Grund, fängt ein Pferd an zu "tickern". Oder es ist von einem Tag auf den anderen "stocklahm". Für Pferdebesitzer und Reiter bedeutet dies meistens "Alarmstufe rot". Denn oftmals ist es schwierig herauszufinden, warum das Pferd lahmt. Und das ist auf jeden Fall mit - vielleicht sogar hohen - Kosten verbunden.

Wenn ein Pferd lahmt, kann dies vielfältige Ursachen haben. Auch die Schwere der Erkrankung kann sehr unterschiedlich sein – vom kaum erkennbaren Taktfehler bis hin zum hochgradigen Lahmen. Die Schmerzen können aus den Beinen, dem Rücken, aber auch aus dem Maul kommen. Insofern stellt die Diagnose und auch Behandlung dieser Erkrankungen für Tierärzte eine besondere Herausforderung dar.
Wir werden in dieser Serie verschiedene Erkrankungs- und Behandlungsformen darstellen.

Die Suche nach der Lahmheit
Wenn ein Pferd plötzlich beim Reiten „tickert“, kann das verschieden Gründe haben. Deshalb wird der Tierarzt zunächst erfragen, wann das Pferd zum ersten Mal gelahmt hat. Ob es auf der Koppel gewesen ist, gesprungen worden ist oder ein anstrengendes Training hinter sich hat.

Dann wird sich der Tierarzt das Pferd in der Bewegung und auf verschiedenen Böden anschauen. Wie bewegt sich das Tier im Schritt, im Trab und im Galopp? Wie fußt es auf gebogenen Linien ab? Ist ein Unterschied zu erkennen, wenn der Vierbeiner auf weichem oder harten Boden läuft?

Auf diese Weise kann der Tiermediziner auch bereits feststellen, welches Bein betroffen ist. Das typische „Kopfnicken“ deutet zum Beispiel darauf hin, dass ein Vorderbein betroffen ist. Dann versucht der Tierarzt durch Abtasten, die Quelle des Schmerzes zu lokalisieren. Gibt es warme oder heiße Stellen? Ist das Bein sogar geschwollen? Lassen sich Verhärtungen erfühlen?

Wenn dies alles noch kein eindeutiges Ergebnis bringt, prüft der Tierarzt mit der Hufzange, ob der Huf schmerzt. Beugeproben (die Gliedmaßen werden nacheinander gebeugt. Danach muss das Pferd lahmfrei traben können) sind weitere Indizien dafür, wo der Schmerz herkommen kann. Ist hierdurch auch keine eindeutige Diagnose möglich, nimmt der Tierarzt sogenannte „Leitungsanästhesien“ vor. Dies bedeutet, dass verschiedene Regionen des Beines mit einem Schmerzmittel betäubt werden. Der Veterinär beginnt knapp über dem Huf und betäubt dann das Bein immer weiter nach oben, bis die schmerzende Stelle gefunden ist.

Hilfe durch die Technik
Eine definitive Diagnose ist in den meisten Fällen jedoch erst mit Hilfe der Technik möglich. Schließlich kann kein Tierarzt in das Bein „hineinschauen“.

Röntgen
Röntgenbilder können Veränderungen der Knochen und der Knochendichte aufzeigen. Dieses Gerät ist in fast jeder Praxis vorhanden. Außerdem gibt es mobile Geräte, die eine erste Diagnose vor Ort ermöglichen, zum Beispiel bei Knochenbrüchen. Eine noch bessere, aber auch sehr viel teuere Methode, ist die Computertomographie. Die Computertomographie ermöglicht Probleme im Kopf- und Halsbereich sowie der Gliedmaßen einwandfrei zu erkennen und gezielt zu behandeln. Durch ein digitales Verfahren werden Bilder von Schnittebenen verschiedener Körperregionen dargestellt. Aufgrund der Größe kann dieses Verfahren bei Pferden nur im Bereich der Gliedmassen, des Kopfes und des oberen Halses angewandt werden.

Ultraschall
Mit dem Ultraschallgerät können angerissene Muskeln, Sehnen und Bänder an der Beinen aufgespürt werden. Diese Methode eignet sich also besonders gut zur Beurteilung von Weichteilen.

Thermografie
Eine Wärmekamera kann Entzündungsherde aufzeigen. Kalte und gesunde Köperregionen werden meistens blau angezeigt, während entzündete Regionen mit diesem Gerät rot und orange dargestellt werden.

Szintigraphie
Bei unerklärlichen Lahmheiten bringt oft die Szintigraphie eine sichere Diagnose. Mit diesem Verfahren können versteckte Knochen- und Weichteilschäden ausgemacht werden. Um dies zu ermöglichen, wird dem Pferd eine radioaktive Substanz ins Blut gespritzt. Die durch diesen Stoff ausgesandten Gammastrahlen werden mit Hilfe einer speziellen Kamera aufgezeichnet und in Bilder umgesetzt. Dort, wo krankhafte Prozesse im Körper des Vierbeiners stattfinden, sammelt sich das radioaktive Material in besonderer Weise. Es bilden sich sogenannte Hot-Spots, in denen Gelb- und Rottöne überwiegen. Diese Hot-Spots sind ein Zeichen dafür, dass an dieser Stelle die Stoffwechselleistung des Knochens erhöht ist, was auf einen entzündlichen Prozess schließen lässt.