Serie: Der Traum vom eigenen Pferd (Teil 5)

Serie: Der Traum vom eigenen Pferd (Teil 3)

Endlich ist es soweit. Sie haben sich gründlich überlegt, welches Pferd zu Ihnen passen könnte und wissen auch, wie viel Geld Sie aufgeben möchten. Jetzt müssen Sie nur noch Ihr Traumpferd finden. Stellen Sie sich am besten schon einmal darauf ein, dass dies nicht von heute auf morgen klappen wird. Bestimmt werden Sie oft längere Strecken fahren müssen, um sich ein Verkaufspferd anzuschauen und auszuprobieren. Vielleicht finden Sie das passende Pferd bereits beim ersten Züchter, den Sie besuchen, aber das ist eher unwahrscheinlich. Es lohnt sich, möglichst viele Pferde zu besichtigen, denn dann bekommt man ein Gespür dafür, die einzelnen Tiere auch relativ objektiv zu beobachten. Aber nun konkret: Wo finde ich mein Pferd?

Beim Züchter
Ein Züchter ist fast immer eine gute Anlaufstelle. Natürlich sollte er einen guten Ruf haben. Die Adressen und vielleicht auch weitere Informationen erhalten Sie bei den jeweiligen Zuchtverbänden. Dort gibt es übrigens auch Mitarbeiter, die für den Verkauf der Verbandspferde zuständig sind, zumindest bei den großen Zuchtverbänden, wie z.B. dem Holsteiner Verband. Der Vorteil ist, dass hier auch der gute Ruf des jeweiligen Verbandes auf dem Spiel steht, sodass sich die Verkaufsmitarbeiter in den meisten Fällen sehr bemühen werden, das passende Pferd für Sie zu finden. Dennoch sollten Sie auch bei einer solchen „Vermittlung“ dem Verkaufsmitarbeiter nicht „blind“ vertrauen, sondern auch ihren eigenen Pferdeverstand ins Spiel bringen.

Wenn Sie sich direkt an einen Züchter wenden, sollten Sie sich die jeweiligen Ställe gut anschauen. Wie sehen die Boxen und Weiden aus? Wie wachsen die Jungpferde auf? Was bekommen die Tiere zu fressen? Dies alles beeinflusst in hohen Maße die Qualität der angebotenen Pferde. Jungtiere, die in erster Linie in der Box stehen, können sich nicht so optimal entwickeln wie ihre Artgenossen, die viel draußen sein dürfen. Züchter bieten meistens junge Pferde an, die noch nicht oder nur wenig ausgebildet sind. Das sollten Sie natürlich auch vorher wissen. Es gibt aber auch einige Züchter, die ihre Pferde ausbilden lassen – oft in anderen Betrieben und Ausbildungsstätten. Diese Kombination ist eigentlich ideal. Diese Pferde sind artgerecht aufgewachsen und im entsprechenden Alter angeritten und weiter ausgebildet worden. Sie können sich ausrechnen, dass solche Pferde recht teuer sind. Der Züchter muss jeden Monat den Beritt bezahlen (ab 400 Euro im Monat) und das möchte er beim Verkauf natürlich auch wieder bekommen.

Durch Inserate
In Zeitschriften und zunehmend im Internet z.B. im Pferdemarkt von www.pferde.de werden Pferde per Inserat angeboten. Die Beschreibungstexte sind oft nichtsagend und schwer zu interpretieren. „Nicht für Anfänger geeignet“ ist zum Beispiel häufig zu lesen. Ist dieses Pferd für einen Anfänger zu gut ausgebildet oder so schwierig, dass nur erfahrene Reiter mit ihm klar kommen könnten?  Was bedeutet „turniererfahren“? Hat dieses Pferd sich auf Wettbewerben bewährt oder wurde es ein paar Mal vorgestellt, erzielte aber keine Platzierungen? In den Texten wimmelt es von Begriffen wie „Ausnahmepferd mir überragenden Gängen“, „ein echter Hingucker“, „Schleifensammler“, „bildschön und ausdrucksstark“, „Verlasspferd“, „Kracher für das große Viereck“, „Hengstanwärter“, „Prämienstutenanwärterin“ u.s.w.
Wenn Sie wirklich wissen wollen, was dahinter steckt, müssen Sie sich schon ihr eigenes Bild machen.

Auf Auktionen
Wer ein Klassepferd sucht und auch relativ viel Geld ausgeben kann, ist auf einer Auktion gut aufgehoben. Die entsprechenden Termine findet man auf den Internetseiten der jeweiligen Zuchtverbände. Diese Veranstaltungen sind das Aushängeschild der Zuchtverbände, deshalb werden dort nur ausgewählte Pferde angeboten, die vorher eingehend tierärztlich untersucht wurden. Sie können die angebotenen Tiere natürlich vorher ausprobieren. Mitarbeiter der Zuchtverbände stehen für etwaige Frage bereit. Bei der anschließenden Auktion kann es im wahrsten Sinne des Wortes hoch hergehen. Es kommt immer wieder vor, dass sich Interessenten um ein Pferd im Preis immer weiter hochschaukeln. Schließlich hat der Käufer mit dem Fall des Auktionshammers sehr viel mehr geboten, als er eigentlich wollte. Aber das ist natürlich auch der Sinn solcher Events.

Über den Reitlehrer
Wer regelmäßig Unterricht nimmt, kann auch seine Reitlehrerin oder seinen Reitlehrer um Rat fragen, denn sie wissen genau, wie sie reiten und welches Pferd zu Ihnen passen könnte. Oft besteht auch ein guter Kontakt zu Händlern und Züchtern. Wahrscheinlich wird der Reitlehrer für die Vermittlung eine Provision erhalten, aber das ist auch in Ordnung, da er Sie bei der Auswahl des Pferdes berät und mit Ihnen unterwegs ist, also auch unter Umständen eine längere Zeit investiert.

Beim Pferdehändler
Für die meisten Reiter hat der Begriff „Pferdehändler“ einen ganz schlechten Beigeschmack. Immer wieder kursieren Gerüchte von „Rosstäuschern“, die z.B. die angebotenen Pferde mit Beruhigungsmitteln behandeln oder vorher so extrem abreiten lassen, dass sie zwar während des Proberittes zwar super gehen, aber zu Hause in der heimischen Halle vollkommen auseinanderfallen.
Sicher mag es in der Branche solche schwarzen Schafe geben, die nur auf den schnellen Euro aus sind. Aber es gibt auch viele ehrliche Händler, die sich bemühen ihre Kunden zufrieden zu stellen. Schließlich kommen solche Kunden wieder, wenn sie z.B. ihr Pferd verkaufen wollen oder an einem anderen interessiert sind. Am besten man hört sich einfach in Reiterkreises um. Dann findet man auch die richtigen Adressen. 

Der Pferdemarkt
Die meisten Pferdemärkte bieten ein trauriges Bild. Dort werden meistens minderwertige Tiere im schlechten Zustand angeboten. Natürlich sind diese Pferde sehr viel günstiger. Aber eins sollten Sie dabei bedenken: Ein weniger gutes, vielleicht sogar krankes Pferd kostet im Unterhalt genau so viel wie ein ordentliches, gut ausgebildetes Reitpferd. Also Finger weg von solchen Märkten! Teil 1      Teil 2     Teil 3      Teil 4      Teil 5
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