Sommerekzem

Das allergisch bedingte Sommerekzem Eine der häufigsten Hautkrankheiten beim Pferd ist die allergisch bedingte Dermatitis. In Deutschland allergisches Sommerekzem genannt, ist es identisch mit „sweet itch“ in England und „summer itch“ in Amerika sowie SSRD (Summer Seasonal Recurrent Dermatitis) in der englischen Fachliteratur. Ihr liegt häufig eine Sensibilisierung auf verschiedene stechende Insekten zugrunde. Einzelne Tiere zeigen dabei häufig unterschiedlich ausgeprägte Reaktionen auf einzelne Fliegenarten oder auch auf mehrere gleichzeitig. Bestimmte Pferderassen, wie zum Beispiel das Islandpony und das Welshpony, scheinen zudem eher als andere Rassen betroffen. Für die Erkrankung wird auch eine genetische Disposition beschrieben. Das allergisch bedingte Sommerekzem kommt bei nahezu 30% der Island-Ponys und bei ca. 1-5% der Pferde anderer Rassen vor. Epidemiologische Studien bei Island-Ponys haben gezeigt, dass von Island (wo das Sommerekzem nahezu unbekannt ist) nach Schweden importierte ausgewachsene Tiere häufiger diese Krankheit entwickelten als in Schweden geborene Nachfahren. Sommerekzem - Symptomatik Zu Beginn der Krankheit zeigen sich die Symptome durch Papeln, Schuppen und Knoten mit starkem Juckreiz im Bereich der Mähne, an den Ohren, der Rückenlinie und des Schweifes. Man vermutet, dass die Orte der Hautveränderung in Abhängigkeit zu den verschieden Insekten-Arten steht (verschiedene Arten bevorzugen unterschiedliche Orte der Nahrungsaufnahme). Im Zuge der folgenden Attacken wird die Haut zunehmend geschädigt und über einen Zeitraum von Jahren bilden sich sogar dicke Hautfalten, an der Schweifrübe und der Mähne entstehen ebenfalls chronische Hautschäden und Haarverlust. Häufig wird eine Verschlimmerung der Symptome von Jahr zu Jahr beobachtet. Die allergenfreie Zeit der Wintermonate reicht dann für die Erholung der Haut nicht mehr aus und es entwickelt sich eine ganzjährige Dermatose. Sommerekzem - Entstehung Verantwortlich für die Entstehung der allergischen Dermatitis sind Kriebelmücken, Stechmücken, Bremsen, Stallfliegen und viele andere Unterarten, die auch unterschiedliche Reaktionen hervorrufen. Bei einem sehr starken Kriebelmückenbefall zum Beispiel kann es zu Störungen des Herz - Kreislauf - Systems und der Atmung kommen. Eine Allergie gegen Stechmücken zeigt sich durch Quaddeln und Gewichtsverlust und selbst die einfache Stubenfliege kann im Bereich der Augen oder Nüstern durch die große Zahl auch mechanische Schäden verursachen. Die häufigsten Allergieauslöser aber sind Gnitzen, blutsaugende Parasiten und ihre Stiche sind für das Pferd sehr schmerzhaft. Durch den Stich oder Biss gelangt der Speichel der Insekten als allergen-wirksame Substanz in den Pferdeorganismus und verursacht eine allergische Reaktion. Sie zeigt sich im Wesentlichen mit drei Mustern:
  1. im Rückenbereich zwischen Ohren und Schweif
  2. im Bereich der Mittellinie (Linea alba)
  3. in einer Kombination beider Formen
Die Symptome stehen natürlich in engem Zusammenhang mit dem Lebenszyklus der Insekten. Frühjahr bis Herbst sind also die gefährlichen Jahreszeiten. Ideale Brutbedingungen sind außerdem Temperaturen über 10°C, stilles oder mäßig fließendes Gewässer und Windstille. Im Allgemeinen fliegen diese Insekten nur kurze Distanzen von ihrer Brutstätte und bevorzugen die Nahrungsaufnahme in den frühen Abendstunden. Betroffene Tiere sollten daher von Weiden nahe stiller oder langsam fließender Gewässer dann ferngehalten werden. Doch diese Form der Weidekontrolle ist für viele Pferdebesitzer kaum praktikabel und scheint oft unrealistisch. Sommerekzem - Diagnose

Die Diagnose des allergischen Sommerekzems ist nicht leicht, denn Fliegen und Mücken lassen sich in ihrer großen Zahl und Artenvielfalt nicht kontrollieren. Doch das meist saisonale Auftreten der Beschwerden der typischen Symptome, die Haltung, Fütterung, die Rasse und mögliche ‚familiäre’ Erkrankungen erleichtern die klinische Diagnose. Wer jedoch ganz sichergehen will, kann natürlich auch bei einem Pferd einen Allergietest durchführen lassen. Auf diese Tests reagieren die meisten betroffenen Tiere während der Insektensaison innerhalb von 30-60 Minuten. Sofortreaktion und verspätete Reaktion (nach 4h/24h) sollten im Zusammenhang der ausführlichen Anamnese interpretiert werden. Der beste Zeitpunkt für eine Blutentnahme ist ca. 4-6 Wochen nach dem ersten Auftreten der Symptomatik. Der meist genutzte Test ist der so genannte Elisa-Test. Dabei werden am Ende die allergenspezifischen Antikörper im Serum als Maß für die Sensibilisierung des Tieres gemessen und die Reaktionsklassen 3-5 schließlich weisen dann deutlich auf eine Allergie des Pferdes hin. Sommerekzem Behandlung und Heilung Therapien für eine wirkliche Heilung sind bisher nicht bekannt, doch es ist möglich die Beschwerden des Pferdes und das äußere Erscheinungsbild zu lindern. Patentrezepte aber gibt es keine, jeder Fall muss individuell gelöst werden. Die wichtigste Maßnahme ist natürlich zunächst die grundsätzliche Mückenabwehr. Das Pferd braucht ein gutes Insektenschutzmittel und sollte während der Hauptflugzeit der Mücken Gelegenheit haben einen Stall aufzusuchen. Gute Erfolge hat man sicher auch mit den so genannten ‚Ekzemdecken, die seit einigen Jahren im Handel sind. Diese leichten Sommerdecken nehmen den Plagegeistern die Angriffsmöglichkeiten und lassen das Pferd die Weide genießen. Die ersten Anzeichen einer erhöhten Sensibilität lassen sich in einigen Fällen mit einer hochwertigen Futtermischung, die zum Beispiel Zink und Selen enthält, gut behandeln. Voraussetzung für den Erfolg ist allerdings, dass bei der Haltung, der Pflege und dem Gesamtfutterangebot keine gravierenden Fehler gemacht werden. Satte Weiden und regelmäßige Getreiderationen, mit den darin enthaltenen Phytaten binden die Spurenelemente Zink, Selen und Kupfer und schließen sie so von der Verwertung aus. Pferde, die gleich im Frühjahr mit dem Ekzem zu kämpfen haben oder schon längere Zeit darunter leiden, sollten vor einer Zufütterung von Spurenelementen oder Mineralien durch ein Blutbild untersucht werden, um die möglichen Defizite genau zu bestimmen. Viele Hersteller bieten auch Öle, Tinkturen, Salben und Lotionen an, die helfen die Symptome und den Juckreiz zu lindern. Welches Präparat probiert und verwendet wird, muss man sich jedoch genau überlegen und immer mit dem Tierarzt absprechen. Einige Arzneimittel werden außerdem nicht gegen die Krankheit eingesetzt, sie unterstützen den Körper vielmehr in seinem Immunsystem und seiner Regenerationsfähigkeit und lassen auch damit Heilvorgänge zu. Im schlimmsten Fall, bei einem starken und ernsten Verlauf, wird der Tierarzt allerdings um eine Cortison - Behandlung nicht herumkommen. Einige Islandpferdebesitzer berichten von sehr guten Erfolgen mit ‚Butox 7,5,. Eigentlich für Rinder und Schafe gedacht, scheint es auch den Pferden zu helfen. Es wird von der Mähne bis zur Kruppe aufgetragen und von den Tieren über die Haare und die Haut aufgenommen. Sie werden damit für Mücken und Co unappetitlich. Es gibt viele Möglichkeiten, aber keine allgemein gültige Lösung des Problems, das ist das Schicksal der Pferdebesitzer, deren Tiere sich mit diesen Allergien plagen. In jedem Fall braucht man viel Geduld, denn Hautkrankheiten sind oft langwierig und Allergien begleiten das Pferd meist lebenslang.                (aus: Pferde Fit&Vital Nr. 01/2002)