Alles im Griff? Zügelhilfen richtig lernen

Gar nicht so leicht: Die Kommunikation mit dem Pferd 

Wenn Reitanfänger erfahrenen Reitern zuschauen, dann stellt sich häufig die Frage: Woher weiß das Pferd denn eigentlich, was es tun soll? Die gegebenen Reiterhilfen erfolgen für den Außenstehenden oft unbemerkt. Erste Versuche auf dem Pferderücken bringen dann schnell Ernüchterung. Ein wenig Druck mit den Beinen als „Gaspedal“, die Zügel als „Bremse“ und “Lenkrad“? Weit gefehlt. Gerade mit Blick auf die Zügelhilfen fällt Reitanfängern eine richtige und ruhige Handhaltung oft schwer. Der korrekte Sitz, die ungewohnten Bewegungen, unbekannte Kommandos – es gibt so vieles, auf das man achten muss. Passiert dann etwas Unvorhergesehenes, wird oft automatisch „die Notbremse“ gezogen und die Hände des überraschten Reiters treffen sich vor der Brust. Wenn es noch an der notwendigen Muskulatur, Technik und Erfahrung fehlt, dann passiert es schnell, dass die Zügel zum Festhalten genutzt werden. Doch das gilt es natürlich unbedingt zu vermeiden. Das Maul des Pferdes ist empfindlich und der vom Reiter ausgeübte Druck kommt erheblich stärker dort an, als er abgegeben wurde. 

Zügelhilfen als Kommunikationsmittel

Während des Reitens besteht ein ständiger Kontakt zum und Austausch mit dem Pferd. Neben den Gewichtshilfen und Schenkelhilfen, sind die Zügelhilfen die Dritten im Bunde wenn es darum geht, mit dem Pferd zu kommunizieren. Sie kommen immer im Zusammenspiel mit den Erstgenannten zum Tragen. Gemeinhin wird zwischen fünf verschiedenen Zügelhilfen unterschieden. 

In der annehmenden Zügelhilfe zum Reiten von Paraden wird die Hand verstärkt geschlossen und ggf. ausgedreht. Wichtig ist hier, dass im Falle dessen, dass das Pferd nicht wie gewünscht reagiert, nicht verstärkt am Zügel gezogen und damit rückwärts gewirkt wird. Sobald die annehmende Zügelhilfe eingesetzt wurde, erfolgt eine nachgebende. 

Diese nachgebende Zügelhilfe wird z.B. auch beim Anreiten gegeben und gestaltet sich vielfältig. So kann ein leichtes Öffnen der Hand oder eine zarte Vorwärtsbewegung dieser als Signal gelten. Hat man zuvor die Zügel angenommen, so erfolgt die nachgebende Zügelhilfe so, dass man wieder in die Ausgangsposition zurückkehrt. Nachgebende Zügelhilfe bedeutet aber nicht, dass man die Zügel „wegwirft“ – eine Anlehnung bleibt immer bestehen. 

In der durchhaltenden Zügelhilfe wird die Hand ähnlich der annehmenden Zügelhilfe sanft verstärkt geschlossen. Doch es erfolgt nicht umgehend wieder eine Öffnung, sondern der Reiter wartet, bis das Pferd sich vom Gebiss abstößt und nachgibt. Dann wird auch sofort im Zügel wieder nachgegeben. Die durchhaltende Zügelhilfe sollte weder als Machtkampf gesehen werden, noch dazu führen, dass rückwärts gewirkt wird – dauerhaft wird diese Zügelhilfe also nicht gegeben. 

Gilt es, das Pferd zu stellen oder zu biegen, dann kommt die verwahrende Zügelhilfe zum Einsatz. Der innere Zügel wird angenommen, mit dem äußeren in etwa gleich viel nachgegeben. Dies ist notwendig, da es sonst zu einer schiefen Kopfhaltung des Pferdes kommt. Gibt der Reiter allerdings im äußeren Zügel zu viel nach, dann läuft das Pferd über die Schulter weg, indem es den Hals zu sehr biegt und mit der Schulter nach außen drückt. 

Eine weitere Zügelhilfe ist die seitwärtsweisende Zügelhilfe. Sie wird auch richtungsweisende Zügelhilfe genannt, denn sie dient dazu, dem Pferd die Richtung zu verdeutlichen. Der Einsatz dieser Zügelhilfe erfolgt häufig bei jüngeren Pferden oder im Training. Dabei wird die Hand leicht vom Pferd weg in die einzuschlagende Richtung bewegt. Die äußere Hand muss sich dieser Bewegung anpassen. Wichtig hier ist, dass die Zügel zur Seite und nicht nach hinten bewegt werden, da sie sonst rückwärts wirken. 

Übung macht den Meister

Um diese Zügelhilfen korrekt geben zu können, ist eine richtige Zügelhaltung unerlässlich. Bekanntlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und so erfordert es viel Training, bis die Verständigung mit dem vierhufigen Partner einwandfrei klappt. Um das theoretische Wissen um die richtige Handhaltung und Zügelführung auch in der Praxis umzusetzen, ist es sinnvoll, sich einigen Tricks und Hilfsmitteln zu bedienen. Viele Reiter beginnen den Unterricht an der Longe. Dies hat zum Vorteil, dass der Anfänger sich nicht auf alle Aspekte des neuen Hobbys gleichzeitig konzentrieren muss, sondern den Fokus auf einzelne Komponenten legen kann und so Bewegungsabläufe langsam und korrekt erlernt. So kann Vertrauen zum Partner Pferd aufgebaut werden. 

Erst wenn der korrekte Sitz und erste Gewichts- und Schenkelhilfen erlernt wurden, werden die Zügel aufgenommen. Damit wird vermieden, dass der Reitanfänger Unsicherheiten auf das Pferdemaul überträgt. Auch kann es hilfreich sein, zunächst mit einem Seil, das nicht mit der Trense verbunden ist, zu üben. Dieses wird gehalten wie ein Zügel, sodass der Reiter die Zügelführung und Handhaltung kennenlernen kann. Häufig wird zu Beginn geraten, sich – mit und ohne Zügel – am Halteriemen des Sattels festzuhalten. Doch durch die tiefe Position des Sattelriemens wird einer korrekten Sitzhaltung und der oben beschriebenen Zügelhaltung entgegengewirkt. Es kommt zu einer Rundung des Rückens, einer Tendenz zum Stuhlsitz und einer allgemein verkrampften Handhaltung. 

Mit Trainingshilfen Fehler vermeiden 

InnoHorse hat sich intensiv mit dieser Problematik beschäftigt und die Trainingshilfe OPTIHAND entwickelt. Dieses Tool wird mit zwei Gurten am Sattel eingehakt. Reitanfänger an der Longe können sich an den angebrachten Griffen festhalten, so wie sie es am Sattel tun würden. Allerdings wird gleichzeitig bereits die richtige Position von Armen und Händen geübt. Auch nach Aufnahme der Zügel können diese gemeinsam mit OPTIHAND gehalten werden. Verliert der Pferdefreund kurzzeitig die Balance, hält er sich nicht am Zügel fest, sondern kann sich über OPTIHAND wieder stabilisieren. Im Verlauf des Unterrichts kann die Trainingshilfe an ihren Gurten Stück für Stück verlängert eingestellt werden, bis sie letztlich überflüssig wird. 

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Man lernt nie aus 

Doch nicht nur Anfänger tun sich schwer mit der richtigen Handhaltung. Die korrekte Anwendung der Zügelhilfen fällt schwer, wenn sich über die Zeit eine falsche Handhaltung eingeschlichen hat. Verdeckte, abgeknickte oder verdrehte Hände, eine zu hohe oder tiefe Positionierung oder unsensible Zügelführung behindern die Kommunikation mit dem Pferd. Immer wieder ist dann von Tricks die Rede, die den Reiter an die korrekte Haltung erinnern sollen. Der Einsatz von Schwämmen, mit Wasser gefüllten Tassen oder gar Kerzen oder das Einklemmen von Tennisbällen in der Armbeuge mag den Pferdefreund in der praktischen Anwendung vor eine Reihe – möglicherweise amüsanter – Probleme stellen. OPTIHAND eignet sich auch für den fortgeschrittenen Reiter in der Beseitigung hartnäckiger Fehler in der Handhaltung und Zügeleinwirkung. Die Griffe sind drehbar, so dass das Annehmen und Nachgeben der Zügel durch Ein- und Ausdrehen der aufgestellten Hände aus dem lockeren Handgelenk gezielt trainiert werden kann.  Auch noch feinere Zügelhilfen durch Zusammendrücken der Hand können durch die weiche, gummiartige Polsterung vermittelt werden.

Für eine bessere Kommunikation

Es zeigt sich also, dass die Zügelhilfen nur dann korrekt gegeben werden können, wenn die Hand- und Zügelhaltung des Reiters richtig erlernt wurde. Ob Anfänger oder fortgeschrittener Reiter – es lohnt sich, immer wieder darauf zu achten, dass sich keine Fehler einschleichen. Trainingshilfen wie OPTIHAND können dabei eine wertvolle und pferdeschonende Hilfe sein.