Atypische Weidemyopathie – exakter Auslöser unbekannt

Atypische Weidemyopathie – exakter Auslöser unbekannt

Haflinger beim Weiden

Ursachen und Symptome

Der genaue Auslöser und die eigentliche Ursache für den Ausbruch dieser bei Pferden zwar selten auftretenden, aber in den meisten Fällen tödlich endenden Weidekrankheit, sind bislang ungeklärt. Zahlreiche Spekulationen sind in der Literatur zu finden, doch keine konnte als tatsächlicher Auslöser dingfest gemacht werden. Die Krankheit selbst zeigt sich durch eine vor allem im Herbst, zum Teil auch im Frühjahr, auftretende Muskelschwäche mit Muskelzerfall bis hin zu völliger Muskeldegeneration.

Es treten körperliche Symptome auf wie dunkelroter oder brauner Harn, verursacht durch den mit dem Urin ausgeschiedenen Muskelfarbstoff Myoglobin. Auch eine bläulich-rot verfärbte Mundschleimhaut kann in den meisten Fällen festgestellt werden. Alle weiteren Symptome ähneln der durch Belastungen hervorgerufenen Myopathie: plötzliche Steifheit, Muskelzittern, schwankender Gang, Atembeschwerden, Schweißausbrüche sowie erhöhter Puls. Des Weiteren konnten bei erkrankten Tieren starke Kolikbeschwerden bis hin zu Magengeschwüren festgestellt werden. Sicher ist, dass die atypische Weidemyopathie auf eine toxisch bedingte Störung des Muskelstoffwechsels zurückzuführen ist.

Fest steht ebenfalls, dass die Weidekrankheit bei jahreszeitlichen klimatischen Veränderungen auftritt, überwiegend im Herbst von Oktober bis Dezember und seltener im Frühjahr von April bis Mai. Vor allem nach feuchter Wetterlage mit Wind und kalten Nächten bei Temperaturen um 8 Grad Celsius. Als weitere Risikofaktoren gelten lange Weidezeiten, die Weidelage in Waldnähe sowie wenig gedüngte und stark abgegraste, verkotete Weiden.

Geschwächtes Pferd beim Weiden

Zeitweise standen Blätter des Bergahorns in besonderem Verdacht bzw. deren Befall mit einem Pilz - auch ein Bakterium, das bei entsprechend feucht-kalter Wetterlage Toxine freisetzt und könnte daher ein Mitauslöser sein. Oder auch Sames dieses Baumes, denn sie enthalten das pflanzliche Gift Hypoglycin A und fallen verwelkt zur Herbstzeit auf die Weiden hinab. 

Diagnose und Verlauf der atypischen Myopathie

Wie eingangs schon erwähnt, liegt die Todesrate erkrankter Pferde bei 90 Prozent. Da die exakten Ursachen der Weidemyopathie bislang ungeklärt sind, ist die Diagnose entsprechend schwierig. Der Tierarzt stellt diese anhand des klinischen Bildes sowie einer Harn- und Blutuntersuchung. Das Blut enthält eine hohe Menge eines durch den Muskelzerfall freigesetzten Muskelenzymes, oft sind zudem Harnstoff- und Kreatininwerte erhöht, das Blut verdickt und der Calciumwert stark gesenkt. Das zudem aus den Muskeln freigesetzte Myoglobin verursacht eine starke Schädigung der Nieren.

Im Anschluss an die im Anfangsstadium der atypischen Myopathie auftretenden Symptome kommt es im weiteren Verlauf innerhalb der nächsten ein bis drei Tage zum Festliegen mit Streckkrämpfen und Ruderbewegungen bis zum Eintreten des Todes. Der Muskelzerfall zerstört dabei die gesamte Muskulatur bis hin zur Herzmuskulatur.

Behandlung der Weidekrankheit

Ebenso wie die Diagnose gestaltet sich auch die Behandlung der atypischen Myopathie schwierig und konzentriert sich daher auf die auftretenden Symptome. Kortison und Antibiotika, also schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente, werden eingesetzt, aber auch Infusionen zum Ausgleich des Elektrolythaushaltes und zur Spülung der Nieren. Mittel zur Durchblutung der Muskeln sollen den bei der atypischen Myopathie bzw. Weidemyopathie auftretenden Abbau der Muskulatur bremsen.