„Dein Gegenüber ist lediglich ein Spiegelbild von Dir selbst“ – Pferdetrainerin Nadja Zolles bloggt exklusiv auf pferde.de!

Horsemanship ist in aller Munde. Die Pferdetrainerin Nadja Zolles, die seit ihrer Jugend weltweit über die Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd lernt und lehrt, ist überzeugt: „Und bist du im Geiste und in deinem Herzen frei, so kannst du dein Pferd erreichen“. Für pferde.de bloggt Nadja ab sofort für dich über ihre Erfahrungen und Erkenntnisse. Entdecke regelmäßig in Artikeln und Videos, welche Tipps Nadja Zolles für einen partnerschaftlichen Umgang mit dem Pferd hat. Im heutigen Beitrag stellt die Autorin sich und ihren Weg zur erfolgreichen Pferdetrainerin vor und gibt in ihrem Videobeitrag hilfreiche Hinweise, wie man mit jungen Pferden auf eine natürliche Haltung hinarbeitet.

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Ein Beitrag von Nadja Zolles

Bereits als Kind entdeckte ich meine Leidenschaft im Umgang mit Tieren. Im Alter von 8 Jahren begann ich mich intensiv mit Pferden zu befassen, indem ich in der Nachbarschaft meines damaligen Wohnortes Schulunterricht im dort ansässigen Reitbetrieb nahm. Nachdem ich auf diese Weise drei Jahre lang die Grundzüge des Reitens erlernte, fand ich endlich meine langersehnte Reitbeteiligung an einem deutschen Reitpony. Dieses erste Erlebnis mit „meinem eigenen“ Pferd und die dadurch folgenden täglichen Reitausflüge ließen mein Herz höher schlagen und ich bekam das Gefühl, dass dieses Pferd und ich füreinander bestimmt waren. Von Anfang an harmonierte unsere Partnerschaft als ob wir bereits jahrelang zusammengehören würden. Nach zwei wundervollen Jahren voller Spaß und Leidenschaft trennten sich unsere Wege, da die damalige Besitzerin einen Umzug vollziehen musste.

Meine Trauerphase versuchte ich mit Hilfe einer neuen Reitbeteiligung besser zu überbrücken, nur leider musste ich feststellen, dass eine Pferdepartnerschaft nicht immer von Anfang an harmonisch läuft. Bedauerlicherweise fand ich innerhalb des ersten Jahres nur wenig Zugang zu dieser englischen Vollblutstute. Mein Ehrgeiz und meine Hartnäckigkeit an einer Besserung zu arbeiten wurde leider für mich sehr unbefriedigend belohnt, da mir das gleiche Schicksal widerfahren ist, wie bei meiner ersten Beteiligung: Ich war drauf und dran eine ersichtliche Verbesserung zu erzielen - und die Besitzerin wechselte den Stall, den ich damals mit 14 Jahren und somit ohne Auto leider nicht erreichen konnte. Alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei, dachte ich mir und wie es der Zufall so will, hörte ich von einer 13 Jahre alten Andalusierstute namens Minou. Nach unserem ersten Kennenlernen merkte ich, dass Minou scheinbar nicht für jedermann zugänglich war und somit irgendwie vom Typ her eine Mischung aus den beiden vorherigen Beteiligungen. Nachdem ich bei meinen ersten beiden Pferden regelmäßig Dressurunterricht nahm, kam dies aufgrund fehlender Überzeugung für diesen Reitstil für mich nun nicht mehr in Frage und ich nahm Minou als reines Freizeitpferd.

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Während endloser Ausritte durch die Wälder kam ich immer mehr zu meiner anfänglichen Überzeugung für das Natural Horsemanship zurück. Ich fing an, mich damit näher zu befassen, verbrachte die Nächte mit Büchern über diese Thematik, nahm am Wochenende an Kursen teil und lernte diverse Trainer aus diesem Bereich kennen. Wie es halt immer so ist, entwickelte sich aus allen Bekanntschaften ein neues Netzwerk und ich lernte durch Zufall Ian Benson kennen, bei dem ich mir eine Probestunde gönnte. Diese Stunde war für mich die Bestätigung meiner Überzeugung für diese Philosophie und nach weiteren Unterrichtsstunden der Beginn einer 5jährigen Working Student Zeit bei Ian. Ich begleitete ihn bei all seinen Kursen durch ganz Deutschland, bevor ich zusammen mit Ian nach Neuseeland ging, um täglich mehr zu lernen.  

Müsste ich das Erlernte bei Ian in einen Satz zusammenfassen, würde ich sagen: „Ich habe gelernt, mich selbst zu trainieren und zu verändern, denn Dein Gegenüber ist lediglich ein Spiegelbild von Dir selbst.“ Ian hatte eine große Farm mit über 20 Pferden, die ihm für seine tägliche Arbeit der Therapie für Kinder, Seminare für Teambildungsmaßnahmen, Reitunterricht in Einzelstunden und Kursen im Team, bis hin zu geführten Ausritten zur Erkundung der Weiten Neuseelands als Partner zur Seite standen. Es war eine Zeit, an die ich mich immer wieder gerne erinnere. So möchte ich mich an dieser Stelle nochmal ganz herzlich bedanken, dass ich dreieinhalb Monate dabei sein durfte. Während dieser ganzen Zeit habe ich am meisten über mich selbst gelernt und dass alles, was ich von meinem Pferd verlange und erwarte, von mir selbst ausgeht. Im Grunde genommen war nicht ich der Lehrer meinen Pferden gegenüber, sondern umgekehrt. Ich wurde mit Unterstützung von Ian immer ruhiger, konzentrierter und „hörte zu“ was die Pferde mir gestikulierend zum Ausdruck bringen wollten. Der tägliche Fortschritt und Erfolg mit dieser Art und Weise versetzte mich in eine Art Rauschzustand, der mich süchtig werden ließ. Ich war so glücklich und motiviert, dass mich nur die körperliche Erschöpfung zum Schlafen bringen konnte. Voller Glücksgefühle war ich endlich bereit, mich selbstständig zu machen und trat hoch motiviert mit tausenden von Ideen im Kopf die Heimreise an.

Zu Hause angekommen kümmerte ich mich um einen eigenen Internetauftritt und fing mit geringem Marketingaufwand an, mir Schüler zu suchen, denen ich mein bis dato erlerntes Können weitergeben konnte. Diese fand ich auch ziemlich schnell, indem ich zu Stallungen und Gestüten im Rhein-Main-Gebiet gefahren bin, um Plakate und Flyer zu platzieren. Des Weiteren fuhr ich auf Vorführungen mit meinem damals eigenen Pferd Kachino, den ich mir bereits vor meiner Zeit als Working-Student in Neuseeland gekauft hatte. Daraufhin kamen Anfragen in erster Linie für Einzelunterricht, die ich selbstverständlich alle angenommen habe, um mir einen Kundenkreis aufzubauen. Mit jeder Unterrichtsstunde entwickelte ich mich weiter, so dass ich bereit war, ganze Gruppen zu unterrichten. Somit konzentrierte ich mich auf Wochenendkurse für bis zu 8 Teilnehmer pro Tag, die ich auch bis heute noch favorisiere und auf meiner Homepage www.reitkunstbynadjazolles.de näher erläutere.

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Nach unzähligen Unterrichtsstunden für Freiarbeit war ich der Meinung, mich weiterbilden zu müssen und befasste mich mit geeigneten Lernquellen auf meiner Suche nach der richtigen Reitlehre. Angefangen beim englischen Reiten, über Barock bis hin zur klassischen Reiterei. All diese Reitweisen waren für mich wenig befriedigend und führten mich immer wieder in Sackgassen. Eines Tages stieß ich auf  Manuel George d‘ Oliveira, bei dem ich aus Zufall an einem seiner Kurse teilnehmen durfte. Seine Art des Dressurreitens aus vergangenen Zeiten überzeugte mich sofort und ich entschloss mich, meine Weiterbildung in den Oliveira Stables, einem eigenen Schulungszentrum von George d‘ Oliveira in Waal (Bayern) namens Escola de Equitacao in Angriff zu nehmen. Seit einem halben Jahr bin ich nun dabei und freue mich riesig auf die noch verbleibenden zweieinhalb Jahre, in denen ich Neues dazulernen kann, um mein Unterrichtsangebot und diese für mich einzige und wahre Form des Dressurreitens erweitern zu können. Ich würde mich freuen, wenn du mich auf diesem Weg begleitest. Es erwarten dich spannende Erkenntnisse und viele Tricks und Übungen, die du zu Hause nacharbeiten kannst.

Deine Nadja

 

 

Im Video: Umgang mit jungen Pferden - die richtige Haltung erzielen