Die fünf Sinne der Pferde: Sehen

Wer Pferde verstehen möchte, muss sich einmal in die Sinneswelt der Vierbeiner hineinversetzen. Pferde sehen, riechen, hören, fühlen und schmecken ganz anders als wir Menschen. Nur wenn wir wissen, wie die Sinnesorgane unserer vierbeinigen Freunde funktionieren, können wir auch ihr Verhalten verstehen.

Sehen
Das Gesichtsfeld eines Pferdes umfasst 355 Grad. Es kann daher gleichzeitig nach vorne, zur Seite und nach hinten gucken. Nur direkt hinter dem Vierbeiner befindet sich ein toter Winkel. Da die Augen des Pferdes sich seitlich am Kopf befinden, kann es nur den Bereich vor ihm (65 %)  räumlich und scharf sehen. Die beiden Bereiche seitlich von ihm (jeweils 145 %)  kann der Vierbeiner nur unscharf wahrnehmen. Zum Vergleich: Der Bereich, den der Mensch räumlich und scharf erkennen kann ist doppelt so groß.

Pferdeaugen sind darauf ausgerichtet, mehrere Dinge gleichzeitig scharf zu sehen. Wenn drei Dinge, zum Beispiel drei Kegel auf der Reitbahn, nebeneinander stehen, sieht ein Pferd alle drei Kegel gleich scharf. So ist das Fluchttier Pferd in der Lagen, den gesamten Horizont in der Breite zu erfassen und auf angreifende Feinde optimal zu reagieren.

Pferde können im Dunkeln ebenso wenig sehen wie der Mensch. Dafür sehen sie aber in der Dämmerung sehr viel besser. Im Inneren des Auges liegt das „Tapetum lucidum“, eine reflektierende Schicht im hinteren Bereich des Auges, welche das eintretende Licht auf die Netzhaut zurückwirft. Dadurch ist eine bessere „Lichtausbeute“ möglich. Auch nachtaktive Tiere wie Katzen oder Wölfe besitzen diesen „Restlichtverstärker“.

Über die Frage, welche Farben Pferde erkennen und unterscheiden können, wird in der Wissenschaft oft gestritten. Die Forscher gehen aber mehrheitlich davon aus, dass Vierbeiner nur blaue und rote Sehzapfen in den Augen besitzen und daher auch nur in der Lage sind, blau und rot zuverlässig voneinander zu unterscheiden. Grün nehmen Pferde nur als Grauton wahr. Insofern heben sich farbige und gutschmeckende Blüten auf der Koppel deutlich vom Grün der Weide ab. So sind die Pferde in der Lage, für sich Leckerbissen zu ergattern.

Pferde prägen sich ihre durch das Auge wahrgenommene Umgebung sehr gut ein. Jeder Veränderung wird als mögliche Gefahr eingeschätzt. Die Reaktion darauf heißt für ein Pferd: Flucht. Deshalb kann ein Vierbeiner zigmal ohne Probleme an einer Tonne auf dem Hof vorbeigegangen sein, aber scheuen, wenn auf der Tonne eine Katze hockt. In den seltensten Fällen ist das Pferd „bockig“, wenn es scheut oder zur Seite springt. Vielmehr handelt es sich um eine „angeborene“ Reaktion dies Flucht- und Herdentieres Pferd. Wenn zwischen Pferd und Reiter ein Vertrauensverhältnis besteht und der Vierbeiner den Mensch als „Leittier“ akzeptiert, sind solche „Fluchtsituationen“ gut zu meistern. Selbst Pferde, die auf einem oder beiden Augen blind sind, können deshalb trotzdem geritten werden. Der Reiter hat dann diie Funktion, für das Pferd zu sehen.

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