Die Rollkur – eine Tortur

Rollkur als Trainingsmethode

Rollkur 1 klein

Als Ausbildungsmethode kommt die so genannte Rollkur im Springreiten, Westernreiten und vor allem bei der Dressur zum Einsatz. Dabei wird das Pferd durch extremen Einsatz der Zügel dazu gezwungen, den Kopf über den Hals in Richtung Brust „einzurollen“, bis sich das Pferd quasi selbst in die Brust beißt. Somit wird also der Hals durch die übermäßig starke Einwirkung des Reiters auf die Zügel völlig überdehnt und das Pferd zum Senken des Kopfes gezwungen. Im Jahre 2006 gab es zur schon Jahre zuvor ausgebrochenen Debatte über das Thema Rollkur eine Expertenanhörung, ausgerufen durch die Internationale Reitervereinigung. Diese Runde führte jedoch zu keinem Ergebnis, das sich die Ansicht durchsetzte, bei einer Anwendung der Rollkur durch erfahrene Trainer seien keine wissenschaftliche Beweise greifbar, die Schäden für das Pferd belegen. Eventuell könnten Gesundheitsschädigungen auftreten, wenn unerfahrene Reiter die Rollkur anwenden.

Risiken der Hyperflexion

Beim Einsatz der Rollkur kommt es beim Pferd zu einer Hyperflexion, einer Überdehnung des Halses. Schon dieser Begriff macht deutlich, dass dieser Zustand für das Pferd unangenehm sein muss. Hyperflexion ist nichts anderes, als „…die exzessive Beugung eines Gelenkes, die dazu geeignet ist, Verletzungen herbeizuführen“. Hierzu zählen z.B. Schmerzen im Maul mit verhärteten Muskelregionen bis in den Rücken durch die starre Überdehnung der Halswirbelsäule zu einer aufgewölbten Position. Die Hauptverletzungsgefahr bei einer Hyperflexion entsteht durch die Einengung der Ganaschen, weiterhin können sogenannte Genickbeulen entstehen, die Vorderhand wird zu stark belastet und im Gegenzug die Hinterhand immer höher gezogen bis sie sich nicht mehr setzen kann. Zudem leidet der Orientierungssinn der Pferde durch die Rollkur, da die Sicht stark eingeschränkt wird, was für ein Fluchttier wie das Pferd eine absolute Zwangshaltung verursacht welche zu enormen physischen und psychischen Anspannungen führen muss. Aus Sicht des Tierschutzbundes verursacht dieses Ausbildungselement eine Zwangsposition für das Tier in der Art eines Polizei-Griffes, aus welcher sich das Pferd selbst bei Überanstrengung oder Gleichgewichtsproblemen nicht befreien kann. Aus diesem Grund lehnt auch die Akademie für Tierschutz die Rollkur bzw. Hyperflexion als Ausbildungselement rigoros ab.

Verweis auf die klassische Reitlehre

Die Debatte zum Thema Rollkur blieb zwischen der Internationalen Reiterlichen Vereinigung FEI und der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN lange Zeit ungeklärt. Die FEI akzeptiert die Anwendung der Hyperflexion als Trainingselement, da durch diese Rollkur, wenn sie durch erfahrene Trainer ausgeführt werde, keine gesundheitlichen Schäden für das Pferd zu erwarten seien. Rollkur 2 kleinDie FN hingegen sieht die Rollkur kritisch und verweist auf die Gültigkeit der klassischen Reitlehre, welche im Grundsatz folgendes besagt: „der Reiter als vernunftbegabtes Wesen darf von seinem Pferd nicht mehr verlangen, als es auf Grund seines aktuellen Ausbildungsstandes zu leisten in der Lage ist. Seelische und körperliche Komponenten müssen in Einklang stehen, d.h. eine Überforderung in diesen Bereichen ist in jeder Hinsicht zu vermeiden.“ Allerdings seien der FN die Hände gebunden, solange keine wissenschaftlichen Belege vorhanden sind, die gesundheitliche Schäden nachweisen.

Sinnvolle Ausbildung des Pferdes ohne Rollkur

Durch die Verwendung von massiven Trainingselementen wie der Rollkur wird das Pferd quasi zum reinen, gefühllosen Sportgerät denunziert. Es wird ihm keine ausreichende Ausbildungszeit zugestanden, sondern gewünschte Ausbildungsergebnisse werden mit Gewalt erzwungen. Dies führt zu einer Unterdrückung des Pferdes, welches sich bedingungslos unterwerfen muss. Doch durch die permanente Anwendung der Rollkur bzw. Hyperflexion vor allem im Spitzensport hat sich diese Methode auch im klassischen Reitsport nun leider eingebürgert. Sogar im ansonsten alternativ geprägten Westernreiten kommt es teilweise zum Einsatz. Sicherlich ist es jedoch für die Zufriedenheit und Ausgeglichenheit des Pferdes sowie zur Vermeidung von Schmerzen oder sogar langfristigen gesundheitlichen Schädigungen absolut sinnvoll, qualvolle Trainings- und Ausbildungsmethoden wie die Rollkur zu vermeiden und stattdessen mit Zeit, Liebe und Geduld die Ausbildung durchzuführen und mit seinem Liebling das Ziel des lockeren, unverkrampften Vorwärts-Abwärts-Laufens in völliger Harmonie mit sich selbst, als Reiter, zu erreichen. Denn auch gerade in der Dressur sollte der Eindruck von Harmonie und Leichtigkeit vermittelt werden, ein gelungenes Zusammenspiel zwischen Ross und Reiter. Somit ist die abschließend durch die FEI im Februar 2010 ausgesprochene Deklaration absolut richtungsweisend: Kopf- und Halspositionen, welche durch „aggressive Kraft“ verursacht werden, sind nicht akzeptabel und müssen sanktioniert werden. Rollkur ist klar als aggressives Reiten einzustufen und daher inakzeptabel. (Text: Jasmin Jester)