Doping: Spitzenreitsport in der Krise?

Fachleute kritisieren zunehmend den Spitzenreitsport. Pferde werden demnach mit Medikamentencocktails für Wettkämpfe vorbereitet, gesundheitliche Schäden in Kauf genommen. Das berichtet Spiegel online. Diskutiert wird vor allem die Frage, ob der Springreiter Christian Ahlmann die Beine seines Pferdes Coester mit einer Salbe empfindlicher gemacht hat, damit sein Vierbeiner höher springt. Bei den Olympischen Spielen in China war Ahlmanns Pferd positiv auf die verbotenen Substanz Capsaicin getestet worden.
Mittlerweile steht es außer Frage, dass Spitzenreiter ihre Pferde mit unerlaubten Hilfsmitteln behandeln, um bei Wettkämpfen Medaillen zu gewinnen. Tierschutz", sagt Eberhard Schüle, zweiter Vorsitzender der Gesellschaft für Pferdemedizin, "interessiert in diesem Metier nur eine kleine Minderheit." ARD und ZDF haben bereits angekündet, die Übertragungen von Reitsportevents aus dem Programm zu streichen, wenn nichts geschehe.

Fachleute kritisieren zudem das Verhalten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, FN. Diese würden zu lasch mit den Dopingsündern umgehen und damit die schlechte Entwicklung weiter vorantreiben. Die FN hat mittlerweile auf die Vorwürfe reagiert und will im Fall Ahlmann eine höhere Strafe bewirken. Das gab der Verband vergangene Woche auf einer Pressekonferenz bekannt. Geplant sei beim internationalen Weltsportschiedsgericht (CAS) in Berufung zu gehen.

Zur Begründung verwies der Geschäftsführre des Deutschen Olympiade Komitees für Reiterei Reinhard Wendt auf die Vielzahl an Gesprächen, die mit den Aktiven geführt worden seien, um einen Medikations-/Dopingfall zu vermeiden. Jedem Reiter hätte danach klar sein müssen, welche Auswirkungen ein Fehlverhalten dieser Art haben kann, nämlich "das Ergebnis der ganzen Mannschaft aufs Spiel zu setzen und den Sport in die Nähe des Abgrunds zu rücken." Insofern sei der Ausschluss aus der Nationenpreismannschaft auch als "Denkpause" für Christian Ahlmann anzusehen.

Ahlmann sieht sich als Bauernopfer, und auch viele andere Top-Reiter sind sauer: Der viermalige Olympiasieger Ludger Beerbaum drohte hinter verschlossenen Türen, er müsse sich überlegen, ob er unter diesen Umständen weiter in und für Deutschland reiten wolle.

Weitere Informationen