Geburt und Aufzucht eines Fohlens

Die Geburt eines Fohlens ist immer wieder ein aufregendes Ereignis. Jeder Züchter hofft, dass der kleine Vierbeiner gesund auf die Welt kommt und auch die Stute die Geburt gut übersteht. Natürlich wünscht sich jeder Züchter, dass der Nachwuchs sich gut verkaufen lässt. Deshalb werden viele Fohlen im Januar und Februar geboren, da sich diese Vierbeiner im Allgemeinen besser vermarkten lassen. Der Nachteil: In unseren Breitengraden ist es gerade in diesen Monaten sehr kalt, sodass die Fohlen oft nicht auf die Koppel oder das Paddock gelassen werden können. Alle Pferde - insbesondere jedoch Fohlen - benötigen ausgesprochen viel Bewegung. Fohlen, die gerade zu Beginn ihres Lebens zu viel im Stall stehen, können sich nicht artgerecht entwickeln. Insbesondere die Muskeln, Sehnen, Gelenke und Bänder sowie die Hufe werden nicht richtig ausgebildet. Schäden unterschiedlichster Art sind vorprogrammiert, der Verkauf des Fohlens wird dann erschwert oder das spätere Reitpferd in seinem Wert gemindert. Die erste Milch ist lebensnotwendig 
 Das Fohlen kommt weitgehend ohne körpereigene Abwehrstoffe zur Welt. Diese müssen ihm über die Kolostralmilch der Stute zugeführt werden. Diese erste Milch enthält Abwehrkörper gegen Infektionskrankheiten. Bei den Abwehrkörpern handelt es sich um Eiweißverbindungen, die man als Gamma-Globuline bezeichnet. Die Versorgung mit der Kolostralmilch muss so früh wie möglich erfolgen, d.h. am besten in den ersten zwei bis drei Lebensstunden. 

 Fütterung von Stute und Fohlen 
 Viele Züchter wissen nicht genau, welche Inhaltsstoffe ihr Futter aufweist und sind auch unsicher, welche Rationen sie ihren Tieren geben sollen. Oftmals wird „aus dem Bauch heraus“ gefüttert. Allerdings sollten Stute und Fohlen sehr ausgewogen ernährt werden, d.h. unter anderem nicht zu viel Eiweiß erhalten. Wer unsicher ist, sollte das Angebot der Dienstleistungszentren im ländlichen Raum nutzen und sich dort beraten lassen. Dort können Züchter ihr Futter zum Beispiel auf Inhaltsstoffe untersuchen und anschließend die Futterrationen planen lassen. 

 Verdauungsprobleme
 Ein neugeborenes Fohlen kann krank sein oder zumindest gesundheitliche Probleme haben. Viele Fohlen leiden zum Beispiel unter Verdauungsproblemen. Nicht selten tritt eine so genannte Darmpechverhaltung auf. Das Darmpech ist eine Ansammlung von Exkrementen im Enddarm des neugeborenen Fohlens. Dieser schwarze Kot trocknet oftmals ein und kann von dem kleinen Vierbeiner nicht herausgepresst werden. Der Züchter erkennt den erschwerten Abgang des Darmpechs an kolikähnlichen Erscheinungen beim Fohlen. In leichten Fällen ist die vorsichtige Verabreichung eines Klistiers hilfreich. Bei länger als 12 Stunden dauerndem Darmpechverhalten oder starken Koliksymptomen sollte der Tierarzt zu Rate gezogen werden. 

Durchfallerkrankungen werden durch Viren und Bakterien ausgelöst. Aber Durchfall kann auch durch Stress, Ernährungsfehler oder Parasiten entstehen. Lang anhaltender oder stark wässriger Durchfall kann gerade bei sehr jungen Fohlen lebensgefährlich sein. Der hohe Wasser- und Elektrolytverlust führt sehr schnell zu Austrocknung und Schwäche des Fohlens. Eine Beseitigung der Ursache und Flüssigkeitszuführung in Form von Infusionen sind oft lebensrettend. Parasitenbekämpfung Fohlen sind vor allem von Spülwürmern befallen. Die kleinen Vierbeiner nehmen die Eier in ihrer Umgebung auf (Stall, Weide). Die sich daraus entwickelnden Larven schädigen die Leber, Bronchien, Lunge und die Speiseröhre. Der kleine Vierbeiner ist schließlich abgemagert, das Fell ist stumpf und struppig. Spulwürmer sind gegen Kälte widerstandsfähig und können so leicht einen Winter überstehen. Die erste Wurmkur sollte ein Fohlen im Alter von sechs bis acht Wochen erhalten und dann weiter in einem zweimonatigen Rhythmus bis zum 12. Lebensmonat. Danach kann die Wurmkur zusammen mit den erwachsenen Pferden durchgeführt werden. Mutterlose Fohlenaufzucht 
 Wenn die Stute bei oder nach der Geburt stirbt oder eine Pferdemami den eigenen Nachwuchs nicht annimmt, muss das Pferdekind mit der Hand aufgezogen werden. Es sollte in den ersten zwei Tagen nach der Geburt mit eingefrorener Kolostralmilch versorgt werden. Anschließend wird ein im Handel erhältliches Milchaustauschfutter eingesetzt.


9.11.209/wem

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