JAPPELOUP-EINE LEGENDE – pferde.de hat ihn getestet

Jappeloup - eine Legende als KinofilmIn dem französischen Spielfilm geht es um den sportlichen Aufstieg von Springreiter Pierre Durand und seinem Pferd Jappeloup de Luze von den Anfängen bis hin zu den Olympischen Spielen. Der Film beruht auf einer wahren Gegebenheit und kam Anfang 2014 in die deutschen Kinos.

Uns hat an diesem Film die sehr realistische Darstellung gefallen, wie die damalige Reiterei und der Umgang mit dem Pferd waren. Dadurch fällt nämlich auf, dass heute Vieles anders ist und wir in diesen Punkten gute Fortschritte gemacht haben. Die ganze Atmosphäre erhält einen verstärkten authentischeren Anschein, weil der Spielfilm in gedeckteren Farben und tollen Lichteinflüssen gehalten wird. Die Krönung sind aber die immer wieder eingeblendeten Schnitte mit Originalfilmaufnahmen! Einfach toll, wie der Zuschauer direkt in die Zeit der 80er Jahre eintauchen kann! 

Der schicke Jappeloup über dem Sprung

Der Sport im Fokus

Zwar kann man sich sehr gut in die Reiterei von damals hineinversetzen, nicht aber in das Zusammenspiel des Reiter-Pferd-Paares, sodass die Handlung emotional eher flach blieb und zuschauende Reiter nicht mitfühlen konnten wie in manch anderem Pferdefilm.

Hier wird deutlich, dass im Gegensatz zu anderen Filmen dieser ganz klar den Reiter und seinen Erfolg beim Springreiten im Fokus sieht anstatt das Pferd. Das Besondere an diesem Film ist auch, dass es noch nie einen Spielfilm über das Springreiten in dieser Form gegeben hat und auch die Olympischen Spiele auf der Kinoleinwand bisher nicht sehr häufig waren.

Stars sind selber Reiter 

Außerdem war es Guillaume Canet (Drehbuch und Hauptrolle) wichtig, das Drehbuch mit persönlichen Erfahrungen zu spicken, denn es gibt Ähnlichkeiten zwischen Pierre Durands Reiterkarriere und seiner eigenen. Aber auch andere Schauspieler konnten sich gut in die Geschichte hineinversetzen, da sie ebenfalls im Pferdesport einmal tätig waren und viele Situationen aus dem eigenen Leben kannten.

Nah an der Geschichte wollte Guillaume Canet mit seinem Drehbuch bleiben

Uns beeindruckte vor allem die Darstellung, wie sich auch das Zwischenmenschliche im Laufe der Karriere entwickelt, denn dies ist Guillaume Canet und dem kanadischen Regisseur Christian Duguay gut gelungen. Dies wird unter anderem sehr deutlich durch die perfekt gespielte Rolle von Durands Frau.

Wichtige Rolle auch ohne Pferd

Nadja (gespielt von Marina Hands) ist an seiner Seite, steht voll hinter ihrem Mann aber wird auch klar und deutlich, wenn sie seinen Umgang mit ihr und anderen Beteiligten nicht mehr fair findet. Sie holt den Springreiter immer wieder auf den Boden zurück und nimmt auf diese Weise eine wichtige und stützende Rolle für die Karriere von Pierre Durand ein. Sie ist auch diejenige, deren Stimme man mitfiebern hört bei wichtigen Turnieren. Ein sehr gut inszeniertes Detail. 

Gemeinsames Mitfiebern und zwischenmenschliches Mitgefühl

Die Schauspieler allgemein bieten ein gutes Zusammenspiel und lassen auch das reiterliche Können authentisch wirken, eben weil sie selber einst die Karriere im Spring- und Turniersport eingeschlagen hatten. Manchmal treten im Spielfilm aber zu große Erzählsprünge auf, wodurch zeitweise die Geschichte etwas abgehackt wirkt und manches Handeln schwer nachvollziehbar scheint. 

Liebevoll wird Jappeloup von Raphaëlle (Lou de Laâge) gepflegt, die immer an ihn glaubt

Für Pferdefreunde ist es an einigen Stellen schade, dass zu wenig Aha-Effekte und Know-How aus der Springreiterszene zu entdecken waren.  Es wurde zum Beispiel betont, dass der dunkelbraune Wallach schwierig zu reiten sei, was jedoch der Zuschauer nicht nachvollziehen konnte. Hier wäre es wünschenswert gewesen, dass der Pierre Durand über seine Probleme mit einer anderen Person z.B. spricht, damit der pferdebegeisterte Zuschauer erfährt, was im Sattel nicht funktioniert. Ein weiteres Indiz dafür, dass der Spielfilm den sportlichen Erfolg als Filmmittelpunkt sieht und weniger das Zusammenspiel des Pferd-Reiter-Paares. 

Fachwissen aus dem Springsport - damals zu heute 

Warum Durand bestimmte Gehorsamsübungen wie das Rückwärtsrichten und Wenden dem Pferd direkt beibringt, bleibt leider offen, ebenso andere Trainingsmodule. Dabei wäre dies interessant zu sehen, was sich zwischen damals und heute im Pferdetraining im Detail geändert hat. Des Weiteren wurde einige Male erwähnt, dass das Springpferd Jappeloup zu klein sei aber einen guten Absprung habe. Wünschenswert bei so vielen Profis am Set wäre hier gewesen, dass man kurz ausgelegt, was damit genau gemeint sei und warum es ein Vor- bzw. Nachteil im Springreiten bedeute. 

Mitfiebern und Fachsimpeln am Rande des Reitplatz

Da die Leistung fokussiert wurde, wurde auch nicht darauf eingegangen, was Pferd und Reiter im Springsport ausmachen und somit fehlte schlicht das Gespür für Harmonie im Sattel. Schade ist auch, dass in vielen Reiterszenen ein aufgerissenes Pferdemaul sowie Schweifschlagen zu sehen war, was Unbehagen ausdrückt. Dafür war der letzte Sprung über das Olympiahindernis sehr ergreifend, als Pierre Durand die Zügel losließ, Jappeloup sauber über das Hindernis sprang und Durand seine Arme wie Flügel ausweitete. 

Mitreißender Moment zum Sieg

Endlich war der so vermisste emotionale Moment da! Toll war auch, dass der Spielfilm an dieser Stelle nicht endete, wie in manch anderen , sondern jetzt erstrecht demonstriert wurde, dass Springreiter und alle Beteiligten das Pferd nun bewusst als Sieger in den Vordergrund stellten. Damit drückte der Regisseur ganz deutlich den inneren Wandel der Hauptperson aus: Nämlich, dass sich der Charakter von Springreiter Pierre Durand nun endgültig verändert hatbe wie er zum Reitsport und seinem Springpferd Jappeloup stehte. 

Training für das junge aber sehr talentierte Springpferd

Das Interview, das für pferde.de geführt wurde vor dem Kinostart mit dem reellen Springreiter Pierre Durand, bezeugt diese Wandlung. Wir finden es einfach toll, wenn ein Spitzenspringreiter seine Meinung im Sport für das Wohl von Reiter und Pferd ändert und dieses durch eine Verfilmung auch an andere weitergeben kann!

Hier noch einige Auszüge aus einem weiteren Interview der Koch Media:

Christian Duguay, Sie haben Regie geführt. Wie gestaltete sich die Arbeit mit den Pferden?

„Das Casting war sehr langwierig, denn wir mussten Pferde finden, die sowohl Schauspieler als auch Sportler sind – junge Pferde, die springen konnten, und wieder andere, die wir für die Stunts und bestimmte Posen brauchten, und alle mussten sich möglichst ähnlich sehen. Das bereitete uns ziemliches Kopfzerbrechen, zumal sich die Pferde schon allein auf Grund des Trainings für den Film veränderten. Ich musste also beim Filmen einen Weg finden, damit die Andalusier von Mario Luraschi und die Vollblüter alle als Jappeloup durchgingen.

Jappeloup wurde von vielen Pferden gespielt

Nicht nur Mario Luraschi, auch Frédéric Cottier machte einen fantastischen Job. Er half beim Casting mit, aber auch beim Entwickeln der Parcours, die er sorgfältig studierte, neu entwarf und so baute, dass man erkennen konnte, wie schwierig sie sind, ohne dass es beim Drehen notwendigerweise zu Unfällen kommen musste. Und er war derjenige, der Guillaume wieder zum Reiten brachte. Mit seiner ruhigen, verständigen Art und seinen klugen Ratschlägen sorgte er maßgeblich dafür, dass Guillaume Canet außergewöhnlich schnell wieder ein sehr hohes Niveau erreichte.“

Guillaume Canet, war es für Sie als Reiter schwierig, ständig den Partner zu wechseln?

„Es ist tatsächlich nicht so leicht zu wechseln, wenn man sich erst mal an ein Tier gewöhnt hat. Zumal die beiden Pferde, die Jappeloup in erster Linie spielten, auf sehr unterschiedliche Weise geritten werden mussten. Das erste heißt Sympatico und ist ein sehr kleines Pferd, das große Ähnlichkeit mit Jappeloup hat.

Die vierbeinigen Darsteller, die Jappeloup in dem Kinofilm präsentierten

Es sprang sehr gut, war aber schon 22 Jahre alt – deshalb mussten wir behutsam mit ihm umgehen. Incello, das offizielle Double, war größer und jünger, und dieses Pferd benutzten wir hauptsächlich für die großen Hindernisse, etwa bei den Olympia-Szenen. Außerdem gab es fünf oder sechs weitere Pferde, die Jappeloup zu unterschiedlichen Zeiten seines Lebens spielten, und die wir hauptsächlich bei Totalen benutzten.“

Übrigens: Hauptdouble Incello ist ein in Deutschland gezogener Oldenburger.

Der Kinofilm JAPPELOUP - EINE LEGENDE erinnert an das verstorbene Springpferd

Der wahre Jappeloup hatte als Springlegende so viel in den Reitern bewegt, dass sie ihm zu Ehren eine Parade und ein Turnier mit den 25 erfolgreichsten Springreitern auf dem Pariser Champs de Mars unterhalb des Eiffelturms veranstalteten als er 1991 in Rente ging. Leider starb er einige Zeit danach am 05. November 1991.

Interessant auch: 1986, zwei Jahre vor dem Triumph bei den Olympischen Spielen, wurde Jappeloups Wert auf rund 570.000 Euro geschätzt – und das, obwohl der ein Wallach war und keine Nachkommen zeugen konnte.

Schön ist letztendlich auch zu hören, dass Schauspieler Guillaume Canet durch den Filmdreh selber wieder Lust auf die Reiterei bekommen hat,  sich ein Pferd kaufte und nun wieder an Turnieren teilnimmt.



(Text: Susanne Eggers)