Pferde: Koppen mit VIDEO

,Das Koppen bei Pferden ist wohl eine der gefürchtetsten Untugenden des Pferdes. Bis zur Neufassung des Pferdekaufrechts galt diese unerwünschte Verhaltensweise noch als Gewährleistungsmangel.

Beim Koppen setzt das Pferd die vorderen Zähne z.B. auf den Krippenrand auf und schluckt Luft in den Verdauungstrakt. Dabei spannt das Pferd die untere Halsmuskulatur kräftig an und zieht den Kehlkopf zurück. Dadurch entsteht ein rülpsendes Geräusch. Diese Form des Koppens wird als „Aufsatzkoppen“ bezeichnet. Es gibt auch Pferde, die in der freien Luft koppen können – sogenannte „Freikopper“.

Unter Reitern und Pferdebesitzern hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass diese unerwünschte Verhaltensart von anderen Pferden nach geahmt wird. Deshalb sind Kopper in Ställen nicht gern gesehen. Wissenschaftliche Beweise gibt es für diese Theorie allerdings nicht. Allerdings ist zu bedenken, dass Pferde gern das Verhalten ihrer Artgenossen nachahmen. Wenn sich auf der Koppel zum Beispiel ein Pferd wälzt, geschieht es oft, dass ein vierbeiniger „Kollege“ kurze Zeit später auch auf die Idee kommt.

Koppen kann bei Pferden gesundheitliche Probleme hervorrufen. Die geschluckte Luft verursacht im Magen- und Darmtrakt des Pferdes eine Gasansammlung, die zu Koliken und Verdauungsstörungen führen kann.

Entstehung
Diese Unart kann entstehen, wenn das Pferd aus Langeweile anfängt, an Kanten und Ecken herumzubeißen. Irgendwann „entdeckt“ der Vierbeiner dann das Spiel, die Vorderzähne aufzusetzen und dabei Luft einzusaugen.
Ursache kann auch sein, dass das Pferd Luft einsaugt, um ein leeres Gefühl im Magen zu vertreiben. Oft erhalten die Vierbeiner zu wenig Rauhfutter. Als Steppentier ist der Magen der Pferde aber darauf eingerichtet, den ganzen Tag Nahrung aufzunehmen. Von Fütterungsexperten wird empfohlen, dem Vierbeiner den ganzen Tag über Heu und Stroh zum Knabbern anzubieten.
Manche Pferde gewöhnen sich das Koppen auch an, weil sie im Stall mit Leckereien z.B. Zucker gefüttert werden. Viele Pferde lecken dann die Krippe und Boxenwände ab. Der Weg zum Aufsetzen der Vorderzähne ist dann nicht mehr weit.

Was kann man tun?
Neben einer ausreichenden Raufuttergabe ist es wichtig, alles aus dem Weg zu räumen, was zum Koppen einlädt. Alle Kanten, Vorsprünge und Ritzen müssen beseitigt werden. Statt eine Krippe mit breitem, harten Rand ist es besser, einen Plastiktrog anzubringen, auch wenn dieser nicht so haltbar ist.
Wichtig ist es auch, für viel Auslauf und Kontakt mit den Artgenossen zu sorgen, damit sich die Vierbeiner nicht langweilen.

Ein Koppriemen, der am oberen Hals angebracht wird, kann in manchen Fällen Abhilfe schaffen. Dieser wird mit einem Riemen am Genick am Halfter fixiert, damit er nicht herunterrutschen kann. Allerdings muss ein solcher Riemen, außer bei der Arbeit, immer getragen werden.

Ein weiterer Weg ist die Kopp-Operation, bei der die Muskelpartie am Ansatz des Unterhalses durchtrennt wird, die das Luftschlucken anatomisch erst möglich macht. Dies ist allerdings ein starker und blutiger Eingriff, der großes Können des Veterinärs erfordert. Die Chance, dass der Vierbeiner danach das Koppen unterlässt, liegt bei 80 Prozent. (wem)

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