Sicher, sicherer, Sicherheitsabstand - Teil 1/3

Eng auf eng in der Gruppe birgt GefahrenDass das Lebewesen Pferd eine gewisse Uneinschätzbarkeit in seinem Verhalten in sich birgt, sollte auch dem Blauäugigsten klar sein. Beim Reiten in der Gruppe wird dieses Gefahrenpotential oftmals vergessen und ein gebührender Sicherheitsabstand nicht gewahrt. Ob es der marlboromäßige Zigarettenraucher ist, ein Mitglied des reitenden Damenkränzchens beim Smalltalk, der überall erreichbare Geschäftsmann mit Handy am Ohr oder auch der überehrgeizige Distanzreiter – ehe man sich versieht, hat man (oder Frau) übersehen, dass die Pferde unter ihnen eine eigene Kommunikation führen.

Gefährlich wird es dann, wenn diese interne Kommunikation der Pferde von den Reitern nicht wahrgenommen wird und ein Pferd innerhalb der Gruppe seinen Unwillen den Artgenossen und deren Reitern gegenüber durch körperliche Aktivität, sprich Treten oder Beißen, kundtut.

Oft wird zu wenig auf das Pferdeverhalten geachtet

Mit Glück bleibt es dabei bei einem blauen Fleck. Mit Pech tragen Reiter und/oder Pferd Verletzungen davon. Der Streit über die Kosten der ärztlichen oder auch tierärztlichen Versorgung ist vorprogrammiert und der Weg des Geschädigten zum nächsten Anwalt nicht weit.

Wie der Anwalt vorgeht

Der konsultierte Anwalt der Wahl, geübt im Ziehen des passenden Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB), weiß auch zum Pferderecht etwas zu sagen und verweist auf § 833 S. 1 BGB, wenn es um die Haftung Dritten gegenüber geht, verursacht durch das Tier des Tierhalters. Um diesen Schlüsselparagraphen der Tierhalterhaftung als Nichtjurist zu verstehen, bedarf es einer näheren Betrachtung. Dabei soll in diesem Beitrag nicht näher auf Satz 2 des § 833 BGB eingegangen werden, der von der allgemeinen Tierhalterhaftung solche Pferde privilegiert, die nicht Luxustier sind, sondern als Nutztier dem Erwerb und Unterhalt des Tierhalters dienen. 

Der Reiter ist nicht zwingend auch der TierhalterTierhalter haftet für sein Pferd 

Nach der so genannten Tierhalterhaftung haftet der Tierhalter grundsätzlich immer, und zwar verschuldensunabhängig für jeden Schaden, den sein Tier verursacht. Man spricht hier von einer Gefährdungshaftung. Sie hat ihren gesetzgeberischen Grund darin, dass aufgrund der Unberechenbarkeit tierischen Verhaltens mit der Tierhaltung stets eine Gefahr für Leben, Gesundheit und Eigentum Dritter verbunden ist. 
Die Rechtsprechung definiert den Tierhalter dabei wie folgt: Tierhalter ist, wer die Bestimmungsmacht über das Tier übernimmt, für die Kosten des Tieres aufkommt und den allgemeinen Wert und Nutzen des Tieres für sich in Anspruch nimmt. Tierhalter und Reiter sind also nicht notwendigerweise identisch. 

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