Schluss mit lästig: Wie man nervige Insekten aus dem Stall verbannt

Schluss mit lästig: Wie man nervige Insekten aus dem Stall verbannt

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Fotograf: Stefan Lavrentz 

Im Sommer gehört das Pferd am besten auf die Weide – soviel ist sicher. Aber nicht immer kann der Pferdehalter unbeschränkten Zugang zum Paradies gewähren. Denn es gibt gute Gründe, die Tiere auch im warmen Halbjahr zeitweise aufzustallen. Das ist zum Beispiel immer dann erforderlich, wenn die Fresszeit aus diätetischen Gründen begrenzt werden muss. Oder bei abgelegen Wiesen, auf denen die Pferde nachts aus Sicherheitsgründen nicht bleiben können. Auch Krankheiten können eine Boxenruhe im Sommer erforderlich machen, ebenso wie der Wunsch nach einer kontrollierten Geburt. Schließlich ist auch an einen adäquaten Witterungsschutz zu denken. Denn ohne Weideschutzhütte sind starke Sonneneinstrahlung, hoher Insektendruck und frühsommerliche Kaltfronten für die meisten Pferde nicht akzeptabel.

Drinnen wie draußen: die Insektenplage

Nicht genug damit, dass Pferd und Reiter im Freien von Insekten aller Art geplagt werden. Auch im offenen wie im geschlossenen Stall bleiben diese Quälgeister in der warmen Jahreszeit nicht völlig außen vor. Daher ist es sinnvoll, einige vorbeugende Maßnahmen zu treffen.
Fachleute unterscheiden Insekten in schädliche und lästige Arten. Typische Lästlinge sind Fliegen. Sie beunruhigen die Pferde durch Absitzen auf dem Fell, im Augenwinkel und an den Nüstern. Häufiges Schweifschlagen und das typische Fellzucken legen davon Zeugnis ab. Zudem verschmutzen sie den Stall und die eingebauten Versorgungseinrichtungen bei massenhaftem Auftreten durch ihren Kot. Auch diese an sich harmlosen Lästlinge können jedoch bereits krankmachend sein. Denn viele Pferde entwickeln durch den dauernden Schmutzeintrag in die Augenwinkel eine Bindehautentzündung.
Extrem beunruhigend sind im Freien die Bremsen. Ihre schmerzhaften Stiche vergällen dem Reiter so manchen Ausritt und beunruhigen die Pferde hochgradig, zum Teil bis zum Durchgehen. Lausfliegen dagegen krabbeln tief in das Fell, in die Mähne und den Schweif sowie in die hinteren Schenkelfalten, erschrecken die Tiere durch ihre Bewegungen und die ebenfalls schmerzhaften Stiche.
Typische krankmachende Insekten sind alle Formen von Stechmücken, vornehmlich Kriebelmücken, Gnitzen und Schnaken. Ihr Speichel ist überaus allergen und gilt als die Hauptursache für Sommerekzem und anderen allergischen Juckreiz. Bei Pferden, die daran nicht gewöhnt sind, können massenhafte Kriebelmückenstiche zu schweren allergischen Allgemeinsymptomen mit Schwellungen an der Bauchunterseite und massiven Kreislaufproblem führen.
Auch ganz spezifische Krankheitserreger werden durch Insekten übertragen. Unter anderem sind dies Thelazien (Augenwürmer) und Filarien – beide springen im Gepäck stechender und saugender Plagegeister von Pferd zu Pferd. Zecken übertragen beim Saugakt das Bakterium Borrelia burgdorferi und können die Erkrankung Borreliose auslösen – bei Pferd und Mensch.
Schließlich kommt auch ein ganz typischer Innenparasit des Pferdes per Luftfracht in den Körper: Dasselfliegen legen ihre gelblichen Eier auf dem Fell der Tiere ab, die dann die schlüpfenden Larven beim Fellknabbern aufnehmen.

Der richtige Stall als Rückzugsraum

Fast jede Behausung mindert den Insektendruck. Schon eine offene Weideschutzhütte bringt eine gewisse Erleichterung – sofern sie bestimmte Kriterien erfüllt.
In der Regel sind Ställe und Schutzhütten umso effektiver, je kühler und dunkler sie sind. Traditionelle alte Steinställe erfüllen diese Voraussetzungen oft bestens, auch wenn sie bezüglich anderer Aspekte nicht immer zur optimalen Unterbringung von Pferden geeignet sind. Bei sommerlichen Licht- und Temperaturverhältnissen können Weideschutzhütten hier nicht mithalten. Wesentlich ist in jedem Fall eine gepflegte Einstreu, um den Ansturm der Insekten im Sommer zu bremsen. Das gilt insbesondere für Fliegen. Gepflegt bedeutet in diesem Fall: Kot und nasse Stellen müssen täglich entfernt und die Einstreu dann neu präpariert werden. Zumindest für Fliegen kann man den Stall auch durch strenge Hygiene weniger attraktiv machen. Vor allem müssen die Krippen und deren Umgebung peinlich sauber gehalten werden. Verspritztes Mash, klebrige Apfel- und Möhrenreste sowie Schmutz vom Kopf des Pferdes bilden an, unter und um so manche Krippe schon nach kurzer Zeit eine für Fliegen äußerst anziehende Patina, die regelmäßig beseitigt werden muss.
So wichtig Lichtplatten im Stall für die dunkle Jahreszeit sind – im Sommer wirken sie kontraproduktiv. Um einer Aufheizung des Gebäudes entgegenzuwirken und Insekten nicht unnötig anzulocken, ist es daher sinnvoll, diese in der hellen Jahreszeit abzudecken.
Und: Saubere, gepflegte Pferde ziehen Insekten deutlich weniger an, als schweißverkrustete Schmutzmichel.
Trotz aller vorsorgenden Maßnahmen wird so mancher Stall im Sommer zum Insekten-Tummelplatz – und kann dann seine Funktion als Schutzraum für die Pferde diesbezüglich kaum noch erfüllen. Vor allem Fliegen lassen sich kaum endgültig vertreiben, vor allem an kühleren Tagen, wenn der Stallraum im Vergleich zum Freien geschützter ist und durch die Tiere geringfügig erwärmt wird. Je nach Lage und Witterung dringen auch Gnitzen und andere stechende Übeltäter bis in das Innere vor, insbesondere bei den an sich sehr pferdefreundlichen Offenboxen mit Halbtüren.
Diese Situation ist für Pferdehalter ausgesprochen ärgerlich. Denn in solchen Fällen müssen die Tiere mitunter sogar im Stall noch mit Insektenschutzmitteln behandelt oder gar eingedeckt werden. Das bedeutet zusätzliche Kosten und weiteren Zeitaufwand.

Natürlicher Schutzschild aus der Flasche

Zudem ist es lästig, alle Tiere einer Gruppe regelmäßig behandeln zu müssen, zumal manche Pferde typische Sprays nicht gut tolerieren. Viele Reiter machen die Erfahrung, dass nicht jeder insektenabwehrende Wirkstoff in allen Situationen zuverlässig die vom Hersteller erklärte Wirkung entfaltet. Die als tendenziell ungefährlich betrachteten Naturprodukte wirken meist nur kurzzeitig, während die schwereren chemischen Geschütze zwar seltener angewendet werden müssen, dafür aber auch als giftiger gelten. Bedenken bestehen diesbezüglich auch nicht selten insofern, als der typische Sprühnebel, der im Freien einfach abzieht, im Stall von Mensch und Tier teilweise eingeatmet wird.
Die parasitologische Forschung hat daher verschiedene Denkmodelle verfolgt, um Pferden einen Insektenschutzschild zu verschaffen, der nicht direkt auf das Tier aufgetragen werden muss. So wurden unter anderem Insektennetze getestet, die mit dem chemischen Wirkstoff Permethrin getränkt sind. Diese Netze zieht man paralell zum Zaun um Paddocks, Ausläufe, Ställe und Weiden. In dem so entstehenden Innenraum sind die Tiere weitgehend geschützt. Denn das Permethrin tötet alle Insekten im Umfeld dieses Netzes – leider auch die Nützlinge. Zudem wird der Wirkstoff mit jedem Regen zunehmend ausgewaschen und gelangt so nicht nur in den Boden, sondern vermindert die Wirkung des Netzes, ebenso wie starker Wind. So ist es nicht verwunderlich, dass Tests und Anwendung in trocken-heißen und windstillen Zonen Afrikas besser verliefen als in Deutschland.
Seit Kurzem steht eine natürliche Alternative zur Verfügung. Sie basiert auf dem Wirkstoff des in den Tropen weit verbreiteten Neembaumes. Das daraus durch Kaltpressung gewonnene Neemöl kommt seit Jahren zur biologischen Abwehr von Schädlingen im Garten zum Einsatz. Neemöl tötet die Insekten nicht, sondern schreckt sie ab, ist also ein sogenanntes Repellent.
Neemöl kann natürliche Beimengungen von Mykotoxinen, also Pilzgiften, enthalten. Wird das Öl durch ein spezielles technisches Verfahren (Kohlendioxyd-Extraktion) weiter gereinigt, nennt man es Margosa-Extrakt. Margosa enthält bestenfalls noch Spuren solcher Nebenstoffe und kann daher sogar in pharmazeutischen und kosmetischen Produkten eingesetzt werden.
Diese hochgereinigte Margosa eignet sich offenbar bestens dafür, insektenbelastete Ställe in Pferdeschutz-Zonen zu verwandeln. Dafür wird das Margosa-Öl mit einem Emulgator und Wasser stark verdünnt und mittels einer herkömmlichen Sprühflasche oder eines Insktizidsprayers einfach auf die Stallwände gebracht. Der Effekt ist so durchschlagend wie harmlos: Insekten werden durch die repellente Wirkung aus dem Stallraum vertrieben, ohne jedoch abgetötet zu werden. Damit ist dieser Wirkstoff (z.B. in InsectoStop® von Peer-Span) nicht nur ungiftig für Tier, Mensch und Umwelt. Es ist zudem davon auszugehen, dass Resistenzbildungen, wie sie bei konventionellen Insektiziden mittlerweile auftreten, hier nicht möglich sind.
Untersuchungen haben gezeigt, dass auf diese Weise angewendetes Margosa seine raumschützende Wirkung in Offenställen bis zu zwei Wochen, in geschlossenen Ställen sogar bis zu vier Wochen entfalten kann - und das zu einem Preis von knapp unter 2,80 € je Box und Anwendung. Wichtig ist allerdings, dass die Konzentration des Wirkstoffs ausreichend ist, es reicht nicht aus, Margosa nur in kleinen Mengen beizumischen.

Insektenabwehr mit Maß und Ziel

Fazit: Um Ställe im Sommer möglichst insektenarm zu halten und dadurch Pferd und Mensch zu schützen und unnötiger Verschmutzung des Stalles und der Stalleinrichtungen vorzubeugen, sind hygienische Maßnahmen (Einstreu, Krippen) die Grundlage. Eine Verdunkelung kann ebenfalls hilfreich sein. Verschwitzte Pferde sollten vor dem Einstallen gewaschen werden. Ergänzende Insektenabwehr kann durch Auftragen auf das Pferd erfolgen oder alternativ über ein Besprühen der Stallwände mit einem wirksamen Repellent. Hierbei ist natürlichen, ungiftigen Produkten zum Schutz von Mensch, Pferd und Umwelt der Vorzug zu geben.

Weitere Informationen: Insektenschutz

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