Teilschuld bei fehlendem Sicherheitsabstand - Teil 3/3

Teilschuld bei fehlendem Sicherheitsabstand - Teil 3/3

Eine Teilschuld kann aber auch entfallen, wenn das schadensverursachende Pferd dafür bekannt ist, dass es schlägt. Das OLG Koblenz hat in seinen Leitsätzen entschieden, dass beim gemeinsamen Ausritt ein Pferd, das zum Auskeilen neigt, mit einer roten Schleife am Schweif zu kennzeichnen ist und außerdem der Reiter am Schluss der Gruppe reiten muss. Auch trifft nach Ansicht des OLG den über die konkrete Gefährlichkeit des Tiers nicht informierten Verletzten kein Mitverschulden, wenn er wegen plötzlicher und nicht durch einen Warnruf angekündigter Verzögerung aus der Gangart Trab einen kurzen Moment zu dicht aufreitet und das Pferd in diesem Moment nach hinten auskeilt.

Sicherheitsabstand ist sehr wichtig auf Turnieren

Eine komplette Schuld eines Geschädigten sah dagegen das AG Moers in einem Fall als gegeben an, in dem der aufreitende Reiter den erforderlichen Sicherheitsabstand nicht einhielt. Das Gericht sah das Verschulden des Geschädigten als so groß an, dass die Gefährdungshaftung des Voranreitenden dahinter zurücktritt. Das Gericht stützte sich dabei auf die Empfehlung der FN, die einen Mindestabstand von Pferden in der Reithalle von 2,50 m als erforderlich sieht. Daraus schlussfolgerte das Gericht, dass der Sicherheitsabstand im Gelände mindestens genau so groß sein müsste, schlussendlich auch, weil der Voranreitende weder in der Lage noch verpflichtet sei, den Sicherheitsabstand hinter sich zu kontrollieren.

Genügend Abstand zu Mitreitern auf dem Reitplatz

Das Gleiche entschied das AG Arnstadt in einem Fall, der sich auf einem Abreitplatz während eine Turniers ereignete. Hier hatte es der Geschädigte trotz mehrmaliger Aufforderung durch die Voranreitende nicht unterlassen, sich wiederholt mit seinem Pferd dem später austretenden Pferd dicht überholend von seitlich-hinten zu nähern und den Sicherheitsabstand zu verletzen. Das AG sah in diesem Vorgehen des Geschädigten ein Handeln auf eigene Gefahr, weil er sich bewusst und zielgerichtet in eine Situation drohender Eigengefährdung begeben hatte.

Sicher in den Reiterferien unterwegs

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die Grenze zwischen der grundsätzlichen Tierhalterhaftung nach § 833 S. 1 BGB und ihrer gänzlichen oder teilweisen Ausschließung durch bewusste Eigengefährdung eines Geschädigten fließend ist und von den Gerichten so auch dem jeweiligen Einzelfall entsprechend ausgeurteilt wird.



Jost Appel
Dipl.Wirtschaftsjurist
Hippologische Rechtsgutachten
www.rechtspfad.de

Urte Appel
Rechtsanwaltskanzlei
Nationales und internationales Pferderecht
www.die-pferdeanwältin.de

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