Tetanus und Tollwut bei Pferden

Tetanus und Tollwut bei Pferden

Die unterschätzten Gefahren Tetanus und Tollwut sind zwei Krankheiten, die Pferdebesitzer zum Glück meist nur aus Erzählungen kennen. Dank der umfassenden Informationen über Impfungen und strenger Vorschriften sind sie in unseren Breitengraden selten geworden. Doch ausgerottet sind sie nicht und gerade in der Turnier- und Weidesaison sollten Pferde ausreichend geschützt sein. Clostridium tetani heißen die Bakterien, die den so genannten Wundstarrkrampf hervorrufen und 1885 entdeckt wurden. Sie sitzen im Boden - also auch im Pferdemist und auf der Weide - und warten darauf sich in Wunden einnisten zu können. Durch ihre Fähigkeit, Sporen zu bilden, d.h. die genetische Information in einer mehrschichtigen Hülle abzukapseln, erreichen die Erreger eine hohe Widerstandskraft gegen Hitze und Austrocknung und können so lange, über Monate, überleben, sich allerdings nicht vermehren. Sie finden sich sowohl in ihrer Sporen- als auch in ihrer vermehrungsfähigen Form in der Natur (Erdreich, Wasser, Straßenstaub) und sind auch natürlicher Bestandteil der menschlichen und tierischen Darm- und Hautflora. Mehr als andere Haustierarten reagieren Pferde empfindlich auf diese Bakterien und jeder Pferdebesitzer weiß, wie schnell sich ein Pferd verletzen kann. Beides macht sie zu besonders guten Kandidaten für diese Erkrankung. Die Inkubationszeit kann mehrere Wochen betragen, meist aber zeigen sich die Krankheitsbilder nach 10 bis 15 Tagen. Die Diagnose lässt sich aber meist sicher und schnell stellen. Infizierte Pferde zeigen sich schreckhaft und reagieren stark auf äußere Reize. Sie wirken übermäßig aufmerksam, haben so etwas wie einen fragenden Blick, aufgerichtete Ohren und eine starre Mimik. Sehr charakteristisch ist auch der Vorfall der Nickhaut, des dritten Augenlids, das schon auf leichtes Fingertippen unterhalb des Auges und am Kiefer reagiert. Zuckungen und Spasmen der Kiefermuskulatur, die im Verlauf auch auf den Hals und die Gliedmaßen übergreifen, ein steifer Gang, eine angehobene Schweifrübe, bis hin zu einer ‚sägebockartigen' Haltung , sind weitere und sichere Anzeichen. Liegt ein an Tetanus erkranktes Pferd erst einmal fest, hat es kaum noch Aussicht auf Heilung, es stirbt im Allgemeinen schnell an Atemlähmung und Erschöpfung. Sollte eine Wunde sichtbar sein und als Auslöser identifiziert werden können, muss sie schnell gereinigt werden, damit sie nicht noch mehr Tetanusgifte aufnehmen kann. Zur medikamentösen Behandlung gehört in jedem Fall ein Antitoxin, ein Gegengift, das aus Pferdeserum hergestellt wird und entsprechende Antikörper enthält. Weitere Unterstützung bringen Medikamente gegen epileptische Anfälle, zur Muskelentspannung und natürlich alles, was den Körper in seinen Vitalfunktionen unterstützt. Oft aber ist die ursächliche Wunde auch nicht zu finden, sie kann zum Beispiel unsichtbar im Bereich des Hufes liegen und dann ist der Tierarzt darauf angewiesen eine Diagnose durch die Symptome zu stellen. Die Tetanusimpfung ist wegen des schweren Krankheitsbildes und des möglichen Todes des Pferdes eine sehr wichtige Impfung, die nicht unterschätzt werden darf. Die Grundimmunisierung erfolgt durch zwei Impfungen im Abstand von 4 bis höchstens 8 Wochen. Die erste Wiederholungsimpfung soll ein Jahr später erfolgen, weitere Wiederholungsimpfungen folgen im Zwei-Jahres-Rhythmus, oder gleich nach ernsthaften Verletzungen und Operationen. Fohlen werden in der Regel ab dem 5. Lebensmonat zum ersten Mal geimpft. Tollwut Die Tollwut ist eine Viruserkrankung des zentralen Nervensystems, ausgelöst durch das Rhabdovirus. Das Tollwutvirus wurde 1880 von Louis Pasteur erstmals  aus Kaninchenhirnen "isoliert". Tollwuterreger gibt es fast überall auf der Welt, mit Ausnahme von Großbritannien, Australien, Schweden, Norwegen und anderen isolierten Gegenden. In Deutschland ist die Tollwut durch Impfaktionen bei Katzen, Hunden und Füchsen sehr zurück gegangen, dennoch tritt sie immer wieder auf und ist noch lange nicht ausgerottet. Die Infektion erfolgt durch virushaltigen Speichel, der bei einem Biss oder einer Hautabschürfung durch die verletzte Haut in den Körper des gebissenen Tieres oder Menschen gelangt. An der Infektionsstelle vermehren sich die Viren erst in den Muskelzellen, dann wandern sie durch die Nerven in das Gehirn, wo sich eine weitere Vermehrungsphase anschließt. Von dort aus gelangen sie in die Speicheldrüsen, in die Bauchspeicheldrüse und die Haarbalgdrüsen, wo sie sich wiederum vermehren und mit dem Sekret (Speichel, Verdauungssekret, Schweiß) abgegeben werden. Pferde reagieren auf das Virus nicht so empfindlich wie andere Haustiere und sind deshalb weniger betroffen, dennoch sollten sie regelmäßig geimpft werden, denn ausgerottet ist das Virus noch lange nicht. Zu Beginn der Erkrankung sind die ersten Anzeichen sehr vage und in der langen Inkubationszeit entwickelt sich entweder die so genannte ‚rasende Wut' , die zerebrale Form, oder die ‚stille Wut, die spinale Form. Bei der rasenden Wut werden die Tiere aggressiv, tobsüchtig, haben unterschiedliche Anfälle und Speichelfluss. Die stille Wut zeigt sich durch Teilnahmslosigkeit, vermehrtes Pressen und eine Hinterhandlähmung. In beiden Fällen sieht man Speichelfluss aus der Maulhöhle und durch Futter verunreinigte Nüstern. Manche Pferde beginnen auch sich selbst zu verletzen oder an alten Wunden zu lecken. Ein besonders charakteristisches Symptom tollwutkranker Tiere und Menschen ist die ‚Hydrophobie', d.h. sie schrecken vor Wasser zurück und können verdursten.Die Krankheit ist unerbittlich und nimmt fast immer einen tödlichen Verlauf.

Im Endstadium haben die Pferde starke und qualvolle Schmerzen, liegen fest und fallen schließlich in ein Koma. Eine genaue Diagnose ist erst nach dem  Tod möglich und wird durch Veränderungen im Rückenmark und im Hirnstamm bestätigt. Tollwut ist anzeigepflichtig und was mit einem tollwutverdächtigen Pferd passiert, liegt im Ermessen des Amtstierarztes, der die sofortige Tötung oder eine längere Quarantäne verordnet. Therapieversuche bei Tieren sowie die Schlachtung krankheitsverdächtiger Tiere sind gesetzlich untersagt. Gegen Tollwut sollte ein Pferd ab dem neunten Lebensmonat einmal im Jahr geimpft werden. Bei jüngeren Fohlen kann man davon ausgehen, dass sie über eine durch die Kolostralmilch übertragene passive Immunität verfügen, wenn die Stute selbst geimpft war. Zur Grundimmunisierung genügt eine Impfung.
(aus: Pferde Fit&Vital Nr. 01/2002)
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