Zwei Tage dauerte der Einsatz, 100 Mitarbeiter von mehreren Tierschutzorganisationen waren beteiligt. Dann waren 455 Tiere, darunter 70 Pferde und Esel aus entsetzlichen Bedingungen gerettet. Jetzt wurde der Besitzer verurteilt: Zwölf Monate Gefängnis – und er darf nie wieder Tiere halten.
Sie sehen oft viel Elend. So retteten die Tierschützer von World Horse Welfare schon mehrfach geschmuggelte Pferde aus völlig überfüllten Lastern. Trotzdem gibt es so schreckliche Einsätze, dass Tierschützer sie nie vergessen – wie in Nottinghamshire in England. Dort retteten 100 Tierschützer an zwei Tagen insgesamt 455 Tiere, darunter rund 70 Pferde und Esel. Auch über 50 Hunde und Welpen sowie mehr als 170 Meerschweinchen wurden beschlagnahmt. Doch damit nicht genug: Die Tierschützer holten auch Frettchen, Kaninchen und kleine Nagetiere von dem Hof, ebenso wie Katzen, Geflügel, Exoten, Vögel, Reptilien. Sogar ein Lama wurde gerettet.
Fast allen Tieren war eine angemessene tierärztliche Versorgung verweigert worden. Viele der Pferde litten an starker Strahlfäule. Ein Esel war so lahm, dass er eingeschläfert werden musste, um seinem Leiden ein Ende zu machen. Ställe und Gehege waren knietief mit Fäkalien bedeckt, mit verrottendem, schimmeligem Futter unter den Füßen. Stuten mussten sich unter die Hengste mischen, so dass viele bereits trächtig waren und die wachsende Zahl der Pferde noch zunahm.

455 Tiere gerettet: „Der schlimmste Ort, den ich je gesehen habe“
Von der Tierschutzorganisation „World Horse Welfare“ waren sechs Mitarbeitende im Einsatz. Sie arbeiteten unermüdlich daran, die Pferde in Sicherheit zu bringen. „Die Bedingungen, unter denen sie gehalten wurden, waren schockierend“, so Field Officer (deutsch: Stabsoffizierin) Charlotte Melvin. „Leider war es keine Überraschung, dass so viele der Pferde vor Ort mit vielen Bein- und Fußproblemen litten, einschließlich wahrscheinlich einiger der schlimmsten Fälle von Pilzinfektionen, die ich je gesehen habe. In einer der Scheunen wateten wir über unsere Gummistiefel in Schmutz und überflutetes Wasser.“
Der Fall kam eher durch Zufall ans Licht: Angeblich wurde ein gestohlener Hund auf dem Hof gesehen. Daher fuhr eine Hundeorganisation dorthin – und alarmierte anschließend die Polizei Nottinghamshire. „Ich habe noch nie so viele Tiere von so vielen verschiedenen Arten an einem Ort gesehen“, so Charlotte Melvin. „Die Bedingungen, in denen alle Tiere gehalten wurden, waren schrecklich. Ich arbeite seit zwölf Jahren in Wohlfahrtsorganisationen und aufgrund der schieren Anzahl der beteiligten Tiere und des anhaltenden Leids, das sie erlebt haben, denke ich, dass dies einer der schlimmsten Orte war, die ich je gesehen habe.“

Das Urteil: 12 Monate Haft, lebenslanges Tierhalteverbot
Trotz des Elends hat sie auch Hoffnung, denn: „Es war inspirierend zu sehen, dass so viele Wohltätigkeitsorganisationen so effizient arbeiten, um all die verschiedenen Tiere in nur zwei Tagen in Sicherheit zu bringen. Jede Tierart hatte ein eigenes Team und jedes Team hatte einen eigenen Tierarzt. Ohne Partnerschaft wäre es absolut unmöglich gewesen, sie durchzuziehen. Es war unglaublich, es in Aktion vor Ort zu sehen und gab mir ein großes Gefühl des Stolzes, dass das World Horse Welfare ein Teil davon war.“
Der Besitzer der Farm wurde angezeigt – und jetzt verurteilt: Er muss zwölf Monate ins Gefängnis und bekam ein lebenslanges Verbot der Tierhaltung.








