Bei der Diagnose Hufrehe zucken Pferdebesitzer zusammen. Kein Wunder, schließlich ist diese Krankheit für die Tiere sehr schmerzhaft und kann im schlimmsten Fall sogar tödlich sein. Dazu geistert oftmals die Angst über die Stallgassen, dass Rehe-Pferde kein artgerechtes Leben mehr führen können. Aber stimmt das? pferde.de nimmt diese und andere Mythen unter die Lupe.
Es ist eine entzündliche Reaktion in der Huflederhaut mit schlimmen Folgen: Pferde, die an Hufrehe leiden, können nur noch unter großen Schmerzen stehen oder gehen. Besonders fatal: Die ersten Anzeichen werden oft nicht als Hufrehe erkannt.
Dabei spielt Zeit eine wichtige Rolle. Je schneller die Behandlung beginnt, umso besser stehen die Chancen. Denn: Bereits nach 48 bis 72 Stunden sprechen Tierärzte von einem chronischen Stadium!
Daher ist es wichtig, die Anzeichen zu kennen. Typische Symptome im Vorläuferstadium sind:
- klammer, gebundener Gang
- abwechselndes Entlasten der Beine
- etwas wärmere Hufe
- bei dünner Hufsohle: Reaktion auf Hufabdruckzange
- leichte bis hochgradige Lahmheit
Hufrehe-Symptome im akuten Stadium sind:
- „Sägebockstellung“ – Beine vorgestreckt
- verstärkte Pulsation der Zehenendarterien
- das Pferd bewegt sich ungern
- warme Hufe
Je mehr Zeit vergeht, desto deutlicher werden die Symptome. Im chronischen Stadium sind es zum Beispiel:
- angespannter Körper, harte Bauchmuskulatur
- häufiges Liegen
- apathischer Zustand, kaum Appetit
- deutlicher Puls an der Zehenarterie
- Sohlendurchbruch und Ausschuhen möglich
- kalte Hufe
So groß die Angst vor Hufrehe ist, so viel Wissen und Halbwissen hat sich im Laufe der Jahre in jedem Stall gesammelt. Hier sieben typische Sätze – und was dahinter steckt:
1. Hufrehe ist selten
Falsch! Laut einer aktuellen Studie aus Großbritannien erkrankt jedes zehnte Pferd mindestens einmal im Jahr an Hufrehe – ebenso häufig wie an Kolik! Und: Obwohl Hufrehe als medizinischer Notfall gilt, waren bei der Untersuchung nur die Hälfte der Pferde in tierärztlicher Behandlung.
2. Das Eiweiß im frischen Gras ist schuld
Wenn das Gras noch frisch ist, lieben Pferde es ganz besonders. Und dieses frische Gras, in dem viel Eiweiß steckt, kann Hufrehe auslösen. Daraus entstand die Überzeugung: Eiweiß ist schuld an der Hufkrankheit. Und dieser Irrglaube hält sich hartnäckig, dabei haben Wissenschaftler schon vor Jahren festgestellt, dass Hufrehe nicht nur durch das Eiweiß verursacht wird.
Mittlerweile werden aber vor allem nicht-strukturierte Kohlenhydrate wie Fruktan und Stärke als Hufrehe-Begünstiger vor allem für Hufrehe-anfällige Pferde genannt.
3. Hufrehe kommt vor allem im Frühjahr
Jein. Tatsächlich ist die Hufrehe-Gefahr im Frühjahr besonders hoch und mit Beginn der Weidesaison steigen die Hufrehefälle. Dann ist auch der Fruktangehalt im Gras besonders hoch. Aber: Im Herbst wird durch die tiefen Nachttemperaturen Fruktan im Gras gespeichert – daher herrscht in dieser Jahreszeit zweithöchste Rehegefahr.

Und: Eine britische Studie hat ergeben, dass diese Erkrankung das ganze Jahr hindurch auftreten kann. Der Grund ist simpel: Zwar ist die sogenannte Futterrehe, also Hufrehe, die durchs Futter ausgelöst wird, die häufigste Rehe-Variante. Aber es gibt noch weitere Auslöser, zum Beispiel Krankheiten wie Cushing – und die können das ganze Jahr über auftreten. Und im Winter können steinhart gefrorene Böden sogenannte Belastungsrehen auslösen.
4. Nur Medikamente helfen bei Hufrehe
Jein. Tatsächlich kann der Tierarzt in der äußerst akuten Phase Aspirin oder Heparin geben, um die Durchblutung zu unterstützen. Zusätzlich bekommt das Pferd schmerzlindernde Medikamente, spezielle Entzündungshemmer sollen Ödeme im Huf eindämmen. Aber: Auch Du als Pferdebesitzer kannst einiges tun, um Deinem Rehe-Pferd zu helfen – sogar bevor der Tierarzt da ist.
Als erste Hilfe bei Hufrehe kannst Du den Huf beziehungsweise das Bein kühlen. Dafür das Bein oder den Huf in Eiswasser stellen oder eine Kühltasche aufschneiden und mit Crushed Ice füllen. Übrigens: Auch neben der tierärztlichen Behandlung kannst Du den oder die betroffenen Hufe immer wieder kühlen – das ist schmerzlindern und kann die Entzündung hemmen.
Zusätzlich kannst Du für eine spezielle, extra weiche Einstreu sorgen, zum Beispiel Torf oder ein tiefes Strohbett – das entlastet die Hufe zusätzlich.
5. Nach dem Reheschub ist alles vorbei
Falsch. Es gilt eher das Motto: einmal Hufrehe, immer Hufrehe. Doch das heißt nicht, dass das Pferd für den Rest seines Lebens behandelt werden muss. Es bedeutet aber, dass es eher die Veranlagung hat, erneut daran zu erkranken. Deshalb gilt es, den individuellen Auslöser zu finden und dann entsprechend auszuschalten. Nur so können weitere Schübe verhindert oder zumindest minimiert werden.
6. Hufrehe-Pferde dürfen nicht auf die Weide
Jein. Tatsächlich sollten Pferde mit einer aktuellen Rehe-Erkrankung nicht auf die Weide. Genug Bewegung braucht Dein Pferd dennoch, zum Beispiel auf dem Paddock. Aber ist sie behandelt worden, kannst Du wieder über einen Weidegang für Dein Pferd nachdenken. Dabei gilt es ein paar Regeln zu beachten:
Übrigens: Wenn Du glaubst, dass eine kurze Weidezeit hilft – das ist ein Irrtum. Eine US-Studie hat gezeigt, dass Pferde bei kürzerer Fresszeit einfach ihre Fressgeschwindigkeit erhöhen und dadurch im Durchschnitt sogar mehr Gras futtern.
7. Hufrehe kann man nicht alternativ behandeln
Jein. Auf jeden Fall sollte immer ein Tierarzt gerufen werden. Aber zusätzlich kann eine alternative Behandlung unterstützen. Dazu gehört zum Beispiel die Blutegeltherapie, die auch viele Tierärzte im akuten Stadium der Hufrehe einsetzen. Wenn Du ein zu Hufrehe neigendes Pferd haben, kannst Du auch zur Vorbeugung auf die Blutegel setzen.
Du kannst, in Absprache mit dem Tierarzt, auch Kräuter verabreichen. Schmerzlindernd wirkt zum Beispiel ein Tee aus Brennnesseln oder Ingwer. Durchblutungsfördern sind Tees aus Schafgarbe, Hagebutte oder Ringelblume.








