Strahlfäule gehört zu den häufigsten Erkrankungen bei Pferden. Auslöser sind, wie der Name es bereits ahnen lässt, Fäulnisbakterien. Das Fatale: Wenn Strahlfäule nicht rechtzeitig behandelt wird, können die Bakterien sogar in den Blutkreislauf gegangen. pferde.de verrät die wichtigsten Fakten zu der Huf-Krankheit.
Puh, der Huf riecht aber streng. Wenn Du das denkst, solltest Du dringend ganz genau hinsehen. Das ist nämlich ein typisches Anzeichen, dass sich Bakterien im Huf eingenistet haben. Die Folge: Strahlfäule. Und die riecht nicht nur unangenehm, sie kann erst den Strahl und dann den ganzen Pferdekörper belasten. Doch warum ist der Hufstrahl so wichtig fürs Pferd und wie kannst Du Strahlfäule verhindern? Hier die wichtigsten Informationen:
1. Der Strahl – Stoßdämpfer für den Huf
Der Hufstrahl besteht aus weichem, von der Strahllederhaut gebildeten Röhrchenhorn, das wie die Lederhaut selbst in Form eines dreidimensional gefalteten „V“ im hinteren Hufsohlenbereich liegt. Er ist wichtig für den Hufmechanismus – also für die Bewegungen im und am Huf bei Be- und Entlastung. Bei Belastung auf festem Boden haben der Tragrand, der äußere Rand der Hufsohle und die Strahlschenkel Kontakt mit dem Boden. Dabei übernimmt der Strahl unter anderem die Rolle eines Stoßdämpfers.
Gleichzeitig wird die Durchblutung angekurbelt. Dabei berührt der Strahl den Boden. Denn wenn der Strahl den Boden berührt, wird das elastische Strahlpolster zusammengedrückt und presst sich in die Ballengrube sowie zwischen die Hufknorpel. Dadurch wird der Bluttransport in den Venen vom Huf aufwärts gefördert – daher werden die Hufe übrigens auch als zweites Herz des Pferdes bezeichnet. Und: Der Strahl im Ballenbereich auch als Tastorgan verwendet.

2. Wenn es riecht, ist es meist schon zu spät
Typisch für Strahlfäule ist der Geruch nach fauligen Eiern, wenn Du die Hufe auskratzt. Wenn Du das riechst, haben sich die Bakterien in den meisten Fällen bereits im Hufstrahl ausgebreitet. Insgesamt gibt es vier Stufen bei der Strahlfäule:
- Befall der mittleren Strahlfurche
- Ausbreitung auf seitliche Strahlfurchen
- Fortschreitende Zersetzung des Strahls
- Bildung einer schmierigen Substanz, die extrem stinkt
Wichtig: Die Strahlfäule sollte von einem Tierarzt diagnostiziert werden. Denn gerade zu Beginn kann Strahlfäule leicht mit einem etwas fransigen, sich erneuernden Strahl verwechselt werden. Die Hinterbeine sind übrigens häufiger von Strahlfäule betroffen als die Vorderbeine.
3. Was Strahlfäule anrichten kann
Strahlfäule ist ein langwieriger Prozess, bei dem Bakterien zu Beginn meist das Horn der mittleren Strahlfurche zersetzen. Wird sie nicht behandelt, „wandern“ die Bakterien immer weiter. In den Taschen und Ritzen im Strahl sammelt sich oft eine schwarze, feuchte Masse. Dazu weicht das Strahlhorn auf, sodass es sich auflösen oder ablösen kann. Breitet sich die Strahlfäule beim Pferd weiter aus, kann die Fäulnis auch Hornballen und die Strahlfurchen angreifen.
Ist das Ballenhorn betroffen, treten die sogenannten Strahlfäulringe auf. Diese entstehen, weil aufgrund der Entzündung ein weicheres, schwarzes Horn produziert wird. Wächst das Horn weiter, bildet sich der schwarze Ring am Vorhuf ab. Diese Ringe zeigen, wie lange sich die Krankheit schon hinzieht.
Es kann passieren, dass die Huflederhaut ungeschützt frei liegt, gereizt wird und sich schlussendlich entzündet – dann kommt zur Lahmheit. Wenn Du jetzt nicht handelst, kann sich die Entzündung auch auf das Knochengewebe ausbreiten. Starke Schmerzen und schwere Schäden am Bewegungsapparat können die Folge sein.
4. Hauptursachen für Strahlfäule
Viele denken: Strahlfäule entsteht nur bei schlechten Haltungsbedingungen. Das stimmt so aber nicht. Denn die Bakterien gibt es immer und überall. Der Grund: Jedes Mal, wenn das Pferd äppelt, scheidet es auch Darmbakterien aus. Heißt: Wo es Pferde gibt, gibt es auch diese Bakterien.
Trotzdem können die Haltungsbedingungen eine Ursache für Strahlfäule sein. Denn auch wenn sie sehr robust wirken: Die Hufe sind sehr empfindlich. Stehen Pferde viel in feuchter und unhygienischer Einstreu oder auf feuchtem Untergrund, so können Fäulnisbakterien leichter in das weiche Strahlhorn dringen. Dazu kommt, dass Ammoniak-haltiger Harn die Hufe vorschädigt.

Insgesamt gibt es sechs Faktoren, die Strahlfäule begünstigen:
- Ständig nasse Einstreu oder Matschpaddocks
- Wenig Bewegung, dadurch ist der Huf schlechter durchblutet
- Schlechte Hufpflege: Schmutzige, nicht regelmäßig gereinigte Hufe
- Huffehlstellungen wie ein Trachtenhuf
- Schlechte Hornqualität
- Falscher Hufbeschlag oder falsche Bearbeitung
5. Die richtige Behandlung bei Strahlfäule
In der Anfangsphase, wenn der befallene Strahl nicht nach faulen Eiern stinkt und sich auch keine schwarze, schmierige Substanz absondert, muss er oft nur glattgeschnitten werden und braucht keine weitere Behandlung.
Hat sich die Strahlfäule schon weiter ausgebreitet, schneiden Hufschmiede oder Huforthopädinnen die zerstörten Hornanteile des Strahls weg und reinigen den Huf gründlich. Nach dem Ausschneiden sollten kleine Wattebausche mit desinfizierend und antibakteriell wirkenden Mitteln getränkt, zum Beispiel Jodoformäther, und in die Strahlfurche gedrückt werden. Für die Behandlung gibt es zum Beispiel Lösungen, die Kupfersulfat oder Jod beinhalten.
Wichtig: Den Huf nicht mit Hufteer einstreichen, da dieser den Sauerstoff ausschließt und so wieder ideale Bedingungen für Bakterien entstehen. Außerdem muss man darauf achten, nasse Einstreu regelmäßig zu entfernen und die Hufe regelmäßig zu pflegen.
Übrigens: Bei leichten Fällen der Strahlfäule schwören einige auch auf Zahnpasta. Die Inhaltsstoffe Triclosan und Zink wirken antibakteriell und austrocknend. Eine gut zugängliche Stelle mit leichter Strahlfäule kannst Du damit eincremen und behandeln. Eine Absprache mit dem Hufschmied oder der Tierärztin ist aber auch bei diesem Hausmittel sinnvoll.
6. Bewegung ist wichtig
Reiten oder nicht reiten, die Frage stellt sich schnell jeder Pferdebesitzer. In leichten bis mittleren Fällen der Strahlfäule kann ein Pferd durchaus beritten werden, eine individuelle Absprache mit dem Tierarzt ist am besten. Grundsätzlich ist Bewegung wichtig, sie regt schließlich auch die Durchblutung an und kann beim Heilungsprozess helfen. Wichtig ist, dass die entzündeten Stellen dick eingecremt werden und so liegen, dass sie nicht direkt auf dem Boden aufliegen.
7. Strahlfäule optimal vorbeugen
Tatsächlich kannst Du Strahlfäule durchaus verhindern. Der Pferdehuf bleibt gesund, wenn er wenig Ammoniak-haltiger und feuchter Einstreu ausgesetzt ist und regelmäßig gereinigt wird. Deshalb: Einmal täglich gründlich Ausmisten, Paddocks, Weiden und Ausläufe regelmäßig absammeln sowie die Hufe vor und nach dem Bewegen sorgfältig säubern sind zur Vorbeugung ganz wichtig.
Das korrekte Ausschneiden des Hufes durch einen Hufschmied oder anderen Hufexperten ist ebenfalls Grundlage einer guten Prophylaxe. Auch mangelnde Bewegung oder nur auf weichem Boden kann die Entstehung von Strahlfäule fördern. Daher sollte Dein Pferd auch regelmäßig auch auf härterem Boden bewegt werden.
Anatomische Eigenarten des Hufes selbst können die Bildung von Strahlfäule begünstigen: Enge Hufstellungen und tiefe Strahlfurchen lassen sie leichter entstehen. Hier solltest Du die potentiell gefährdeten Stellen regelmäßig beobachten.
Tatsächlich kannst Du mit dem Futter gesunde Hufe bei Deinem Pferd unterstützen. Besonders schweflige Aminosäuren sowie Biotin, Kupfer, Selen und essentielle Fettsäuren sorgen unter anderem für starke Hufe. Über eine Blutprobe kann auch kontrolliert werden, ob das Pferd unter Zinkmangel leidet. Auch dies führt zu schlechterem Hufhorn. Wenn Du die Hufe auf natürliche Weise stärken willst, kannst Du auf diese Kräuter achten: Mariendistel, Brennnessel, Schafgarbe, Löwenzahn, Kamille, Pfefferminz und Weißdorn.








