Er gehört zur Grundausrüstung für alle Reiter. Und ähnlich wie ein Schuh muss der Sattel perfekt passen – und zwar Pferd und Reiter. pferde.de erklärt, worauf Du beim Kauf achten solltest und warum auch ein gebrauchter Sattel eine gute Wahl sein kann.
Neu oder gebraucht? Diese Frage bewegt viele Reiter. Während die einen auf den perfekt angepassten und maßgeschneiderten Sattel schwören, suchen andere lieber nach einem Gebrauchtmodell. Der Hauptgrund ist meist das Geld, denn ein neuer Sattel verliert schon in dem Moment rapide an Wert, wenn er das erste Mal auf dem Rücken Deines Pferdes liegt. Aber es gibt auch andere Vor- und Nachteile…
1. Der Sattel muss passen – Pferd und Reiter
Ein Sattel ist ähnlich wie Schuhe – wenn er nicht perfekt passt, drückt er und macht auf Dauer krank. Deshalb muss er unbedingt auf Dein Pferd passen. Zum Beispiel braucht er genügend Widerristfreiheit. Vier Finger sollten zwischen Sattel und Widerrist passen, seitlich sollten zwei bis drei Finger Platz haben. Die Widerristfreiheit solltest Du auch noch einmal testen, wenn Du im Sattel sitzt, dann sollte mindestens ein, besser zwei Fingerbreit Platz sein.
Die Kammerweite sagt aus, wie breit der Sattel ist. Entscheidend dafür sind die Schulterblätter Deines Pferdes. Dazu kommt noch der passende Sattelbaum, die Winkelung des Kopfeisens und der Sattelkissen… Kurz: Beim Kauf solltest Du Dich am besten von einem Profi beraten lassen. Hier hat der neue Sattel, den der Sattler vor Ort Deinem Pferd auflegt und anschließend noch genau an Dich und Dein Pferd anpasst, die Nase erst einmal vorn. Aber: Auch der gebrauchte kann angepasst werden.
Und: Auch wenn Dein Pferd beim Kauf im Vordergrund steht, Du musst Dich ebenfalls in dem Sattel wohlfühlen. Wenn Du glaubst, Du gewöhnst Dich schon dran – Irrtum! Und wenn Dir der Sattel nicht passt, verkrampfst Du. Das heißt, Du schwingst nicht entspannt mit und schadest so dDinem Pferd. Deshalb ist es wichtig, dass Du den Sattel mindestens 20 Minuten Probe reitest.

2. Einmal ausprobieren, bitte
Egal, ob neu oder alt: Wenn Du die Möglichkeit hast, die Sättel Deiner Stallfreundinnen auszuprobieren, solltest Du das nutzen. So kannst Du schon mal sehen, welcher Sattel Deinem Pferd und dir „liegt“ – und mit welchem Modell Ihr Euch vielleicht gar nicht wohl fühlt. Wichtig: Möchtest Du einen gebrauchten Sattel kaufen, ist es wichtig, dass Du nicht nur das genaue Modell und die richtigen Größen weißt, sondern am besten auch noch aus welchem Jahr der Sattel stammt. Denn Sattel-Modelle werden gerne mal überarbeitet und unterscheiden sich dann entsprechend.
3. Ein gebrauchter Sattel ist „eingesessen“
Wenn Du Dir Wanderschuhe kaufst, müssen sie erst eingelaufen werden. Ähnlich ist es mit einem neuen Sattel – er muss erst eingesessen werden. Heißt: Die meisten Neusättel sind für den Reiter erst einmal eher unbequem, das Leder ist noch hart. Und für alle, die den „used Look“ mögen, ist ein Gebrauchtsattel natürlich auch optisch überzeugender…
4. Fest-Preis gegen Vielleicht-Preis
Wenn Du einen neuen Sattel kaufst, kennst Du den genauen Preis. Beim Onlinekauf sieht es dagegen anders auch. Auch wenn Du im Internet Deinen Traumsattel entdeckt hast, alles zu passen scheint und dann auch noch dieser Super-Schnäppchenpreis lockt – Du solltest jetzt lieber zweimal tief durchatmen.
Denn ist der Sattel sehr günstig, kann er schnell deutlich teurer werden – weil er vom Sattler überarbeitet und richtig angepasst werden muss. Und schon kostet das 50-Euro-Schnäppchen plötzlich doch 500 Euro. Diese Zusatzkosten solltest Du bei deiner Rechnung „Neu oder Alt“ direkt mit einplanen. Und dann kann der günstige Neusattel plötzlich doch noch interessant werden…

5. Die Sattel-Auswahl kann entscheiden
Ganz klar: Die Auswahl ist bei neuen Sätteln natürlich riesig und verändert sich schnell. Bei den gebrauchten Sätteln sieht es dagegen anders aus – da sind die gerade angesagten Trendsättel erst ein paar Jahre später zu haben. Und wenn Du auf keinen Fall online einen gebrauchten Sattel kaufen willst, war das Angebot früher deutlich kleiner. Heute haben sich dagegen einige Sattler auf gebrauchte Modelle spezialisiert und Du kannst bei ihnen einen „alten“ Sattel unter den gleichen Bedingungen wie einen neuen kaufen.
6. Dressur oder doch lieber vielseitig?
Wenn Du Dir Deinen ersten Sattel kaufen willst, solltest Du Dich vorher fragen: Was möchte ich mich meinem Pferd machen? Schließlich gibt es unterschiedliche Sattelarten, zum Beispiel:
- Dressursattel
- Springsattel
- Vielseitigkeitssattel
- Trekkingsattel
- Rennsattel
- Westernsattel
Der Dressursattel hat – im Vergleich zu einem Springsattel oder Rennsattel – ein sehr langes, gerades Sattelblatt. Dadurch kannst Du Deine Beine locker und lang an den Pferdekörper legen und den aufrechten, gestreckten Dressursitz einzunehmen. Bist Du hauptsächlich ein Freizeitreiter, der auch gerne mal einen Sprung macht, ist ein Vielseitigkeitssattel vielleicht die beste Wahl, da er die Vorteile von Dressur- und Springsätteln vereint.
7. Die Sache mit dem Sattelbaum
Wenn es um den Sattelbaum geht, spricht eigentlich alles für einen neuen Sattel. Natürlich kannst Du vorab den Sattelbaum testen: Es sollte keine merkbare Asymmetrie oder Anzeichen von Beschädigung geben, wie zum Beispiel Falten im Sitzleder. Dazu sollte es keine spürbare Flexibilität in Breite oder Länge geben, wenn Du Druck ausübst, und es sollte keine hörbaren Anzeichen von Schwächung geben, wie Quietschen oder Knarren des Baumes.
Trotzdem: Als Laie kannst Du kaum erkennen, ob beim gebrauchten der Sattelbaum wirklich okay ist. Der ist meistens aus Holz und kann im Laufe der Jahre ermüden und reißen oder brechen. Das ist wie ein Totalschaden, bei dem die meisten Sattler zumindest aus wirtschaftlicher Sicht abwinken, weil sich eine Reparatur nicht lohnen würde. Daher solltest Du bei einem Gebrauchtsattel ganz konkret nach dem Sattelbaum fragen und am besten schriftlich festhalten, dass er noch okay ist.








