Pferde sind ursprünglich Steppentiere, die in freier Wildbahn jeden Tag mehrere Kilometer auf der Suche nach Futter zurücklegen. Im heutigen, modernen Pferdeleben ist davon kaum etwas übrig geblieben. Trotzdem wollen wir, dass es unseren Lieblingen auf vier Hufen gut geht. Dazu gehört auch ein gutes Stallklima. pferde.de verrät, worauf Du achten solltest.
In Deutschland gibt es rund 1,25 Millionen Pferde in Privatbesitz. Die meisten Pferde (45 Prozent) werden in Pensionsbetrieben gehalten, ein Drittel ist privat untergebracht und der Rest lebt auf Höfen ohne Reitplatz oder Halle. Und auch wenn Offenstallhaltung boomt – die meisten Pferde stehen noch immer im Stall. Damit es ihnen dort gut geht, und sie ausreichend frische Luft bekommen, ist auch ein passendes Stallklima wichtig.
Diese sieben Tipps sollten Ställe daher beachten:
Tipp 1: Die Sache mit der Temperatur
Okay, wir Menschen mögen es gerne kuschelig warm. Und zwar das ganze Jahr. Pferde sind da nicht so wählerisch: Sie haben auch eine körpereigene „Klimaanlage“, ihre Thermoregulation. Das deutliche Zeichen dafür ist der Fellwechsel. Der Körper Deines Pferdes arbeitet ständig, um die Körpertemperatur zu regulieren. Deshalb sind Temperaturwechsel zwischen drinnen und draußen Stress für die Tiere. Daher sollte sich die Stalltemperatur immer an der Außentemperatur orientieren, nur Extremwerte sollten vermieden werden. In Deutschland sind das etwa minus zehn oder plus 40 Grad, die im Stall nicht unter- oder überschritten werden sollten.
Tipp 2: Bei der Luftfeuchtigkeit ist das Mittelmaß gefragt
Nicht zu viel und nicht zu wenig – da ist das Motto in Sachen Luftfeuchtigkeit. In den „Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten“ vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz heißt es: Eine relative Luftfeuchtigkeit von 60 bis 80 Prozent ist ideal. Ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch, können sich zum Beispiel Pilze und Bakterien schneller vermehren. Außerdem können die Pferde dann ihre Körpertemperatur nicht mehr so gut regulieren. Ist die Luftfeuchtigkeit zu niedrig, wird die Stallluft zu trocken, das fördert die Staubbildung. Denn die kleinen Partikel vom Heu und Stroh reizen die Schleimhäute der Atemwege, im schlimmsten Fall kann chronischer Husten die Folge sein.
Tipp 3: Frischluft und Lüften sind wichtig für ein gutes Stallklima
Wenn die Luft im Stall steht, können auch Schadgase wie zum Beispiel Kohlstoffdioxid, Ammoniak und Schwefelwasserstoff nicht abziehen. Deshalb: Frischluft ist ein absolutes Muss. Dauerhaft geöffnete Fenster oder mindestens tägliches Lüften sorgen dafür, dass die Schadstoffe abtransportiert werden. Der Wert für die Luftbewegung sollte bei 0,2 oder höher liegen. Heißt: Der Luftstrom sollte mit 0,2 Metern je Sekunde durch den Stall wehen. Achtung: Direkte Zugluft auf Pferde solltest Du dabei vermeiden.

Tipp 4: Lass Sonne in den Stall
Für Pferde gilt: Sonne ist Leben! Denn als Steppentiere hat sich ihr Körper der Natur und dabei dem UV-Licht angepasst. Das bedeutet: Die Sonne beeinflusst auch ihre Widerstandskraft, Leistungsbereitschaft und sogar ihre Fruchtbarkeit. Künstliches Licht ist kein Ersatz für Sonne, auch deshalb sollten Pferde täglich rauskommen, zum Beispiel auf die Weide oder aufs Paddock.
Insgesamt sind acht Stunden im Hellen gut. Und auch in den Stall sollte möglichst viel Tageslicht gelangen. Deshalb ist sogar die Fensterfläche gesetzlich geregelt: Sie sollte mindestens fünf Prozent der gesamten Wand und Deckenfläche betragen. Werfen zum Bespiel Bäume Schatten auf die Fenster, müssen entsprechend mehr da sein.
Tipp 5: Der richtige Platz fürs Futter
In vielen Ställen werden Stroh und Heu direkt bei den Pferden gelagert – zum Beispiel im traditionellen Heuboden über den Boxen. Das ist zwar praktisch, aber: So können Stroh und Heu leichter schimmeln. Denn Pferde geben beim Atmen auch Feuchtigkeit ab – pro Pferd können das bis zu 0,3 Liter in der Stunde sein. Bildet sich Schimmel, ist das natürlich fatal fürs Stallklima. Deshalb: Raufutter lieber nicht direkt im Stall, sondern getrennt von den Pferden lagern.
Tipp 6: Gute Qualität bei der Einstreu
Pferde mögen es knisternd: Eine Studie zeigt nämlich, dass Pferde am liebsten auf Stroh schlafen. Wichtig ist dabei nicht nur, dass die Pferde trocken und sauber stehen – auch die Qualität des Strohs ist entscheidend für das Stallklima. Schlechtes Stroh ist nämlich oft besonders mit Schimmelpilzen und Pilzsporen verunreinigt. Falls du eine Alternative suchst: Eine Studie der Universität Göttingen hat ergeben, dass Strohpellets und Holzspäne im Gegensatz zu anderen Einstreumöglichkeiten zu weniger Ammoniakgasen im Stall führen.
Tipp 7: Und täglich wird gemistet!
Auch wenn eine sogenannte Mist-Matratze bei manchen Pferdehaltern hoch im Kurs steht, weil sie isoliert und Ammoniak bindet – das funktioniert nur, wenn sie wirklich „dicht“ ist. Da Pferde gerne mal scharren, ist das System nicht besonders sicher. Also: Damit die Ammoniakbelastung nicht zu hoch wird, muss täglich gemistet werden.
Das heißt: Die Boxen müssen komplett von Kot und Urin gesäubert werden. Dreckige Einstreu ist nämlich die Hauptquelle für schädliche Gase. Und warum so penibel gemistet werden sollte? Weil die Pferde ihre Nase beim Schlafen dicht an der Einstreu haben, wo die Konzentration der Gase am höchsten ist. Übrigens: Neben Atemwegserkrankungen drohen dadurch auch Erkrankungen der Hufe.








