Angela Bals-Bassano hat ein Herz für Pferde, die aufgegeben wurden. Auf ihrer Arche Hofgut-Schwarzenbach bekommen diese „Wegwerf-Pferde“ ein neues Leben und bringen Kinder zum Lächeln. pferde.de sprach mit ihr über neue Chancen und warum sie sich ein Umdenken bei uns Menschen wünscht – für die Pferde.
Mit Pferden ist Angela Bals-Bassano groß geworden: „Mein Vater hat auf der Rennbahn gearbeitet, da gehörten Pferde immer zu unserem Leben dazu“, erinnert sie sich. Entsprechend früh saß sie zum ersten Mal auf einem Pferd. „Und mit acht bekam ich mein erstes eigenes Pony, ein Shetland-Pony.“ Für sie ging damit ein Traum in Erfüllung. Und gleichzeitig lernte sie, dass auch Träume Schattenseiten haben können…
„Mein Vater war der Vorstand in meinem Reitverein. Alleine dadurch wurde ich immer genau beobachtet“, erinnert sie sich. Doch davon ließ sie sich nicht abhalten. „Mit meiner kleinen Flicka nahm ich auch an Turnieren teil. Und ich wurde oft ausgelacht, weil ich mit dem Shetti kam.“ Aber auch das hielt sie nicht auf. „Im Gegenteil: Ich wollte es allen beweisen. Und jede Schleife, die wir bekamen, war doppelt wertvoll.“
„Ich dachte, ich habe alles, was ich brauche“
Doch auch wenn sie sich ein Leben ohne Pferde nicht vorstellen konnte, beruflich ging Bals-Bassano erst einmal andere Wege: „Ich studierte Sozialpädagogik und Psychologie, machte eine Zusatzausbildung zur Montessoripädagogin. Ich arbeite seit damals und bis heute sehr gerne mit beeinträchtigten Kindern.“ Vor 25 Jahren bekam sie dann einen neuen Job an einer Montessori-Schule. „Dafür zogen wir um und erfüllten uns einen Traum: Wir lebten auf einem Vierseithof.“ Bals-Bassano lacht: „Dort hatten wir viele Weiden – die mussten mit Tieren erst belebt werden…“ Ihr Pony- und Pferdehof Hofgut Schwarzenbach war eine Reitschule in Obertaufkirchen.

Für die heute 60-Jährige war es das perfekte Leben: „Morgens war ich an der Schule, nachmittags auf dem Hof. Dort gab es immer etwas zu tun, die Tiere brauchten mich, dazu mussten wir uns um die Landwirtschaft kümmern.“ Freie Tage? Gab es nicht, eher mal eine freie Stunde. Zeit für sich selbst nahm sie sich nicht. „Ich dachte, ich habe alles, was ich brauche.“
Ihr Ziel: Sie will „Wegwerf-Pferden“ ein Zuhause geben
Doch nach 17 Jahren ging plötzlich nichts mehr. „Ich hatte ein Burnout. Das war ein großer Bruch in meinem Leben.“ Doch sie wollte ihn als Chance nehmen. „Einen Teil unserer Pferde konnten wir vermitteln, nur vier Pferde blieben. Mit ihnen zog ich nach Italien. Ich brauchte diesen Abstand. So konnte ich herausfinden, wohin mich das Leben weitertragen kann.“ Eins wird ihr in diesem Jahr bewusst: „Ohne Pferde kann ich nicht.“
Sie kam zurück nach Deutschland, zog nach Bad Endorf nahe dem Chiemsee. Statt einen eigenen Hof zu übernehmen, pachtete sie einen Teil in einem Stall. „Ich wollte mich nicht wieder verzetteln, sondern auf das konzentrieren, was mir wirklich wichtig ist.“ Ihrem kleinen Paradies gibt sie den Namen Arche Hofgut-Schwarzenbach. Und auch das Konzept stand sofort fest. „Ich möchte Pferden ein Zuhause geben, die sonst weggeworfen werden.“

Auch Pferde mit Beeinträchtigungen sind wertvoll
Denn das Pferde mit Beeinträchtigungen wertvoll sind, das hat ihr bereits Chilena, ein Reitpony-Araber-Mix, gezeigt. „Sie hat sich vor zehn Jahren mit einem Reitschüler überschlagen, war danach schwer verletzt. In der Klinik hieß es, dass sie operiert werden kann. Aber danach wären ihre Gelenke möglicherweise steif. Auch das Thema Euthanisierung stand im Raum. Aber das war für mich kein Thema. Dann könnte ich es auch so probieren, sagten die Ärzte. Und das habe ich gemacht.“
Seitdem genießt Chilena einfach ihr Leben. „Sie schlurft mit den Hufen, aber das ist für sie vollkommen okay. Sie liebt es, mit ihren tierischen Freunden auf der Weide zu stehen, macht mit ihnen Fellpflege. Und manchmal galoppiert sie auch noch ein paar Sprünge über die Weide.“ Bals-Bassano lächelt: „Sie ist eine Kämpferin. Sie zeigt jeden Tag, dass sie leben will.“
„Wegwerf-Pferd“: Minishetty Fanny drohte der Schlachter
Mittlerweile hat sie drei Ponys und drei Pferde auf ihrer Arche. Mit dabei ist auch Fanny. Entdeckt hat sie die Minishetty-Stute in einer Verkaufsanzeige. „Da stand, dass sie ein tolles Kinderpony wäre und nur ein bisschen hustet. Aber als ich hinkam, konnte sie kaum atmen. Ich wusste sofort, dass sie Equines Asthma hat. Ich hatte meine Not-Apotheke dabei und fragte ihn, ob ich ihr Cortison geben darf. Der Besitzer ließ mich machen und es ging ihr danach ein bisschen besser.“

Im weiteren Gespräch erfährt Bals-Bassano, dass er Fanny bereits zum Schlachter geben wollte. „Sie war bereits von Hand zu Hand gegangen. Zum Glück hat er mir sie sofort gegeben. Seitdem lebt sie bei mir.“ Auch Fanny gab sie ihr Versprechen: „Du bleibst bei mir, solange Du mich brauchst!“
Pferderetterin: „Es gibt kein nutzloses Leben“
Mit ihren Pferden zeigt Bals-Bassano auch, dass Pferde mit Beeinträchtigungen gute Lehrmeister sein können. „Ich versuche, sie alle behindertengerecht auszubilden. Denn beeinträchtige Pferde und beeinträchtige Menschen reagieren sensibel aufeinander. Sie achten mehr aufeinander, nehmen den anderen so, wie er ist.“ Und genau das möchte sie auch den Kindern, die zu ihr kommen, vermitteln: „Es gibt kein nutzloses Leben! Und wir sollten dankbar sein, wenn sie ihre Zeit gerne mit uns verbringen. Und auch Pferde, die krank oder alt sind, möchten gerne am Leben teilhaben, noch Unterhaltung haben und Freude erleben.“
Bis zu vier Mal pro Woche kommen Kinder zu ihr. „Mehr geht nicht, die Pferde brauchen dann wieder ihre Ruhe.“ Was die Kinder bei ihr lernen? „Sie lernen, mit kleinen Pferden umzugehen, sie zu führen und unternehmen schon erste spielerische Reitversuche mit gemeinsamen Führen.“

„Wegwerf-Pferd“: Sie wünscht sich ein Umdenken bei Menschen
Dass „Wegwerf-Pferde“ bei ihr eine neue Chance bekommen, hat sich rumgesprochen. „Nach einem Bericht in einer Zeitung klingelte plötzlich ständig mein Telefon. Die meisten wollten ihr Pferd zu mir abschieben.“ Doch nicht jeder Anrufer war in einer Notlage: „Es gab auch Momente, in denen ich dachte: Du hattest die schöne Zeit, jetzt darf ich die schlechte Zeit haben…“
Auch wenn es ihr schwerfällt: Bals-Bassano muss immer „Nein“ sagen. „Ich habe Aufnahme-Stopp“, sagt sie offen. Denn ihre Pferde, die sie jetzt hat, brauchen ihre ganze Kraft. Finanziell gibt es ebenso Grenzen. „Ich bin kein Verein. Wer zu mir kommt, zahlt einen Wertschätzungsbeitrag. Und einige Menschen spenden auch etwas.“ Trotzdem möchte sie weiter für ein Umdenken werben. „Ein Pferd kostet Zeit – und Geld. Aber leider gibt es immer wieder Menschen, die sich ein Billigpferd holen und das dann überfordern. Das geht dann leider nach hinten los. Und am Ende zahlen alle drauf. Die Menschen – und vor allem die Pferde…“
Sie wünscht sich, dass Menschen auch die Verantwortung für ihre Pferde übernehmen. Und zwar das ganze Pferdeleben lang. „Ein Pferd ist ein Partner fürs Leben. Und ich kann nicht immer nur fordern, dass mein ursprünglicher Plan funktioniert. Und wenn ein Pferd durch einen Unfall oder das Alter Beeinträchtigungen hat, dann kann ich mich seinen Bedürfnissen anpassen. Das heißt doch nicht, dass ich keinen Spaß mehr haben kann. Im Gegenteil: Wenn man wieder einen neuen, vielleicht ganz anderen Weg gemeinsam findet, kann man wieder neuen Spaß miteinander entdecken.“








