Die Diagnose ist ein Alptraum für jeden Pferdebesitzer: Denn Arthrose beim Pferd ist nicht heilbar – und war früher oft direkt ein Todesurteil. Heute dagegen gibt es verschiedenen Therapien, die Pferden ein glückliches Leben schenken können. Die wichtigsten Fakten zur Gelenkerkrankung – und wie Du vorbeugen kannst.
Ohne sie wären wir steif wie Zinnsoldaten: Gelenke sind die beweglichen Verbindungen zwischen den Knochen – und täglich im Dauereisatz. Damit sie reibungslos arbeiten können, werden sie durch die Gelenkkapsel geschützt. Die enthält Fasern sowie Bänder – und produziert die Gelenkschmiere.
Dieser Stoff, der hauptsächlich aus Hyaluronsäure besteht, verhindert das Aneinanderreiben der Gelenke. Verschleißen die Gelenke und ist der Gelenkknorpel irreparabel geschädigt, sprechen Mediziner von Arthrose.
Das Fatale: Arthrose ist nicht heilbar. Sind die Gelenke erst einmal „angegriffen“, können sie nicht mehr vollständig „repariert“ werden. Aber: Durch die richtige Behandlung kann die Krankheit verlangsamt, im besten Fall sogar aufgehalten werden. Das Wichtigste dabei: Je früher die Arthrose festgestellt wird, umso größer sind die Therapie-Chancen.
1. Es fängt mit leichtem Stolpern an
Arthrose kommt nicht plötzlich über Nacht. Die Krankheit verläuft schleichend – und am Anfang ist sie meist noch schmerzlos. Das ist auch das Problem: Dadurch wird eine beginnende Arthrose nämlich oft nicht erkannt.
Typische ersten Anzeichen für eine Arthrose sind eine leichte Steifigkeit und Stolpern zum Reit-Beginn, die verschwinden, wenn Dein Pferd aufgewärmt ist. Im Laufe der Zeit können folgende Symptome auftreten:
- Probleme beim Aufstehen und Hinlegen
- Bewegungseinschränkungen und steifer Gang
- sträuben gegen Bewegung
- oberflächliches Hitzegefühl auf den Gelenken
- beulenartige Verdickungen an Gelenken (Gallenbildung)
- Lahmheit, die zuerst noch nach leichter Bewegung verschwindet
2. Nicht immer ist das Alter die Ursache
Tatsächlich glauben viele, dass Arthrose bei Pferden eine typische Alters-Krankheit sei. Das stimmt zwar, da im Laufe der Jahre der Verschleiß bei Gelenken auftreten kann. Aber auch junge Pferde können bereits Arthrose bekommen. Als Ursachen beziehungsweise Risikofaktoren dafür gelten:
- Verschleiß der Gelenke durch Belastung
- angeborene Fehlstellungen
- Gelenkentzündungen
- Verletzungen, die zu einer einseitigen Belastung der Gelenke führen, wie zum Beispiel Bänderrisse
- zu frühe und starke Belastung von Jungpferden
- zu frühe Belastung nach einer Verletzung des Bewegungsapparates
- Übergewicht
- Zerrungen und Quetschungen durch Fehltritte oder Stürze
3. Von Schmerzmitteln bis Stammzellen
Bei der Behandlung einer Arthrose geht es im ersten Moment darum, die Schmerzen zu lindern. Entsprechend setzen Tierärzte auf Schmerzmittel und Entzündungshemmer. Dazu gibt es verschiedene Therapie-Möglichkeiten. Meist wird Hyaluronsäure genutzt. Sie wird lokal ins Gelenk injiziert oder intravenös gegeben und soll den Knorpelabbau hemmen beziehungsweise stoppen.
Teuer aber erfolgsversprechend ist eine Eigenblut-Therapie (IRAP oder PRP). Dabei werden Entzündungshemmer aus dem Blut und den Blutplättchen des Pferdes gewonnen. Zudem aktivieren sie den Heilungsprozess und tragen so zur Regeneration des Gelenks bei. Forscher der Universität in Buenos Aires untersuchten die Wirkung. Ergebnis: 23 Arthrose-Patienten bekamen PRP gespritzt; die Entzündungen gingen zurück, Schmerzen und Lahmheit nahmen ab.
Relativ neu ist die Stammzellen-Therapie: Dafür werden dem Pferd Stammzellen injiziert, die sich in Zellen des Knorpelgewebes umwandeln können und es so regenerieren. Gewonnen werden die Stammzellen meist aus dem Knochenmark.

4. Bewegung bei Arthrose muss sein
Auch wenn die Bewegung erst einmal weh tut – sie ist absolut notwendig. Denn: Arbeiten die Gelenke nicht, produzieren sie weniger Gelenkflüssigkeit und die Schmerzen nehmen zu. Deshalb gilt für Arthrose-Pferde: Sie brauchen dauernde freie Bewegung – und zwar auf geraden Ausläufen. Der Grund: Pferde mit Arthrose haben Schwierigkeiten bergauf oder bergab zu gehen, ein unebener Boden fördert Schmerzen. Wichtig dabei: Die Herde muss harmonisch sein, sodass das Pferd mit Arthrose nicht von seinen Artgenossen gejagt wird. Ideal ist eine Box mit angeschlossenem Paddock oder ein Offenstall.
5. Aufs Gewicht achten
Damit die Gelenke lange fit bleiben, kannst Du vorbeugend Einiges tun. Dazu gehört zum Beispiel – neben einer guten Haltung – tägliche Bewegung. Beim Reiten ist eine Aufwärmphase im Schritt von 20 Minuten ideal. Durch regelmäßige Bewegung wird eine Unterversorgung des Gelenkknorpels vorgebeugt, da dieser auf die Be- und Entlastung beim Laufen angewiesen ist. Das heißt auch: Lange Stehzeiten sollten unbedingt vermieden werden.
Dazu solltest Du auf das Gewicht Deines Pferdes achten. Auch, wenn Du denkst „rund, na und?“ – Übergewicht belastet die Gelenke und kann langfristig eine schmerzhafte Entzündung auslösen.

6. Einmal Hufe kontrollieren, bitte
Es geht den Pferden wie uns Menschen: Tragen wir falsche Schuhe, belaste wir unsere Gelenke ebenso falsch. Bei Pferden sind die Schuhe die Hufe. Wenn das Pferd beim Laufen nach innen „kippt“, kann das auf Dauer zu Verschleiß führen. Sollte Dein Pferd eine Fehlstellung haben, sollte sie unbedingt korrigiert werden – auf „sanfte“ Art. Denn eine zu schnelle Korrektur kann zu Problemen an anderen Stellen führen.
Dazu gibt es für Pferde mit Arthrose spezielle orthopädische Beschläge, die dem Pferd zum Beispiel das Abrollen des Hufs erleichtern und Stöße dämpfen.
7. Futter für die Gelenke
Auch das passende Futter kann die Gelenke stärken. Wichtig sind Mangan und Kupfer, Kalzium sowie Schwefel. Normalerweise nehmen Pferde Mangan und Kupfer durchs Heu auf – der Anteil kann aber stark schwanken. Daher solltest Du mit deinem Tierarzt besprechen, ob zum Beispiel ein Manganpräparat helfen kann.
Wenn Du natürliche Helfer suchst: Teufelskralle hat sich bei Gelenkproblemen bewährt. Sie besitzt eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung und eignet sich daher beispielsweise bei Spat, Schale oder Arthrose. Auch Hagebuttenpulver kann helfen: Es enthält Galaktolipid – das bindet Radikale und kann dazu beitragen, Schmerzen zu lindern und Entzündungen zu bekämpfen. Entzündungshemmend wirken auch Basilikum und Rosmarin, ebenso Ingwer sowie Salbei.








