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Aus Liebe zu Hauspferd Nasar zurück nach Deutschland

Anke Rottmann by Anke Rottmann
17. Juni 2025
Stephanie Arndt reitet mit ihrem Hauspferd Nasar in Spanien aus.

Foto: NASAR.LAND/Patrick Lux

Mit einem Orkan fing alles an: Damals holte Stephanie Arndt ihren Araber Nasar ins Haus – und er zog nie wieder aus. Auch nachdem die beiden nach Spanien umzogen, blieb der Wallach ein Hauspferd. Doch jetzt geht es für die ungewöhnlichste WG der Welt zurück nach Deutschland. Der Grund: Nasar hat Hautkrebs. pferde.de sprach mit Stephanie Arndt über die Schock-Diagnose, eine Entscheidung aus Liebe – und wie der Neustart gelingen soll…

„Fang nie an aufzuhören, hör nie auf anzufangen“ – das sagte Marcus Tullius Cicero, der berühmteste Redner des alten Roms. Und genau dieser Satz scheint das Lebensmotto von Stephanie Arndt zu sein. Denn immer wieder gab es in ihrem Leben einen Neuanfang. Mal war er kleiner, mal größer, mal aus Begeisterung – und mal aus Sorge.

Die Sorge um ihren Araber-Wallach machte Nasar und Arndt berühmt. Denn Ende 2012 raste Sturmtief Christian über Norddeutschland hinweg – „und verwüstete auch bei uns viel“, erinnert sich Stephanie Arndt. Vor allem entwurzelte das Sturmtief eine 300 Jahre alte Eiche neben Nasars Offenstall. „Da hatte ich wirklich Angst um ihn.“

Ein Jahr später wurde Orkan Xaver angekündigt. „Und er sollte noch viel schlimmer werden.“ Ihre Gedanken drehten sich dabei vor allem um Nasar. „Um seinen Stall standen viele Bäume, manche 20 Meter hoch. Wenn die umgestürzt wären, hätte der Stall keine Chance.“ Doch wohin sollte Nasar? Die einfachste Antwort: ins Haus!

Schimmel-Wallach Nasar kommt durch die Terassentür ins Haus.
Foto: facebook.com/Nasar:Land

Und so wurde aus Nasar das Hauspferd. Denn nachdem der Orkan vorbei war, blieb er im Haus. Als Arndt ein Foto von ihm im Haus postete, wurde er berühmt. Das gefiel ihm sehr. „Er steht gerne im Mittelpunkt.“ Doch der Ruhm hatte seine Schattenseiten: Es kamen zu viele „Besucher“, die das Hauspferd sehen wollten.

Der Schock: Wallach Nasar hat Hautkrebs

Und so zogen Arndt und Nasar vor zehn Jahren nach Spanien. Genauer: in die Terra Alta. Auch dort lebt Nasar im Haus. „Da gab es keine Diskussionen“, so Arndt lachend. Dabei ließ sie ihm extra einen Stall bauen. Doch Nasar rümpfte nur die Nüstern. Alles sah nach einem Happy End aus – bis jetzt bei Nasar Hautkrebs festgestellt wurde. Und die Diagnose stellte ihr Leben kurzerhand auf den Kopf.

Entdeckt hat Arndt die Veränderungen durch Zufall: „Das Melanom saß auf der Unterseite der Schweifrübe – und war schon ziemlich groß. Es waren drei Beulen mit einem Durchmesser von etwa zwei Zentimetern“, erinnert sich Arndt an den Schock-Moment. Der Ärztin war fast sofort klar: Das ist Hautkrebs. „Ich dachte nur: Oh, mein Gott. Dann habe ich direkt Fotos gemacht und die Bilder an den Professor einer Tierklinik in Barcelona geschickt.“

Foto: NASAR.LAND/Patrick Lux

Raus aus der Sonne – nach Norddeutschland

Er bestätigt ihren Verdacht. Am 2. Juni hieß es daher für Nasar: Ab in die Klinik. Kurz zuvor hatte Arndt auch noch Beulen am Penis entdeckt. „In der Klinik haben sie dann festgestellt, dass er sogar mehrere Stellen im Penisschaft hat“, so Arndt. „Alles wurde weggenommen, dabei wurde auch viel Gewebe entfernt. Deshalb bestand kurz die Sorge, ob er seinen Penis danach auch noch ausfahren kann. Zum Glück geht es…“

Doch wie sollte es weitergehen? Für Arndt stand sofort fest: Nasar muss raus aus der spanischen Sonne. Und so plante sie in Windeseile den Umzug. „Ich hatte Glück und fand sofort einen Platz für Nasar auf dem Gut eines Freundes in Schleswig-Holstein.“ Das Beste: „Dort gibt es auch ein Häuschen für mich!“ Und so wird Nasar nach der Entlassung aus der Klinik direkt nach Norddeutschland fahren. „Den Transport übernimmt sein Züchter.“

Nachts arbeiten, am Tag den Umzug organisieren

Der überstürzte Abschied fällt Arndt nicht schwer. „Ich hatte schon im Kopf, dass die Zeit in Spanien langsam vorbei sein könnte“, sagt sie. Immer nur Sonne, immer nur Siesta – das passt nicht in ihr Leben. Auch wenn das Leben dort für Nasar paradiesisch war. „Er konnte tun und lassen, was er wollte.“ Schließlich gehörten zu ihrem Haus 150 Hektar Land. „Da war er manchmal für eine Woche verschwunden.“

Doch auch für ihn waren die spanischen Temperaturen nicht immer perfekt. „Im Sommer lag er den ganzen Tag im Haus vor seinem Ventilator, ging nur abends raus. Und im Winter stand er abends mit seinem Popo am Kamin.“

Wallach Nasar zwischen Weinreben in Spanien.
Foto: NASAR.LAND

Auch für Arndt hatte sich in letzter Zeit viel verändert: Sie arbeitet als Ärztin in zwei psychiatrischen Kliniken. „Ich pendelte entsprechend zwischen Spanien und der Schweiz.“ Auch jetzt, in diesen Wochen, macht sie wie geplant ihren Dienst. „Ich habe nur Nachtschichten, das passt“, sagt sie lachend. „Da kann ich tagsüber alles organisieren…“

Andere Pferde? Drängen Nasar an die Seite…

Wie es in Norddeutschland weitergehen wird? Arndt zuckt mit den Schultern. „Für Nasar wird es erst einmal eine Riesenumstellung.“ Denn in dem Haus, in das sie ziehen kann, ist für Nasar kein Platz. Zwar leben dort viele Pferde – aber Nasar ist wählerisch. „Das war er schon immer. Als ich ihn als Fohlen das erste Mal sah, hat er sich überhaupt nicht für mich interessiert. Aber er stand auch abseits von den anderen Pferden.“

Für Arndt war es damals Liebe auf den ersten Blick. Und sie versuchte alles, um tierische Freunde für ihn zu finden. „Er ist zurückhaltend, andere Pferde dominierten ihn zu sehr.“ Selbst ein Shetland-Pony drängte den Araber-Wallach zur Seite. „Zum Schluss habe ich es mit einer Stute versucht. Und es klappte, es war sofort die ganz große Liebe“, erzählt Stephanie Arndt. „Doch die hielt genau drei Tage lang, dann stand Nasar wieder am Rand.“

Stephanie Arndt und ihr Wallach Nasar backen zusammen im Haus.
Foto: NASAR.LAND

„Dann soll Nasar sich selbst ein Haus besorgen…“

Auch nachdem Nasar bereits beschlossen hatte, dass er lieber ein Hauspferd sein will, versuchte sie es noch einmal – mit Olivia, einem englischen Vollblut. „Sie hatte sogar mal den großen Preis von Baden-Baden gewonnen.“ Und tatsächlich: Olivia schloss Nasar sofort in ihr Herz. Nur er blieb zurückhaltend. „Stattdessen kam er lieber zu mir ins Haus. Da stand Olivia draußen auf der Weide und schrie nach ihm. Sie war eifersüchtig. Als er dann endlich zu ihr kam, hat sie ihm gezeigt, was sie von seinem Verhalten hielt.“

Damit hatte sich auch diese Freundschaft erledigt. „Nasar ist ein Freigeist. Er wirkt so, als wäre er einfach im falschen Körper gelandet – und ist in Wirklichkeit ein Mensch. So will er auch behandelt werden.“ Trotzdem hofft Arndt, dass Nasar jetzt in Norddeutschland mit Artgenossen Freundschaft schließt. „Er bekommt eine Extra-Weide mit zwei Shetlandponys.“

Und was macht sie, wenn Nasar wieder Hauspferd sein will? „Dann soll er sich hinsetzen und sich selbst ein Haus besorgen“, sagt Arndt lachend. Und weiß gleichzeitig genau: Wenn Nasar nicht glücklich ist, wird sie alles für ihn tun…

Tags: HauspferdNasarPferdeliebe

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