Wer kennt das nicht: Da will man sein Pferd mal wieder richtig toll in Szene setzen, alles scheint perfekt – und hinterher sehen die Fotos eigentlich ziemlich langweilig aus. Und nun? Es nie wieder versuchen? Doch! Denn mit den richtigen Tricks wird es das perfekte Bild.
Ich liebe Pferde. Und ich liebe das Fotografieren. Kein Wunder also, dass sich beide Leidenschaften begegneten und ich mich in das Thema Pferdefotografie vertiefte. Mittlerweile bin ich seit acht Jahren im Einsatz und lerne noch immer bei jedem neuen Termin dazu – weil jedes Pferd einzigartig ist. Hier verrate ich Dir meine acht Tipps für tolle Bilder von Deinen Lieblingen auf vier Hufen.
1. Die Sache mit der Ausrüstung
Je besser die Ausrüstung desto besser die Bilder? Da ist meine Antwort ein klares: Jein! Nein, denn nicht die Kamera macht die Bilder, sondern die Person, die auf den Auslöser drückt. Ja, weil eine gute Kamera mehr Möglichkeiten bietet. Wirklich wichtig ist aber, dass Du Dich mit Deiner Kamera auskennst und sie „blind“ bedienen kannst.
Denn Pferde in Bewegung bleiben schließlich nicht stehen, weil Du schnell etwas anders einstellen willst. Und die Grundlagen der Einstellungen (Blende, Belichtungszeit, ISO) solltest Du verstehen, damit Du zum Beispiel mit Schärfe und Unschärfe spielen kannst.
2. Ein bisschen Zoom geht noch
Mein absolutes Lieblings-Objektiv für die Pferdefotografie ist mein 70-200er. Dafür muss ich zwar immer ein bisschen weiter vom Pferd weg gehen (und immer ein bisschen mehr schleppen), werde aber mit den besseren Fotos belohnt.
Warum? Ein Weitwinkel (zum Beispiel 35 mm) ist gut für Landschaftsaufnahmen, aber es macht Pferdenasen länger, Köpfe größer und gleichzeitig Hals und Körper kleiner. Bei der Pferdefotografie nutze ich mein Objektiv voll aus und fotografiere am liebsten mit 200 mm. Dadurch werden die Pferdenasen optisch kürzer – und auch der Körper eleganter.
3. Etwas Luft lassen
In der Fotografie spricht man immer von dem goldenen Schnitt oder der Drittelregel. Dabei geht es darum, wie das Bild aufgebaut sein sollte, um gut zu wirken – und wo das Pferd dann am besten steht. Bevor ich aber zu theoretisch werde, ein ganz einfacher Tipp: Gib dem Pferd auf dem Bild immer an den richtigen Stellen „Luft“.
Heißt: Wenn das Pferd nach rechts guckt, sollte das Foto nach rechts auch weitergehen. Galoppiert es nach links, dann sollte dort ebenso noch viel Platz sein. Sonst entsteht der Eindruck, dass das Pferd aus dem Foto guckt oder galoppiert.

4. Pferdefotografie heißt: Ab auf den Boden
Wenn Du Pferdefotografen schon bei ihrer Arbeit beobachtet hast, dann hast Du sicher schon festgestellt, dass sie oft auf dem Boden liegen. Mit gutem Grund: Diese so genannte Froschperspektive sorgt dafür, dass Pferde erhabener und eleganter wirken, da die Beine durch diesen Blickwinkel länger werden. Dazu kommt bei bewegten Bildern mehr Dynamik rein.
Und nebenbei: Bei älteren Pferden „verschwindet“ so beispielsweise der hohe Widerrist. Für Portraits nutze ich dagegen eher die Normalperspektive. Das heißt bei der Pferdefotografie: ab auf die Knie. Dann ist das Objektiv auf Herzhöhe des Pferdes. So ist es am einfachsten die Beine und den Hals harmonisch abzubilden.
Von oben fotografiere ich Pferde nur in absoluten Ausnahmefällen. Durch diesen Blickwinkel wirken Pferde verletzlicher, kleiner und gleichzeitig werden die Proportionen am stärksten verfälscht.
5. Mit Helfern geht’s besser
Es gibt nur eine Situation, in der ich keine Helfer brauche – wenn ich Pferde auf der Weide fotografiere und festhalten möchte, wie sie sich dort bewegen. In allen anderen Fällen sind Helfer neben Ausrüstung und Pferd das absolute Must-have für ein gutes Bild.
Und da gilt: Mindestens eine, besser noch zwei Helferinnen! Dann kann eine das Pferd festhalten, während die andere im Falle eines Falles hinter mir mit der Leckerlitüte raschelt. Und damit komme ich auch schon zu:
6. Wirklich, ein Regenschirm?
Bei meinen Shootings werde ich oft gefragt, ob ich auch einen Regenschirm dabei hätte – falls das Pferd nicht guckt. Ja, ich habe tatsächlich immer einen Schirm dabei. Den brauche ich, wenn ich im Hamburger Regen durch die Straßen laufe – aber nicht für Pferdefotos! Denn ein Pferd, das sich erschrickt und dabei die Ohren nach vorne nimmt, sieht nachher auf dem Bild genauso aus – erschrocken.

Natürlich greife ich auch in die Trickkiste. Und die ist von Pferd zu Pferd verschieden: Manchmal reicht es schon, wenn ich ein bisschen vor mich hin brumme, leicht in den Büschen geraschelt wird oder eine Tüte knistert. Oder ein Stallkumpel, der hinter mir ein paar Schritte vorbei geht. Am liebsten arbeite ich aber ganz ohne Tricks. Ich gebe dem Pferd gerne Zeit und gucke mir an, was seine Aufmerksamkeit bekommt. Das nutze ich dann – und habe den Moment, den ich möchte.
7. Das macht dann Photoshop…
„Bei uns gibt es keinen schönen Hintergrund!“ Das habe ich schon oft gehört, wenn ich in einem Stall zu einem Shooting komme. Oder: „Da geht es vielleicht, den Mist kannst Du doch nachher mit Photoshop wegmachen.“ Klar, das geht. Aber mit ein bisschen genauer hingucken kann ich mir die meiste Arbeit am Computer sparen. Überall gibt es kleine Ecken, die sich ganz wunderbar für ein Foto eignen.
Eine Mauer oder ein altes Stalltor können zu einem tollen Hintergrund werden. Und spätestens auf der Weide wird es richtig schön. Achtet dabei darauf, dass nicht plötzlich ein Baum oder Mast aus dem Kopf des Pferdes wachsen. Bei Portraits mit Trense achte ich darauf, dass die Zügel locker am Hals liegen. Auf keinen Fall sollten sie sich überkreuzen – das zieht den Blick nachher fast magisch an.
8. Der beste Zeitpunkt für Pferdefotografie
Die besten Zeiten für Pferdefotos sind morgens oder der späte Nachmittag – dann ist das Licht schön weich. Berühmt ist die blaue Stunde, die Zeit während der Dämmerung nach dem Sonnenuntergang – aber das macht natürlich nur Sinn, wenn auch viel Horizont aufs Bild soll, zum Beispiel bei einem Strandritt.

Mittags, wenn die Sonne hoch am Himmel steht, wird das Licht zu hart und wirft zu viele Schatten. Dann suche ich mir für Fotos einen Schattenplatz, gerne unter Bäumen, weil dort Spiel mit Licht und Schatten dem Bild zusätzliche Spannung gibt.








