Neuer Erfolg für Tierschützer: Island verschärft die Regeln für die sogenannten „Blutstuten“. Damit wächst auch die Hoffnung, dass die Stuten endlich nicht mehr leiden müssen.
Gute Nachrichten kommen aus Island: Die rechtlichen Voraussetzungen zur Haltung von Blutstuten werden geändert. Ab dem 1. November gelten Blutstuten als „Tiere, die zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet werden.“ Das kündigte die isländische Regierung in einer Mitteilung an. Warum das ein Erfolg ist? Weil die Halter jetzt eine Genehmigung brauchen.
Schon lange kämpfen Tierschützer gegen das Geschäft mit den Blutstuten. Sie leiden, damit Schweinefleisch möglichst billig auf unsere Teller kommt. Wie das zusammenhängt? Mit dem Hormon Pregnant Mare Serum Gonadotropin, kurz PMSG. Es ist im Blut der tragenden Stuten enthalten. Pharmafirmen produzieren daraus Hormonprodukte, die zum Beispiel die Schweinezüchter einsetzen.
Denn: Mit PMSG kann die Ferkelproduktion wie am Fließband laufen. Durch das Hormon werden Muttersauen gleichzeitig brünstig, die Geburten laufen auf wenige Stunden genau synchron ab – und entsprechend können die Schweine auch alle gleichzeitig zum Mäster. So bleiben die Kosten niedrig.

Unternehmen wirbt fürs Blut-Geschäft
Als wichtigster Lieferant hat sich in den vergangenen Jahren Island hervorgetan. Dort ist man sich keiner Schuld bewusst. Im Gegenteil: Das isländische Pharmaunternehmen ‚Isteka ehf‘ wirbt sogar in einem Imagefilm für sein Blut-Business. In dem Clip sieht es so aus, als würde es den Stuten gut gehen. Sie werden liebevoll gestreichelt, die Atmosphäre ist entspannt. Doch hinter den Kulissen der Blutstutenfarmen geht es anders zu, wie zum Beispiel Tierschützer der „Animal Welfare Foundation“ aufdeckten.
Sie fuhren durch Island, fanden in nur zehn Tagen 40 Blutfarmen – ein Bruchteil der Farmen, die es wirklich gibt. 119 Blutfarmen sind auf Island bekannt, auf ihnen werden 5.386 Blutstuten „genutzt“. Und die Stuten werden nicht gestreichelt. „Um den halbwilden Stuten Blut abnehmen zu können, werden sie mit Gewalt in primitiven Holzboxen fixiert. Das löst bei Fluchttieren Panik aus. Sie wollen der Zwangssituation entkommen und schlagen mit Kopf und Beinen wild um sich. Die Fixierboxen werden so zur Verletzungsfalle“, so Sabrina Gurtner, Projektleiterin bei der „Animal Welfare Foundation“.

Blutstutenfarmen: Island beugt sich EU-Recht
Die Folge: Die Tierschützer legten Beschwerde bei der zuständigen Überwachungsbehörde der „Europäischen Freihandelsassoziation“ (EFTA) ein. Die wiederum reagierte, warf Island vor, gegen Abkommen zu verstoßen. Jetzt endlich handelt die Regierung. Sie verbietet das Blut-Geschäft zwar nicht – aber sie beugt sich den EU-Regeln und verschärft die Vorschriften für das Blut-Geschäft. Denn: Bislang galt die Haltung von Blutstuten als ein Zweig der Landwirtschaft. Und für den war keine Genehmigung notwendig. Künftig gilt jedoch für die Haltung von Blutstuten eine andere Verordnung. Danach dürfen die Tiere zum Beispiel keine unnötige Belastung erleiden.
Viel wichtiger aber, so der Deutsche Tierschutzbund: „Ab dem 1. November muss vorab in einen Genehmigungsverfahren geprüft werden, ob alternative tierversuchsfreie Mittel für die Erzielung des gewünschten Effekts existieren. Ist dies der Fall, darf der Tierversuch nicht genehmigt werden. Da zahlreiche Tierarzneimittel auf dem Markt sind, die entweder dieselbe oder eine vergleichbare hormonelle Wirkung haben wie PMSG, müsste ein Genehmigungsantrag in diesem Fall abgelehnt werden.“
Blutstutenfarmen bekommen Übergangsfrist
Doch bislang scheint es so, als würde Island die Genehmigungen erteilen wollen. Bislang ist auch nicht klar, ob weitere Beschränkungen folgen – zum Beispiel in Bezug auf die Menge des Blutes, die den Stuten entnommen werden darf. Und: Den Haltern soll eine Übergangsfrist gewährt werden. Für die Tierschützer ist deshalb klar: Sie behalten das Geschäft der Blutstutenfarmen in Island im Auge – damit die Stuten nicht mehr leiden müssen…








