„Und ganz wichtig: Boxenruhe!“ Wenn der Tierarzt das sagt, ist der Frust meist vorprogrammiert. Und zwar bei Dir – und Deinem Pferd. Doch das muss nicht sein. Damit die Zeit ohne Langeweile und Stress gelingt, haben wir hier sieben Tipps für Dich.
Niemand will sie, aber manchmal muss es sein: Nach Verletzungen oder einer OP müssen Pferde Boxenruhe halten. Und egal, ob einige Tage oder gar ein paar Wochen: Die „Boxenhaft“ sorgt bei Pferden schnell für schlechte Laune. Kein Wunder, schließlich gehört Bewegung für sie dazu.
In freier Wildbahn sind Pferde rund 16 Stunden am Tag unterwegs. Zugegeben: Unsere „Hauspferde“ sind da anderes gewöhnt. Trotzdem heißt Boxenruhe meist auch Boxen-Frust.
Die gute Nachricht: Du kannst Deinem Partner die Boxen-Zeit ein bisschen angenehmer gestalten. Und sogar in den vier Boxenwänden für Spaß statt Langeweile sorgen. Wichtig dabei: Du musst mit dem Tierarzt vorher abklären, was für Dein Pferd möglich ist – und was Du besser lassen solltest.
Wenn Du ein Gute-Laune-Programm machen darfst, dann haben wir hier die besten Tipps:
1. Putz-Routine ohne Alltags-Stress
Auch wenn es banal ist: Das ganz normal Putz-Programm tut Deinem Pferd bereits gut. Büsten, striegeln, Hufe auskratzen und natürlich kraulen – das alles ist zwar alltägliche Routine. Aber genau die gibt Deinem Pferd in den ungewöhnlichen Ruhezeiten ein Stück Normalität.
Dazu kommt: Während der Boxenruhe kannst Du Dein Pferd noch mal ein bisschen besser kennenlernen. Denn jetzt hast Du Zeit, ganz genau auf Deinen Partner auf vier Hufen zu achten. Welche Bürste mag Dein Pferd, welche weniger? Wo genießt es das Putzen ganz besonders? Und an welcher Körperstelle lässt es sich nicht so gerne berühren?
Tipp: Vor allem die Hufe solltest Du im Blick behalten. Bei Boxenruhe kann es schneller zu Strahlfäule kommen.

2. Langsam essen gegen Langeweile
Natürlich muss das Futter während der Boxenruhe umgestellt werden. Denn der Energiebedarf Deines Pferdes sinkt während der Stehzeit. Und das heißt: Kraftfutter ist nicht nötig. Dafür kannst Du aber zum Beispiel ein Heunetz oder eine Heutonne aufhängen. Der Vorteil: Durch das langsame Futtern ist Dein Pferd auch gleichzeitig länger beschäftigt.
3. Massage – das Wellness-Programm
Gönn Deinem Pferd während der Boxenruhe doch mal eine Zusatzportion Wellness. Mit einer Massage lockerst Du dazu Verspannungen und förderst die Durchblutung. Zum Start kannst Du erst einmal Dein Pferd ganz abstreichen. Das gibt euch beiden Vertrauen und Sicherheit. Dann kannst Du zum Beispiel am Kopf beginnen. Du kannst die Kaumuskeln in kreisenden und streichenden Bewegungen massieren. Dann ganz sanft weiter zu den Schläfenmuskeln.
Generell gilt: Sanfter Druck wirkt entspannender, festerer Druck wirkt anregender. In der Boxenruhe also lieber etwas sanfter massieren…

4. Während der Boxenruhe auch die Faszien trainieren
Boxenruhe heißt wenig Bewegung. Und so wichtig das für Dein Pferd ist – die Stehzeit kann leider auch gesundheitliche Folgen haben. Eine davon betrifft die Faszien, die zum Beispiel der Muskulatur Form und Stabilität geben. Fehlt Bewegung, kann das dazu führen, dass die Faszien verkleben. Hier helfen zum Beispiel Faszienrollen für Pferde, mit denen Du Verhärtungen und Verklebungen lösen kannst.
Auch mit sogenannten „Fasziengriffen“, die an bestimmten Körperpartien des Pferdes durchgeführt werden, kannst Du Deinem Pferd helfen. So kannst Du beispielsweise die oberste Hautschicht mit den Fingern leicht anziehen und zwischen den Fingern hin- und her rollen.
5. Target – Training für den Kopf
Boxenruhe heißt in den meisten Fällen nicht, dass Dein Pferd gar nichts tun darf. Auch wenn es nicht durch die Gegend laufen soll, kann es trotzdem „arbeiten“ – mit dem Kopf. Da ist das sogenannte Target-Training ideal. Dabei lernt Dein Pferd etwas Bestimmtes zum Beispiel mit dem Maul zu berühren.
Klassische Targets sind Softbälle an einem Stab. Aber für den Einstieg kannst Du auch einfach Deine Hand nehmen. Zum Start streckst Du Deine Hand aus. Da Pferde neugierig sind, wird Dein Partner auf vier Hufen vermutlich sehr schnell mit der Nase Deine Hand berühren. Dann sofort loben. Du kannst das auch mit Clickertraining verbinden.

6. Boxenruhe: Einsatz für den Hütchenspieler
Wir kennen sie zum Beispiel aus Einkaufsstraßen: Die Hütchenspieler, die drei kleine „Hütchen“ vor sich haben, die sie blitzschnell bewegen. Und die Passanten sollen dann sagen, wo das Geldstück drunter liegt. So wild ist das Hütchenspiel für Pferde natürlich nicht. Aber es ist ein wunderbarere Zeitvertreib, der dazu auch die Konzentration sowie den Geruchssinn Deines Pferdes trainiert.
Und so geht‘s: Zuerst legst Du ein Leckerli in die Box und stellst dann ein „Hütchen“ verkehrt herum darüber. Als Hütchen kannst Du alles nehmen, das standfest ist. Beim ersten Mal sollte Dein Pferd zugucken, wenn Du das Leckerli darunter versteckst. Bei einigen Pferden musst Du auch ein bisschen „nachhelfen“ und sie erst einmal am Leckerli schnuppern lassen, damit sie neugierig werden.
Die meisten Pferde sind beim ersten Versuch noch sehr vorsichtig. Dann solltest Du jeden Versuch Deines Pferdes, an das Leckerli zu kommen, loben. Haben die Pferde verstanden, dass sie die Hütchen umkippen können, kannst Du zwei Hütchen aufstellen. Wichtig dabei: Lobe Dein Pferd, wenn es erst einmal schnuppert – schließlich soll es das Leckerli mit der Nase finden.
Extra-Plus dieser Übung: Dein Pferd streckt den Hals nach unten wie beim Grasen. Das tut der Körperhaltung gut.

7. In der Ruhe liegt die Kraft
Je nach Pferdetyp sind die Möglichkeiten beim Boxentraining fast grenzenlos. Das Wichtigste dabei ist: Es soll Deinem Pferd guttun. Und das bedeutet für Dich: Was immer Du Dir überlegst – lass am Ende Dein Pferd entscheiden. Wenn es Denksportaufgaben mag – super! Aber auch wenn Dein Pferd sich dabei besonders intelligent anstellt – es geht nicht darum, das klügste Pferd zu finden.
Also: Ehrgeiz ausschalten, Pferdesinn einschalten. Achte genau darauf, was Deinem Pferd Spaß bringt. Und lass es selbst entscheiden, was es möchte und was nicht. Je sensibler Du auf die Signale Deines Pferdes reagierst, desto besser fühlt es sich. Und das hilft nicht nur beim Gesundwerden – es stärkt auch Eure Beziehung.








