Oh je, aller Anfang ist schwer! Und auch die besten Teams müssen sich erstmal finden. Das stellt auch Lena fest, deren Cowboy Frank im Reitunterricht einen ganz schön rauen Ton anschlägt.
Dass es kein Zuckerschlecken werden würde, bei Cowboy Frank reiten zu lernen, war mir von der ersten Sekunde an klar. Denn dass er ein gutes Herz hat ist ebenso offensichtlich wie der Fakt, dass er seine Meinung ungefiltert weitergibt, nichts von Softies und von Menschen hält, die ihre Tiere verhätscheln.
Ein paar Tage nach unserem ersten zufälligen Treffen besuchte ich Frank auf seiner Ranch. Beim Rundgang über das Gelände musste ich nicht nur einmal schlucken – und schmunzelnd an meine verwöhnte Bulldogge denken, die auf einem orthopädischen Bett schläft.
Zudem gehöre ich eher zur Spezies der Hypersensiblen und habe mit ruppigen Charakteren so meine Probleme. Empfindliches West-Berliner Girl meets kernigen Cowboy made im Osten – das kann ja heiter werden! Und doch wollte ich unbedingt von diesem Cowboy die Kunst des Westernreitens lernen und mich von ihm für meinen großen Traum vom Wanderreiten ausbilden lassen. Ein paar Wochen lang hoch zu Pferd durch die Natur, unter freiem Himmel oder in einer Scheune schlafen, in Flüssen und Seen baden und abends am Lagerfeuer die Sterne anschauen und sich verdammt nochmal erfüllt fühlen.
Empfindliches West-Berliner Girl meets kernigen Cowboy made im Osten…
Dass dieser Traum aber noch ein Weilchen Traum bleiben wird, wurde mir während der ersten Reitstunde bei Frank schmerzhaft klar. Um ehrlich zu sein, kam ich mir selten so unfähig vor, wie auf Franks gut ausgebildetem Araber-Wallach Ramin. Zwar hielt ich mich im Sattel und schaffte auch ein wenig mehr, doch reiten konnte man das Ganze nicht nennen. Das wurde mir auch bei jedem neuen Reit-Versuch gesagt. Irgendwann kam dann der Moment, den ich eigentlich schon früher erwartet hatte. Ich konnte nicht mehr. Und wollte nicht mehr.
Ich hatte mir alles viel einfacher vorgestellt – es sieht bei anderen immer so einfach aus. Und jetzt denke ich nur noch an linken Schenkel, rechten Schenkel, Handwechsel, atmen, begrenzen, Arme ruhig, Zügel länger, Hände ruhig halten, im Sattel bleiben, nicht nach vorne fallen und an „Schau hin, wo du hin reiten willst“. Spaß? Naja. Anstrengend, fordernd, aufregend und voller Ups & Downs würde ich meine Westernreitanfänge eher bezeichnen. Ob ich die Zähne zusammengebissen habe und drangeblieben bin? Das verrate ich im nächsten Teil.








