Wenn Pferde älter werden, stellen sich wie bei uns Menschen oft kleine Zipperlein ein. Eine Diagnose ist jedoch gefürchtet: das Equine Cushing Syndrom (ECS), kurz Cushing. Bislang ist diese hormonelle Erkrankung nicht heilbar. pferde.de nennt die Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.
Cushing – die Diagnose ist für viele Pferdebesitzer erst einmal ein Schock. Das ist doch tödlich, ist oft der erste Gedanke. Tatsächlich kann die Krankheit lebensbedrohlich sein – in vielen Fällen ist sie jedoch gut zu behandeln. Pferde.de beantwortet hier die wichtigsten Fragen zu Cushing.
Wen trifft Cushing?
Cushing gilt als Alterskrankheit bei Pferden: Das Equine Cushing Syndrom trifft fast immer Pferde ab 15 Jahren – oder älter. Aber: Auch wenn die Wahrscheinlichkeit geringer ist, können auch schon jüngere Pferde ab etwa sieben Jahren an Cushing erkranken.
Dem Royal Veterinary College der University of London zufolge liegt das durchschnittliche Alter einer Cushing-Diagnose bei 19 Jahren. Zudem seien Ponys häufiger betroffen als Pferde, bei Stuten und Wallachen gebe es allerdings keinen Unterschied.
Wie häufig tritt Cushing auf?
Untersuchungen in Großbritannien und Australien zeigten, dass rund 20 bis 30 Prozent der Pferde über 15 Jahre an Cushing erkrankt sind. Dabei kam außerdem heraus, dass nur ein kleiner Teil der Besitzer von der Erkrankung weiß.
Wie wird Cushing ausgelöst?
„Schuld“ an der Krankheit ist die Hirnanhangdrüse. Genauer: die mittlere Hirnanhangdrüse, die Pituitary pars intermedia. Daher wird Cushing auch Pituitary pars intermedia dysfunction, kurz PPID, genannt.
Der mittlere Teil der Hirnanhangdrüse ist für die Bildung vieler Hormone und anderer Botenstoffe zuständig, die über den Blutkreislauf durch den Körper transportiert werden und an fast allen Funktionen beteiligt sind. Bei Cushing-Pferden wird das Hormon Dopamin nicht mehr ausreichend hergestellt. Dieser Mangel führt zum Beispiel oft zu einem gutartigen Tumor in der Hirnanhangdrüse.
Dazu kommt es zu einer Überproduktion von Hormonen wie ACTH und Cortisol. Kurz: Der Hormonhaushalt betroffener Pferde gerät aus dem Gleichgewicht. Das hat negative Folgen, zum Beispiel für den Zuckerstoffwechsel, die Immunabwehr und den Fellwechsel.
Wie kann ich Cushing erkennen?
Die Krankheit entwickelt sich meist schleichend und bleibt lange unerkannt. Das liegt teilweise daran, dass es nicht die klassischen Symptome gibt, sondern ganz viele Anzeichen auf Cushing hinweisen können. Dazu gehören
- dickes, langes, oft auch lockiges Fell
- verzögerter Fellwechsel
- Gewichtsveränderungen – von Fettpölsterchen bis Abmagerung
- Hufrehe
- vermehrtes Schwitzen
- starker Durst sowie erhöhter Harnabsatz
- Muskelverlust, vor allem am Rücken und Bauch
- Herz-Kreislaufprobleme
- Wundheilungsstörungen
- Appetitlosigkeit
- Lethargie
- Zahnerkrankungen
- geschwächtes Immunsystem

Wie wird Cushing diagnostiziert?
Für die Diagnose ist eine Blutprobe notwendig. Sie wird auf den Hormon ACTH untersucht. Liegen die Werte deutlich über dem Grenzwert, gilt die Diagnose als zuverlässig. Aber: Bei Stress, Schmerzen oder Infekten haben Pferde ebenfalls einen erhöhten ACTH-Wert.
Sind keine typischen Symptome vorhanden und ist die Situation unklar, können Tests wie der TRH-Stimulationstest Aufschluss geben. Dabei wird zuerst der Kortisol-Wert bestimmt. Anschließend wird das Hormon TRH gegeben und erneut der Kortisol-Wert gemessen. Bei Cushing steigt der Wert innerhalb von 30 Minuten.
Besonders zu Beginn der Erkrankung fällt eine genaue Diagnose allerdings oft schwer. Vor allem, weil Tests dann fälschlicherweise ein negatives Ergebnis zeigen können.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Bislang ist Cushing unheilbar. Bei frühzeitiger Diagnose und Therapiebeginn kann die Krankheit aber meist gut behandelt werden. In Deutschland gibt es zur Behandlung nur ein zugelassenes Medikament, den Wirkstoff Pergolid-Mesilat. Das Medikament muss das Pferd sein Leben lang nehmen. Es stimuliert die Ausschüttung von Dopamin und bringt so den Hormonhaushalt wieder mehr ins Gleichgewicht. Häufig kann man dem Pferd ein beschwerdefreies und fast normales Leben ermöglichen. Dafür sollte mit dem Tierarzt zusätzlich auch ein Bewegungs- und Futterplan erstellt werden.
Darf mein Pferd auf die Weide?
Hier ist Vorsicht geboten, denn zu viel frisches Gras kann gefährlich werden, da Cushing-Pferde zu Hufrehe neigen. Daher sollte für sie die Weidezeit begrenzt sein. Erkrankte Pferde sollten zudem lieber auf Weiden stehen, die schon etwas abgegrast sind.
Wie kann ich meinem Pferd zusätzlich helfen?
Wenn Dein Pferd am ECS leidet, solltest Du:
- Stress vermeiden – das würde den Hormonhaushalt zusätzlich durcheinander bringen
- regelmäßig Hufpflege, Zahnkontrollen, Entwurmungen und Impfungen durchführen
- Dein Pferd regelmäßig putzen und vom Fell befreien, eventuell auch scheren
- die Box täglich gründlich ausmisten und genügend trockene Einstreu verwende
- kleinere Wunden schnell behandeln, um Infektionen vorzubeugen









