Bestimmt hast Du diesen Begriff schon einmal gehört: Das Pferd ist dämpfig. Manch einer mag meinen, dass darunter „die aufsteigenden Rauchschwaden beim schwitzenden Pferd“ zu verstehen sind, dem ist jedoch nicht so. pferde.de erklärt Dir, was es mit der Dämpfigkeit auf sich hat und warum Du dieses Symptom unbedingt ernst nehmen solltest.
Das Steppentier Pferd ist aufgrund seiner Anatomie und Physiologie, also den Lebensvorgängen in den Zellen und Organen, eigentlich bestens gerüstet für ein Überleben in freier Wildbahn. Die Domestikation jedoch bringt Umstände mit sich, die den Equiden in der modernen Welt zu schaffen machen können – insbesondere deren großen Atmungsapparat.
Boxenhaltung mit wenig Auslauf und stehender Luft, staubiges Heu oder zu frühes beziehungsweises unnötiges Eindecken sind nur einige Beispiele, die sich negativ auf das Atmungssystem auswirken können. Akute Infektionen der Atemwege sind bei Pferden daher keine Seltenheit. Klingen Husten und vermehrte Schleimproduktion nicht innerhalb von ein bis zwei Wochen wieder ab, kann aus der akuten schnell eine chronisch-obstruktive Bronchitis werden (COB).
Spätestens jetzt sollte der Rat eines Tierarztes hinzugezogen werden, da die ersten Anzeichen für eine schwere Erkrankung der Lunge bereits vorliegen. Als Dämpfigkeit wird hierbei das Endstadium der chronischen Bronchitis bezeichnet.
Dämpfigkeit: Was es mit der Dampfrinne auf sich hat
Ein dämpfiges Pferd hat bereits einen längeren Krankheitsverlauf hinter sich. Neben dem chronischen Husten ist es sehr viel weniger belastbar und atmet schwer. Dies ist auf das zusätzlich gebildete Lungenemphysem zurückzuführen. Dabei sind die kleinen Lungenbläschen (Alveolen) beschädigt, sodass der Gasaustausch nicht mehr problemlos stattfinden kann. Es kommt zu einer Lungenüberblähung. Da das Pferd Schwierigkeiten hat, die verbrauchte Luft vollständig auszuatmen, nimmt es verstärkt die Bauchpresse zur Hilfe. Es entsteht eine Einkerbung zwischen den Bauchmuskeln und dem Rippenbogen – die sogenannte Dampfrinne – ein Merkmal, an dem sich dämpfige Pferde leicht erkennen lassen.
Solltest Du den Verdacht hegen, dass Dein Pferd möglicherweise dämpfig ist, achte auf folgende Symptome:
- Husten, der zunächst produktiv ist und später trocken wird
- Atemgeräusche, schwere Atmung
- geblähte Nüstern
- schneller Atemrhythmus
- Abgeschlagenheit, Leistungsabfall
- Dampfrinne
Rufe in jedem Fall einen Tierarzt, solltest Du Dir unsicher sein! Dieser wird das Tier untersuchen und Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen.

Was Du bei Dämpfigkeit sonst noch tun kannst
Das zerstörte Lungengewebe kann leider nicht wiederhergestellt werden, daher gilt Dämpfigkeit als unheilbar. Dennoch gibt es verschiedene Maßnahmen, die ergriffen werden können, um die Lebensqualität des Pferdes zu erhalten:
Präventiv
- (Rau-)Futter regelmäßig auf Staub, Schimmelpilze und Kontamination mit Fremdkörpern untersuchen
- Heu in Wasser einweichen oder heiß bedampfen
- Heu nicht in unmittelbarer Nähe der Pferde lagern (Atemluft erzeugt Feuchtigkeit)
- tägliches Ausmisten und Pferd dabei aus der Box oder aus dem Unterstand holen
- staubarmes Einstreu verwenden, zum Beispiel Hobelspäne, Strohhäcksel oder Leinstroh
- den Stall regelmäßig lüften
- das Pferd draußen putzen
- die Reithalle beziehungsweise den Reitplatz regelmäßig bewässern
- ausreichend Bewegung an der frischen Luft ermöglichen
- unnötiges oder zu frühes Eindecken vermeiden
Im akuten Fall
- Boxenruhe kann das Problem verschlimmern, daher Bewegung draußen ermöglichen
- schleimlösende und bronchienerweiternde Medikamente, Hustensäfte oder Kräutermischungen verabreichen
- Inhalation
- Antibiotikatherapie
Exkurs: Das „Wörterbuch“ der Atemwegserkrankungen
Sicherlich sind Dir die folgenden Kürzel, die mit Atemwegserkrankungen in Verbindung stehen, schon einmal begegnet. Doch worin unterschieden sie sich? pferde.de klärt auf:
- COB: Chronisch-obstruktive Bronchitis: Chronische Verengung der Bronchien, Husten, Schleimproduktion über mehrere Wochen. Heute ersetzt durch die Begriffe IAD und RAO.
- COPD: Chronic Obstructive Pulmonary Disease beziehungsweise Chronisch obstruktive Lungenerkrankung: chronische Verengung der Bronchien, Husten, Schleimproduktion über mindestens sechs Wochen. Atemnot möglich. Heute ersetzt durch die Begriffe IAD und RAO.
- Dämpfigkeit: Endstadium der COB beziehungsweise der COPD. Das Pferd benutzt vermehrt die Bauchpresse zum Ausatmen, wodurch eine sogenannte Dampfrinne entsteht.
- Equines Asthma: Überbegriff für IAD und RAO, in denen das Equine Asthma spezifiziert werden kann.
- IAD: Inflammatory Airway Disease beziehungsweise entzündliche Atemwegserkrankung: nicht-infektiöse Atemwegserkrankung mit chronischem Verlauf, gelegentlicher Husten in Ruhephasen, Leistungsminderung, Allergie möglich, keine Atemnot, Heilung möglich → mildes bis moderates Equines Asthma.
- RAO: Recurrent Airway Obstruction beziehungsweise rekurrierende Atemwegsobstruktion: wiederkehrende, nicht-infektiöse Atemwegserkrankung mit chronischem Verlauf, Husten auch in Ruhephasen, Leistungsminderung, Allergie möglich, Symptombehandlung möglich → hochgradiges Equines Asthma.









