Im Strudel des Skandals um Cesar Parra sind auch zwei Deutsche. Sie fühlen sich zu Unrecht beschuldigt. Doch ihre Erklärungen reichen nicht aus. Zwei weitere Verbände haben Konsequenzen beschlossen…
Drei kurze Videos brachten den Skandal ins Rollen. Sie zeigen Schläge auf den Kopf und Hals mit der Gerte, extrem eng ausgebundene Pferde, blutige Mäuler und vieles mehr. Im Mittelpunkt: Dr. Cesar Parra, Olympia-Reiter und Weltcup-Finalist. In seinem Trainingsstall in Florida wurden die Videos aufgenommen. Und sie schockten die Reitszene weltweit.
Die Verantwortlichen reagierten sofort: Der Weltreiterverband FEI sperrte Parra. Da war der Skandal bereits in Deutschland angekommen. Denn auf einem Video waren auch zwei Deutsche zu sehen: Stefan Sandbrink und Dr. Kerstin Klieber. Auch für die gab es sofort Konsequenzen: Die FN erstattet Anzeige gegen zwei Personen aus Deutschland. Zudem können beide bis auf weiteres keine Jahresturnierlizenz erhalten und sie haben Hausverbot inklusive bei Eigenveranstaltungen der FN. Außerdem wurde ein Ausschlussverfahren eingeleitet, um die Persönliche Mitgliedschaft zu entziehen.
Und das war erst der Anfang: Mehrere Deutsche Verbände aus Zucht und Sport teilten mit, dass sie ein Verbandsausschlussverfahren in Gang gesetzt haben. Der Oldenburger und der Hannoveraner Pferdezuchtverband hielten sich mit schnellen Konsequenzen dagegen zurück. Sie wollten erst die betroffenen Deutschen anhören.
Deutsche waren nur „zu Besuch“ bei Parra
Doch was sie als Erklärung lasen und hörten, reichte offenbar nicht. „Beide Zuchtverbände haben nach einer Anhörung von Herrn Stefan Sandbrink und Frau Dr. Kerstin Klieber und dem Eingang einer schriftlichen Stellungnahme eine gemeinsame Entscheidung getroffen. Hintergrund für die Entscheidung ist die Erkenntnis, dass die Stellungnahme gegenüber den Pferdezuchtverbänden sowie die im Internet veröffentlichte Eigenerklärung aus Sicht der Verbandsvertreter nicht zu einer Entlastung des offensichtlichen Vorgehens führen“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.
In dieser Eigenerklärung hatte Sandhorst betont, dass er nur für einen Tag auf der Anlage von Parra war. Dabei ging es um ein Pferd, dass Sandbrink und Dr. Klieber an Parra verkauft hatten. „Ich wollte und sollte mir die Pferde lediglich nur ansehen. Deshalb erschien ich in Freizeitkleidung (Shorts und Slippern)“, heißt es. „Vor Ort stellte ich fest, dass Dr. Parra absprachewidrig gar nicht anwesend war.“
Mann mit Peitsche? Nur schemenhaft wahrgenommen…
Stattdessen longierte eine Reiterin das Pferd ab, stieg dann auf. „Das Pferd stand ruhig und sie saß auf. Unmittelbar danach eskalierte die Situation. Das Pferd stieg hoch und drohte sich zu überschlagen. Dadurch bestand sofort, auch in Anbetracht der Größe des Pferdes (ca. 180 cm), Lebensgefahr für die Reiterin und mich. Deshalb wies ich die Reiterin laut an, dass es nach vorne ging. Aus meiner Sicht gab es in diesem Moment keine Gelegenheit mehr mich der Situation zu entziehen, da ich überzeugt war, dass die Sicherheit der Reiterin davon abhing, dass ich das Pferd weiterhin an der Hand habe.“
Dass ein anderer Mann das Pferd von hinten immer wieder mit einer Peitsche schlägt, will er gar nicht richtig mitbekommen haben. „Wahrend des ganzen Vorgangs habe ich mich komplett, mental und visuell, auf das Pferd und die Reiterin fokussiert und aufgrund der Gefährlichkeit der Situation das Verhalten der dritten Person nur ganz schemenhaft wahrgenommen.“
Verbände handeln konsequent
Seine Lebensgefährtin Dr. Klieber beruft sich bei den Vorwürfen auf ein Missverständnis. „Ich habe zu keiner Zeit dort irgendeine aktive Handlung begangen. Ich war wie gesagt nur eine Besucherin. Ohne jegliche Befugnisse!“, betont sie in ihrer Stellungnahme. Beide Erklärungen stoßen im Internet auf wenig Verständnis. „Selbst wenn man als Besucher keine Rechte hat, hätte man die Sache anzeigen können. Aber sich jetzt im Nachhinein so unglaubwürdig und peinlich versuchen rauszureden, spricht für die beiden…“, schreibt zum Beispiel eine Reiterin.
Und auch den beiden Verbände reichen die Erklärungen nicht. Für sie geht es um „tierschutzrelevant eingestufte Vorkommnisse“. Und entsprechend sind die Konsequenzen: „Herr Stefan Sandbrink ist kein Mitglied im Oldenburger und Hannoveraner Pferdezuchtverband. Mindestens bis zum 31.12.2027 erhält er Hausverbot auf den beiden Verbandsanlagen sowie ein Teilnahmeverbot als Vor- / Aussteller auf Verbandsveranstaltungen. Für denselben Zeitraum gilt, dass für ihn kein Antrag auf Mitgliedschaft in den beiden Pferdezuchtverbänden möglich ist.“
Seine Lebensgefährtin trifft es ebenso: „Frau Dr. Kerstin Klieber führt je nach Pferdezuchtverband unterschiedliche Mitgliedschaften als natürliche Person beziehungsweise als Geschäftsführerin der Dressurstall Sandbrink GmbH. Für beide Mitgliedschaften gilt ein sofortiger Ausschluss. Ein neuer Antrag auf Mitgliedschaft kann frühestens ab dem 1.1.2027 gestellt werden. Für denselben Zeitraum erhalten sie ein Hausverbot auf den beiden Verbandsanlagen sowie ein Teilnahmeverbot als Vor- / Ausstellerin auf Verbandsveranstaltungen.“








