Die Geschichte der Traber begann durch einen Zufall. Heute sind die Sportpferde auf der ganzen Welt beliebt. Bei uns ist der Deutsche Traber auch als Freizeitpferd begehrt. pferde.de hat 7 spannende Fakten zu den treuen Tempo-Pferden.
Sie sind zwar auf Leistung gezüchtet und zeigen auf der Rennbahn viel Temperamt – trotzdem sind die Deutschen Traber auch in Freizeitställen beliebt. Denn die Rasse bietet mehr als Leistungssport: Die Pferde sind auch gute Freunde auf vier Hufen.
Und es gibt sie in vielen Variationen: Mal sind sie elegant und zierlich wie Vollblüter, dann wieder kräftig und muskulös wie Warmblüter. Nur als Pony oder Kaltblut gibt es den Traber nicht.
Wenn Du Dich für diese besonderen Pferde interessierst – hier kommt das etwas andere Rasseportrait.
1. Die Karriere der Traber begann in Russland
Er gilt als Zarenmörder – und „Erfinder“ der Traber: Alexej Orlow war mit seinem Bruder Grigori 1762 am Sturz von Zar Peter III. beteiligt. Einigen Quellen zufolge soll er sogar selbst den Zaren erdrosselt haben. Doch die Tat brachte ihm nur kurz Glück: Erst wurde er zum Grafen ernannt, dann zum Admiral der ganzen russischen Flotte. Doch dann sank sein Stern – und er begann eine zweite Karriere als Pferdezüchter.
Sein Ziel: Er wollte das perfekte Kutschpferd züchten. Und dafür hatte er hohe Ansprüche: Es sollte natürlich schnell und ausdauernd sein, dazu aber auch zum russischen Klima passen. Dafür musste es widerstandsfähig sein. Und ganz nebenbei sollte das Ideal-Pferd natürlich auch noch von adeliger Schönheit sein.

2. Deutscher Traber – dreifach gut
Auch in Deutschland begeisterten sich die Menschen schon früh für Pferderennen. In Straubing zum Beispiel gab es bereits seit dem 14. Jahrhundert sogenannte Scharlachrennen. Doch in Sachen Trabrennen waren wir eher Spätentwickler. Während es in Russland die Orlow-Traber gab, in Amerika das American Standardbred und in Frankreich den Trotteur Francais, blieb es bei uns zuerst ruhig. Doch die Trabrennen hielten nicht an den Grenzen an: Sie wurden 1836 in Frankreich eingeführt und eroberten dann Belgien, Holland – und schließlich auch Deutschland. 1873 gründete sich dann in Straubing Deutschlands erster Trabrennverein.
Zu diesem Zeitpunkt wollten dann auch die deutschen Pferdezüchter mitmischen. Und sie griffen auf die bereits vorhandenen drei Traber-Rassen zurück. Das Ergebnis: der Deutsche Traber, der 1896 dann auch sein eigenes Zuchtbuch bekam.
3. Mit Tempo 50 über die Bahn
Sie sind auf Tempo gezüchtet. Kein Wunder also, dass jedes Pferd seinen eigenen „Kilometer-Rekord“ hat – also in welcher Zeit es einen Kilometer zurücklegt. Im Schnitt schaffen deutsche Traber im Renntrab Geschwindigkeiten von 45–50 Kilometern pro Stunde. Der von einem Deutschen Traber gelaufenen Rekord im Ausland wurde 2012 aufgestellt. Damals lief Classic Grand Cru in Schweden einen Kilometer in 1:09,6 Minute. Seit Mai 2022 muss er sich diesen Rekord mit Hidalgo Heldia teilen. Übrigens: Die schnellste, jemals gelaufene durchschnittliche Kilometerzeit erzielte Sebastian K mit 1:07,8. Damit gilt der Standardbread-Hengst bis heute als schnellster Traber der Welt.

4. Mehr als nur Trab
Zugegeben: Galoppieren ist für diese Pferde eher ein Fremdwort. Denn für ihre Renn-Karriere vor dem Sulky wird ihnen jeder Ansatz zum Galopp abtrainiert – schließlich führt das auf der Rennbahn zur Disqualifikation. Dafür kann der Deutsche Traber die Veranlagung für Tölt oder Walk mitbringen. Dieses Potenzial für den vierten beziehungsweise fünften Gang verdankt er seinen Vorfahren: Das American Standardbred besitzt nämlich ebenfalls die Neigung zum Extra-Gang.
5. Für ihre Menschen sind sie treue Freunde
Deutsche Traber werden zwar auf Leistung gezogen – sie bringen aber auch einen tollen Charakter mit. Durch den Wirbel auf den Rennbahnen sind sie sehr Nervenstark und ausgeglichen. Dazu sind sie intelligent – und bauen zu ihrem Menschen ein enges Verhältnis auf. Das hat ihnen auch den Beinamen „treuer Traber“ eingebracht.

6. Eine zweite Karriere als Freizeitpferd
Schon mit anderthalb bis zwei Jahren werden Traber vor den Sulky gespannt. Dann folgen die ersten Proberennen, eine Qualifikation – und schließlich die Renn-Karriere. Doch schon vorher werden immer wieder Deutsche Traber aussortiert, weil sie für die Rennen nicht genug Leistung bringen. Dazu kommen ausgediente Renntraber, die eine zweite Karriere als Freizeitpferde hinlegen. Zwar kann es eine Zeit dauern, bis Traber auch den Galopp zeigen. Aber „Traber-Fans“ schwören auf die menschenbezogenen Pferde. Vor allem für Distanz- und Wanderritte sind sie tolle Partner auf vier Hufe.
7. Ein kluger Hans unter den Trabern
Natürlich sorgen Deutsche Traber vor allem auf der Rennbahn für Schlagzeilen – mit Siegen und mit Preisen. Wie zum Beispiel die Stute Queen L. Sie gewann 46 Rennen – und holte damit rund 1,67 Millionen Euro Preisgeld. Das erfolgreichste deutsche Trabrennpferd ist Sea Cove: Bei 111 Starts holte er 54 Siege und erlief eine Gewinnsumme von mehr als 2,2 Millionen Euro.
Außerhalb der Rennbahn sorgte übrigens schon vor mehr als 100 Jahren ein Traber für Aufsehen: Kluger Hans konnte angeblich rechnen und zählen. Sogar eine wissenschaftliche Kommission untersuchte die Fähigkeiten des Pferdes – und konnte keinen Trick oder Betrug nachweisen…








