Er ist der erfolgreichste deutsche Westernreiter. Hier verrät Grischa Ludwig (46), weshalb Pferde erst seine zweite große Liebe wurden, wovon er nach seinen vielen Titeln noch träumt – und was er sich für den Pferdesport wünscht…
Wann saßen sie das erste Mal auf einem Pferd?
(lacht) Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mal nicht auf dem Pferd gesessen habe. Mein Vater leitete ein großes Reittherapeutisches Zentrum. Da hieß es als Kind schon immer: mithelfen! Wenn der Ranzen in der Ecke lag, musste ich erst einmal auf dem Hof arbeiten.
Dann wurde ihnen die Liebe zu Pferden also in die Wiege gelegt…
Nein, im Gegenteil. Ich hatte als Kind Angst vor Pferden, weil ich so manches Mal gebissen wurde. Und ich bin natürlich auch runtergefallen. Dadurch war mir Reiten zu unsicher. Ich saß lieber auf dem Rad als auf dem Pferd. Damals gehört eindeutig dem Radsport mein Herz.
Wann hat sich das geändert?
Als ich auf der Messe „Americana“ das Westernreiten kennenlernte. Für mich als Jugendlicher waren damals Cowboys einfach cooler. Und mich faszinierte die Reitweise am losen Zügel. Damals war es für mich auch so: Ich ritt lieber in Jeans als in Leggins… (lacht)
Und da war es um sie geschehen?
Ja! Ich habe damals zu meinem Vater gesagt: Wenn du mir ein Quarter Horse holst und ich damit auf Turniere kann – dann kommt das Rad weg. Vier Wochen später war Colonel Sugar Doc da. Mit ihr war ich recht schnell erfolgreich. Und mit 16 war für mich klar: Das wird mein Beruf!
Vor allem im Reining sind sie erfolgreich – was ist das Besondere daran?
Es ist die Königsdisziplin beim Westernreiten. Mich fasziniert dabei die Mischung aus Leichtigkeit, Genauigkeit und Spektakularität. Reining beinhaltet sehr komplexe, schwierig zu reitende Manöver – und soll dabei pure Leichtigkeit vermitteln.
Diesen Mix beherrschen sie perfekt, wurden mehrfach deutscher Meister, Vize-Weltmeister und sind aktuell Doppel-Europameister. Haben Sie da überhaupt noch Ziele?
Auf jeden Fall! Ich möchte den nächsten Meilenstein erreichen, zum Million-Dollar-Rider werden. Dass sind Reiter, die insgesamt eine Million Dollar Siegprämien erritten haben. Ich weiß nicht, wie viele es davon weltweit gibt, ich schätze mal vielleicht höchstens 20. Bislang habe ich 800 000 Dollar erritten, ich hoffe also, dass es klappt.
Was ist Ihnen im Umgang mit Pferden wichtig?
Für mich sind Pferde keine Sportgeräte, sondern Partner. Dass ist ja auch das Besondere am Reitsport – dass man gemeinsam ein Ziel erreichen kann und Verantwortung für den Partner hat. Wenn ich gefrustet bin, kann ich ein Pferd nicht einfach mal für ein, zwei Wochen in die Ecke stellen. Ich muss mich weiter kümmern.
Heißt kümmern auch kuscheln?
Natürlich gibt es immer Lob und Streicheleinheiten. Ich achte sehr darauf, dass es den Pferden gut geht. Dass habe ich schon als Kind gelernt, das Horsemanship und die sogenannten Pferdeflüsterer kommen ja mehrheitlich mehr aus dem Westernreitsport. Aber wie immer: Es ist wichtig, dass man es nicht übertreibt. Heute denken manche, dass ein Pferd nur auf der Weide glücklich ist. Dass nur das ein natürliches Leben ist. Da rate ich: Guckt Euch mal das Leben von Wildpferden an – das ist brutal und hart. Die führen ein ganz anstrengendes Leben, da geht es ums Überleben. Und in einer Herde hat jedes Pferd seine Aufgabe und seine Rolle. Pferde arbeiten gerne mit, auch mit uns. Wenn wir sie fordern und fördern und nicht überfordern.
Sie reiten nicht nur Quarter Horses, sondern züchten auch selbst…
Ja, mit meiner Geschäftspartnerin habe ich auf der schwäbischen Alb ein eigenes Gestüt, den Schwantelhof, mit 120 bis 150 Pferden. 70 Pferde sind davon bei mir, meinen beiden Brüdern und zwei Assistenztrainern im Beritt – und alle sind potenzielle Turnier- oder Verkaufspferde. Und: Wir bilden nicht nur Pferde sondern auch Reiter aus.
Was schätzen Sie an dieser Rasse?
Quarter Horses sind eine Sensation! Mein Opa saß nie auf einem Pferd, mit 70 wollte er es dann doch mal versuchen. Ich habe ihn auf einen erfahrenen Hengst gesetzt, den Weg gezeigt und die beiden sind losgezogen. Nach einer Stunde war mein Opa mit dem Pferd wieder da. Sowas hätte ich mit keiner anderen Rasse gemacht. Quarter Horses sind einfach sehr bedienerfreundlich, haben diesen besonders Mix aus Sensibilität und Power. Unsere Pferde sind gut erzogen, regen sich nicht auf, haben bei Turnieren keinen Stress.
Kamen Sie nie auf die Idee mal auf eine andere Rasse umzusatteln?
(lacht) Nein, obwohl ich fast alles ausprobiert habe. Es gibt zum Beispiel nichts Bequemeres als Isländer. Und ich finde, dass jeder selber am besten weiß, was zu ihm passt. Zu mir passen einfach Quarter Horses.
Also würden Sie auch nur Werbung fürs Westernreiten machen?
Nein! Egal, ob Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Kutsche fahren oder eben Westernreiten – der Reitsport ist insgesamt toll. Und ich würde immer für den ganzen Reitsport Werbung machen. Reiten bringt Kinder von der Straße, sie sind in der Natur, lernen Verantwortung für ein Lebewesen zu übernehmen. Das ist es doch, was unseren Sport ausmacht. Und warum ich ihn liebe!








