Parra, Lindelöw, Schleu, Beerbaum – das sind nur einige Namen, die in den vergangenen Monaten und Jahren für negative Schlagzeilen rund um den Reitsport gesorgt haben. Egal ob Dressur, Fünfkampf oder Springreiten, Einzelfälle wie diese warfen gleich auf die gesamte Sportart ein schlechtes Licht. In den Medien stand der Reitsport zuletzt also immer wieder in der Kritik. Wie macht sich das im Stallalltag einer „ganz normalen“ Reiterin bemerkbar? Unsere Autorin berichtet.
Natürlich beschäftigen uns die negativen Assoziationen mit unserem geliebten Reitsport und wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst. Doch am eigenen, kleinen Stall fühle ich mich weit entfernt von den Problemen, die in der Welt des Hochleistungssports kritisiert werden. Zum Glück!
Kritisches Auge auf den Reitsport: Fluch und Segen
Aktuell hat man das Gefühl, die Welt hat sich auf den Reitsport eingeschossen und beleuchtet jedes Ereignis ganz genau, all die negativen und noch so kleinen Haare in der Suppe. Auf der einen Seite bedrückt mich die Kritik am Reitsport im Allgemeinen, andererseits denke ich, dass es schon immer Menschen gegeben hat, die ihre Pferde ungerecht behandeln, nicht artgerecht halten oder mit fragwürdigen Methoden trainieren. Nur bleibt dies im Zeitalter von Instagram und Co. nicht mehr hinter verschlossenen Türen. Ich denke, dass das für die betroffenen Pferde ein Fortschritt ist und hilft, solche Menschen in ihrem Handeln zu stoppen.
Differenzierung ist gefragt: Nicht alle Reiter sind gleich!
Dennoch sollten Menschen, die den Reitsport verurteilen, klar differenzieren und nicht alle über einen Kamm scheren. Wie in jedem anderen Bereich sind es einzelne Personen, die aus der Norm fallen. Der Großteil der Pferdebesitzer und -liebhaber schaut gemeinsam mit den Kritikern in solchen Momenten fassungslos und weinend zum TV und wünscht sich einfach nur Gerechtigkeit und Liebe für alle Tiere.
#doitride: Eine Bewegung für verantwortungsvolles Reiten
Die #doitride-Kampagne vereint alle Pferdeliebhaber, die sich für verantwortungsvollen Umgang mit Pferden einsetzen. Sie zeigt vor allem in den sozialen Medien, dass die große Mehrheit der Reiterinnen und Reiter ihre Pferde mit Respekt und auf Augenhöhe behandelt. Sie regt zum Nachdenken an und fördert ein bewusstes und positives Verhalten im Pferdesport. Im Mittelpunkt steht stets das Wohl der Pferde, das über allen anderen Interessen steht.
Verantwortung übernehmen: Das Wohl der Pferde im Fokus
Wenn ein Pferd in unseren Besitz kommt, hat es sich das nicht ausgesucht und hat kein Mitspracherecht bei der Wahl des neuen Besitzers. Deshalb sollten wir uns der Verantwortung bewusst sein, die es mit sich bringt, wenn wir ein so großes und sensibles Lebewesen aufnehmen. Wir sollten für sie sorgen und uns stets um sie kümmern, als die beste Version eines Besitzers und Partners, die sie sich wünschen könnten. Denn wir treffen die bewusste Entscheidung, den Weg gemeinsam mit diesem Tier zu gehen. Die Pferde sind von uns abhängig und verlassen sich auf uns. Wir sind ihr Zuhause, ihre Beschützer und Partner.
Pferde sind keine Sportgeräte: Respekt im Reitsport
Unsere Pferde müssen nicht funktionieren! Sie sind keine Sportgeräte, dürfen „Nein“ sagen und eine eigene Meinung haben. Auch wenn das im Hochleistungssport nicht so einfach ist, da Turniere an festen Uhrzeiten und Tagen stattfinden, gibt es dennoch viele Reitsportler, die liebevoll und respektvoll mit ihren Pferden umgehen.

Mein Stallalltag: Ein Ort ohne Macht-Missbrauch
In meinem privaten Stallkontext habe ich noch nie Momente erlebt, in denen Menschen ihre Macht gegenüber den Pferden ausgenutzt und ihnen geschadet haben. Und ich reite immerhin bereits seit 25 Jahren in verschiedensten Ställen in und um Berlin. Wenn ich solche Momente im TV oder Internet sehe, blutet mein Herz. Es geht einfach gegen jegliches Verständnis, wie man einem wehrlosen Tier so etwas antun kann. Ich wünschte, solche Vorfälle würden keinen Schatten auf den gesamten Reitsport werfen. Die meisten von uns lieben diese Tiere so sehr, dass sie dieses Verhalten stark verurteilen und sich aktiv dagegen einsetzen.
Mitgefühl und Gerechtigkeit: Werte, die zählen
Ich habe ein wahnsinnig großes Herz für Tiere und ein hohes Gerechtigkeitsverständnis. Meine Eltern haben mir immer beigebracht, dass man andere Menschen und Tiere so behandeln soll, wie man selbst behandelt werden möchte.
Als ich Kind war und jemand am Stall einem Pferd drei Leckerlis und dem anderen vier gegeben hat, empfand ich das bereits als gemein gegenüber dem „benachteiligten“ Pferd und habe alles getan, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Wäre mir in meinem Reiterleben etwas Ungerechtes oder Unfaires gegenüber einem Pferd begegnet, hätte ich das mit meinen feinfühligen Empfindungen sofort wahrgenommen.

Das Wohl der Pferde an erster Stelle
Niemals würde ich ein Verhalten tolerieren, das nicht im Wohle unserer geliebten Tiere geschieht, und ich wünsche mir, dass der große Reitsport das ebenso wenig tut.
Wichtig! Jeder kann seinen Teil dazu beitragen. Wenn Du jemanden siehst, der sein Pferd ungerecht behandelt oder fragwürdige Trainingsmethoden anwendet, erhebe Deine Stimme. Hinterfrage solche Dinge und melde sie!
Es ist stets ein Miteinander, bei dem sowohl Reiter als auch Pferd mal einen schlechten Tag haben oder keine Lust auf etwas haben dürfen – und nichts müssen.
Kritik als Chance: Für eine bessere Zukunft im Reitsport
Mein Tipp: Nimm die Kritik nicht persönlich, wenn Du nicht von den Vorwürfen betroffen bist und Du Dein Tier gut behandelst. Sieh es vielmehr positiv, dass die Welt nun erkennt, was hinter einigen verschlossenen Türen passiert, dies verurteilt und somit eine Besserung möglich macht.








