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„Durch Corona sind wir am Limit!“

Anke Rottmann by Anke Rottmann
21. April 2020
Waisenpferd Leo wurde erfolgreich vermittelt.

Foto: Pferdeklappe/privat

Sie gründete Deutschlands erste Pferdeklappe, um Tieren in Not zu helfen. Jetzt braucht Petra Teegen selbst Hilfe: Durch Corona  kommt ihr Verein an seine Grenzen

 

Normalerweise kann Petra Teegen zu dieser Jahreszeit durchatmen. „Im März und April kommen bei uns die wenigstens Notfälle an, manchmal sind es gerade vier Tiere im Monat“, sagt die Gründerin von Deutschlands erster Pferdeklappe. Doch dann kam Corona – und ihr Telefon steht seitdem kaum noch still. „In fünf Wochen hatten wir 25 Pferde Neuzugänge.“ Und auch wenn der Verein damit an sein Limit kommt – Nein sagt Petra Teegen trotzdem nicht. Denn sie weiß: Sie und ihr Team sind oft die letzte Rettung für Pferde. „Ansonsten müssten sie zum Schlachter…“

Wie Leonardo, Relevant und Royal Diamond Junior, die im März zu ihr kamen. „Ihr Besitzer ist gestorben, seine Frau liegt todkrank im Krankenhaus“, erzählt Petra Teegen. „Es sind drei tolle Pferde, 19 und 22 Jahre alt, bis M-Dressur geritten. Normalerweise hätte der Stall, in dem sie standen, sie für den Schulunterricht übernommen. Aber zurzeit gibt es keinen Unterricht.“ Damit fehlen die Einnahmen, die Pferde brauchten dringend einen anderen Platz. „Und es war klar: Wenn keiner sie nimmt, dann wäre es das Aus für sie gewesen.“

Mehr als 1500 Pferde wurden schon gerettet

Jetzt stehen sie bei Petra Teegen, glücklich und zufrieden. Damit teilen sie das Schicksal von mehr als 1500 Pferden, die von der Schleswig-Holsteinerin bereits gerettet wurden. Dass sie einmal die letzte Hoffnung für Pferde sein würde, hat sie nicht geplant. „Es hat sich entwickelt“, erzählt die 66-Jährige. Vor 32 Jahren baute die gelernte Krankenschwester ihre Reitschule auf. „Da stand dann schon mal plötzlich ein Pferd mehr auf der Weide oder wurde am Trecker angebunden.“ Dass sie die Pferde übernahm und ein neues schönes Zuhause für sie suchte, sprach sich rum. „Bis es einfach zu viel wurde. Deshalb haben wir 2013 den Verein Pferdeklappe e.V. gegründet.“

 

Damit hat sie ganz offiziell Pferde aufgenommen, die ihre Besitzer anonym bei ihr abgeben konnten. „Im ersten Jahr haben wir 70 Pferde über unsere Pferdeklappe bekommen.“ Mittlerweile werden die meisten Pferde direkt bei ihr abgegeben. „Ich frage nie nach dem Namen der Besitzer“, sagt Petra Teegen. Aber nach dem Grund – und der ist oft tragisch. „Eine Frau hat das Pferd ihrer Tochter abgeben, die an Leukämie gestorben ist. Sie konnte den Anblick der Stute nicht mehr ertragen, auf dem sie ihre Tochter das letzte Mal lachend gesehen hat.“ Natürlich hat Petra Teegen das Pferd genommen. Nur selten sagt sie Nein. „Wenn jemand nur sein altes Pferd loswerden will, um sich ein Jüngeres zu kaufen, dann sind wir nicht dafür da.“

Auch die Spenden brechen weg

Normalerweise kommen so im Schnitt 350 Pferde pro Jahr zu ihr. Doch in diesem Jahr werden es wohl deutlich mehr Notfälle geben. „Die Menschen haben durch Corona keine Einnahmen, müssen sich von ihrem Pferd trennen. Sie stehen weinend am Tor, das ist schrecklich.“ Der Verein übernimmt die Tiere, sucht für sie ein neues Zuhause. Aktuell sind 32 Pferde da, „noch drei und wir sind am Limit.“ Dazu brechen die Spenden weg. Das trifft die Klappe besonders, denn die Pferde, die sie aktuell übernehmen, sind nicht 20 Prozent in einem schlechten Zustand. „80 Prozent von ihnen sind unterernährt, der Rest ist krank und muss erst wiederhergestellt werden.“ Jedes Pferd kommt zum Schmied, wird vom Tierarzt untersucht. „Meist muss dann auch der Zahnarzt kommen. Wir haben gerade zwei Pferde bekommen, die hatten fünf Zentimeter lange Haken an den Zähnen, das ganz Maul war schon voll blutiger Wunden.“

Dazu brauchen viele Pferde Spezialfutter, das teuer ist – und dazu gerade auch nicht geliefert wird. Immerhin gibt es auch gute Nachricht für Petra Teegen: „Für Leonardo, Relevant und Royal Diamond Junior habe ich ein neues Zuhause gefunden.“ Doch sie weiß: Kaum sind die drei vom Hof, kommen die nächsten. Denn hier ist ihre letzte Hoffnung…

Wenn Sie spenden möchten:

Spendenkonto Pferdeklappe e.V. bei der Nord-Ostsee-Sparkasse, IBAN DE59 2175 0000 0164 4072 72 oder PayPal info@erste-pferdeklappe.de

 

 

 

Tags: coronavirusPferdeklappe

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