Den ganzen Tag drinnen, kein Auslauf, kaum Kontakt zu Artgenossen: Je länger ein Pferd in Einzelboxenhaltung lebt, desto schlimmer sind die negativen Auswirkungen. Das belegt jetzt auch eine Studie aus Frankreich.
Aktivstall, Offenstall, Laufstall – es gibt viele Alternativen für Pferdebesitzer. Und trotzdem ist die Einzelboxenhaltung weltweit immer noch die häufigste Form, für die sie sich entscheiden.
Wenn dann auch noch Paddock und Weide fehlen, bleibt das nicht ohne Folgen: Pferde entwickeln Stereotypien wie das Koppen, reagieren Menschen gegenüber aggressiv, stumpfen gegenüber der Umwelt an und zeigen stressbedingtes Verhalten.
Studie will Gewissheit: Wie schädlich ist Einzelboxenhaltung?
Doch kann man diese Folgen abmindern, indem zum Beispiel das Futter geändert, ein neuer Trainingsplan erstellt, die Streu gewechselt oder ein Außenfester eingebaut wird? Das wollte ein Team des Agrarforschungsinstituts „INRA“ wissen und beobachtete neun Monate lang 187 Sportpferde, die alle in Boxen ohne Paddock- oder Weidezugang untergebracht waren.
„Um die Entbehrungen, die im Zusammenhang mit der Einzelboxenhaltung auftreten, zu kompensieren, scheint es reizvoll anzunehmen, dass sich Änderungen bei der Boxengestaltung oder in der Fütterungs- oder Trainingsroutine positiv auf das Wohlbefinden der Pferde auswirken“, schreiben Alice Ruet und ihre Kollegen im Wissenschaftsmagazin Animals. „Etwa, indem die körperliche Aktivität durch Reiten, Longieren oder mittels Führanlage erhöht oder die Box mit einem Trenngitter zum Nachbarpferd nachgerüstet wird. Unsere Untersuchungen zeigen jedoch, dass das nicht der Fall zu sein scheint.“
Im Gegenteil: Vor allem das Desinteresse gegenüber der Umwelt und stressbedingte Verhaltensweisen veränderten sich nicht.

Was kann man gegen die Folgen von Einzelboxenhaltung tun?
Immerhin gibt es drei Punkte, die den Pferden gut tun können: Pferde, die aus dem Fenster sehen konnten, sind danach weniger aggressiv. Diesen Effekt haben die Forscher auch bei Stroheinstreu beobachtet, dazu zeigen Pferde mit Stroh in der Box mehr Interesse an ihrer Umwelt. Und: Wird das Kraftfutter reduziert, können Stereotypien wie Frei- und Aufsetzkoppen gesenkt werden.
Damit es den Pferden aber wirklich gut geht, muss sich mehr ändern, so die Forscher: So oft wie möglich freie Bewegung, ausreichend Sozialkontakt mit anderen Pferden und die Aufnahme von genügend rohfaserreichem Futter. Das Fazit von Alice Ruet: „Gewährt man Pferden Weidezugang mit anderen Pferden, können sie ihre natürlichen Bedürfnisse befriedigen, was ihr Wohlbefinden deutlich optimiert.“









Was konnte konkret an Schäden durch die Einzelboxenhaltung aufgespürt werden?