Eiweiß im Pferdefutter? Da gibt es schnell Diskussionen. Die einen schwören auf die Proteine, die anderen füttern ihre Pferde lieber mit weniger Eiweiß. pferde.de hat 7 Fakten zum dem „Baustein des Lebens“.
Wenn es um das Thema Eiweiß in der Pferdefütterung geht, herrscht oft Unsicherheit. Denn darum ranken sich viele Mythen. Dabei sagt eigentlich schon der Begriff Proteine, wie wichtig sie sind. Er wird vom griechischen Wort „Proton“ abgeleitet, übersetzt heißt es „das Erste, das Wichtigste“. Und genau das sind Eiweiße: lebensnotwendig! Das gilt für uns Menschen – und für die Pferde.
Dennoch schrecken noch immer viele Pferdebesitzer bei dem Begriff Eiweiß zurück. Wir wollen Klarheit in das Thema bringen und liefern Dir hier sieben Fakten, die Du kennen solltest:
1. Ohne Eiweiß geht es für Pferde nicht
Eiweiß wird oft auch als Baustein des Lebens bezeichnet. Der Grund ist simpel: Ohne Proteine geht im Körper eigentlich gar nichts. Eiweiße geben Zellen und Geweben Stabilität und Flexibilität gleichermaßen. In Form von Enzymen machen sie Stoffwechselvorgänge erst möglich. Auch das Immunsystem braucht ausreichend Eiweiß. Und: Proteine sind aus Aminosäuren aufgebaut. Sie braucht der Körper für die „Produktion“ von Hormonen, Enzymen und Antikörpern.

2. Eiweiß liefert Power für die Pferde-Muskeln
Nehmen Pferde zu wenig Proteine mit der Nahrung auf, baut die Muskulatur ab. Der Grund: Pferde können Proteine und die darin enthaltenen Aminosäuren nur in geringer Menge speichern. Wird also über eine längere Zeit kein Eiweiß nachgeliefert, will der Körper diesen Mangel ausgleichen. Und dafür geht er ans Muskelgewebe. Folge: bestimmte Bereiche der Muskulatur „schrumpfen“. Aber: Das heißt nicht, dass es reicht, viel Eiweiß zu füttern, damit Muskeln wachsen. Denn: Muskeln kann man nicht allein „anfüttern“. Sie müssen trainiert werden, nur dann können sie wachsen.
3. Heu deckt Eiweißbedarf
Grundsätzlich können Pferde über eine vernünftige Heufütterung ihren Bedarf an Eiweiß decken. Experten sagen: Pferde sollten 0,5 bis 1 Gramm verdaulichen Eiweiß pro Kilo Lebendgewicht bekommen. Ein 600 Kilogramm schweres Pferd braucht also 300 bis 600 Gramm Eiweiß. Da ein Kilo Wiesenheu im Schnitt 77 Gramm verdauliches Rohprotein enthält, braucht ein 600 Kilo Pferd also mindestens 3,9 Kilo Heu. Bekommt Dein Pferd zusätzlich Hafer, gibt es eine Eiweiß-Protion extra. Denn der Eiweißgehalt von Hafer liegt bei etwa zehn Prozent.
Aber: Das Problem liegt im Detail. Denn: Qualität und Schnittzeitpunkt des Heus beeinflussen die Proteinmenge, die drinsteckt. Und: Je mehr Pferde sind bewegen, umso mehr Eiweiß brauchen sie.
4. Fohlen brauchen deutlich mehr
Tatsächlich brauchen Fohlen im Vergleich zu erwachsenen Pferden fast die dreifache Menge an Proteinen. In den ersten drei Lebensmonaten brauchen sie rund drei Gramm verdauliches Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht. Das Gute: Ausreichend Proteine nehmen die Fohlen in der Regel über die Muttermilch auf. Im Wachstum – genauer: bis zum vollendeten ersten Lebensjahr – brauchen sie dann etwa ein Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Frisches Gras plus Hafer deckt diesen Bedarf im Normalfall gut ab.

Und: Auch hochträchtige und säugende Stuten brauchen sehr viel Eiweiß – nämlich drei- bis viermal so viel wie ein Reitpferd.
5. Auf Diät? Proteine nicht vergessen
Jedes zweite Pferd in Europa ist zu dick. Und das kann gesundheitliche Folgen haben, wie mehrere Studien bewiesen. Kein Wunder also, dass so manches Pferd auf Diät gesetzt wird. Doch auch wenn das Futter dann genauer rationiert wird – zu wenig Eiweiß beziehungsweise Aminosäuren dürfen es nicht sein. Denn sonst „nimmt“ sich der Pferdekörper das Muskeleiweiß und baut es zu anderen lebenswichtigen Eiweißen um. Die Folge: Das Pferd wiegt wenig – aber nur, weil es weniger Muskeln hat.

6. Eiweiß kein Auslöser für Hufrehe
Lange Zeit hieß es: Die Proteine im frischen Gras können Hufrehe auslösen. Heute weiß man: Es sind die stark schwankenden Fruktangehalte im Gras, die den Insulinspiegel des Pferdes stark ansteigen lassen. Bei einer Insulinresistenz kann das zu Entzündungen der Huflederhäute führen. Das Problem: Der Fruktangehalt im Gras kann extrem schwanken. Bei kühlem, sonnigem Wetter liegt der Wert bis zu 200-mal höher als an warmen, wolkenverhangenen Tagen oder Regentagen.
7. Zu viel Protein belastet die Pferde-Nieren
Zu viel Eiweiß kann tatsächlich die Nieren belasten. Das liegt daran, dass die Proteine im Körper verarbeitet werden. Dabei entstehen zum Beispiel Schwefelwasserstoff, Ammoniak und Histamin. Diese Stoffe müssen in der Leber entgiftet und über die Nieren ausgeschieden werden. Dazu steckt in Eiweiß auch Stickstoff. Er muss über Leber und Niere abgebaut und ausgeschieden werden. Ist Dein Pferd gesund, können die Organe ihren Job machen. Aber: Sind sie geschädigt, können sie den Stickstoff nicht mehr filtern. Die Folge: Er schädigt die Organe immer weiter – bis sie schließlich versagen.
Deshalb: Hat Dein Pferd Leber- oder Nierenschäden, sollte die Eiweißmenge deutlich reduziert werden.








