Lieber eng als locker – das ist bei vielen Reitern das Motto, wenn es um den Nasenriemen geht. Doch wer es dabei zu eng sieht, schadet seinem Partner auf vier Hufen. pferde.de nennt fünf Fakten, die Du kennen solltest…
Eigentlich ist es ganz einfach: Der Nasenriemen sollte so verschnallt werden, dass zwei Finger zwischen dem Nasenriemen und dem Pferdekopf Platz finden. Doch an diese Regel halten sich längst nicht alle Reiter. Im Gegenteil: Studien zeigen, dass viele Reiter den Nasenriemen zu eng schnallen. So gab es 2016 eine Untersuchung, bei der 737 Turnierpferde überprüft wurden. Das Ergebnis: Gerade mal sieben Prozent der Nasenriemen entsprachen der Zwei-Finger-Regel. Bei 44 Prozent war der Nasenriemen so eng verschnallt, dass nicht einmal das Messgerät zwischen Nasenrücken und Riemen geschoben werden konnte.
Doch welche Folgen haben zu enge Nasenriemen? Hier Fakten, die Du kennen solltest:
1. Enge Nasenriemen bedeuten Stress
Eine australische Studie belegt, dass ein zu enger Nasenriemen zu Stress beim Pferd führt. Forscher von Kandoo Equine in New South Wales und der University of Sydney haben Stressreaktionen bei zwölf Pferden gemessen, die auf Kandare mit Unterlegtrense kombiniert mit einem schwedischen Reithalfter gezäumt waren. Alle Pferde kannten diese Zäumung bis dahin nicht – so wollten die Forscher einen Gewöhnungseffekt ausschließen.

Für die Untersuchung wurden die Nasenriemen unterschiedlich eng verschlossen. Das Ergebnis: Herzfrequenzen und Augentemperaturen stiegen besonders deutlich an, wenn der Nasenriemen am engsten verschnallt war. Für die Forscher ein deutlicher Hinweis auf den physiologischen Stress, den die Pferde in dieser Situation erlebten. „Gähnen, Lecken und Kauen waren praktisch nicht vorhanden, und die Häufigkeit des Schluckens halbierte sich, wenn die Nasenriemen am engsten waren. Dafür stieg das Gähnen, Schlucken und Lecken im Vergleich zu den Ausgangsfrequenzen signifikant an, nachdem die Nasenriemen und Gebisse entfernt wurden, was auf einen Kompensationseffekt infolge vorheriger Unterdrückung dieser Verhaltensweisen hindeutet. Wir gehen davon aus, dass sich diese Effekte noch weiter verschärften, sobald zusätzlich Zug auf den Zügel und ein Reiter ins Spiel kommen.“
2. Nimmt die Luft zum Atmen
Die Internationale Gesellschaft für Pferdewissenschaften (ISES) warnt, dass eng verschnallte Nasenriemen den Pferden im wahrsten Sinne den Atem rauben. Genauer: Die Tiere können nicht mehr normal atmen. Der Grund: Ist der Riemen zu eng, drückt er nicht nur auf die Nase, sondern auch auf Nerven und Blutgefäße im Gesicht. Und das lässt Pferde nicht nur schlechter Luft bekommen. Der Druck kann auch zu einem Taubheitsgefühl und einer Behinderung der Gesichtsbewegungen führen.
3. Der Nasenriemen beeinflusst auch den Gang
Hättest Du es gewusst? Es gibt Fußpfleger, die ihre Kunden zum Zahnarzt schicken. Der Grund: Probleme bei der Köperhaltung können von den Zähnen kommen. Das gilt auch beim Pferd. Was das mit dem Nasenriemen zu tun hat? Ganz einfach: Ist er zu eng geschnallt, behindert er den Unterkiefer. Und das wirkt sich auch auf das Zungenbein sowie die oberen Halswirbel und damit auch auf die Vorderbeine aus. Eine Studie bewies: Wird der Druck durch den Riemen reduziert, können Pferde ihre Vorderfußwurzel- und Sprunggelenke besser beugen. Und damit auch mit den Vorderbeinen besser ausgreifen.

4. Nasenriemen sorgen für Verletzungen
Einige Reiter schallen den Riemen besonders eng, damit ihr Pferd nicht das Maul öffnen und die Zunge hängen lassen kann. Nur: Der zu enge Nasenriemen erhöht die Wahrscheinlichkeit für Verletzungen – das bewies eine dänsiche Studie. Untersucht wurden dafür 3.143 Turnierpferden in unserem Nachbarland. Das Ergebnis: Waren die Riemen zu eng geschnallt, stieg die Wahrscheinlichkeit für eine Verletzung um 68 Prozent.
Ursache war dabei auch eine schlechte Zahnpflege. Denn: Kommen die Pferde nicht regelmäßig zum Zahnarzt, können gefährliche Kanten entstehen. Ein zu enger Riemen drückt die innere Backenhaut gegen die Zähne – das kann dann schneller zu Verletzungen führen.
5. Sogar die Knochen können verformen
Wenn Du den Nasenriemen nur ein- oder zweimal zu eng verschnallst, passiert natürlich nichts. Aber: Wird der Nasenriemen dauerhaft extrem eng verschnallt, kann das tatsächlich zu einer Verformung der Knochen am Kopf führen. Das zeigte eine Studie von Forschern. Sie untersuchten 144 Warmblutpferde. Dabei stellten sie fest: 33,3 Prozent der Pferde hatten im Bereich des Nasenbeins eine Knochenverdünnung, bei 6,9 Prozent wurden dort Knochenablagerungen festgestellt.

Nasenriemen beim Pferd – das ist erlaubt
In Deutschland gilt die Zwei-Finger-Regel. Sie steht zumindest in den vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) veröffentlichten Leitlinien „Tierschutz im Pferdesport“. Danach darf eine Zäumung „weder die Atmung beeinträchtigen noch die Maultätigkeit des Pferdes unterbinden“. Und: Es müssen „zwei Finger eines Erwachsenen auf dem Nasenrücken“ zwischen Nasenriemen und Pferdekopf passen. Dabei müssen die Finger nebeneinander liegen – und nicht übereinander.
Doch die Zwei-Finger-Regel bietet Spielraum – schließlich sind nicht alle Finger gleich groß und dick. Die Internationale Gesellschaft für Pferdewissenschaften (ISES) setzt sich daher seit einigen Jahren dafür ein, einen korrekt verschnallten Nasenriemen mithilfe einer Messschablone zu überprüfen.
Bei internationalen Turnieren wird dieser Wunsch bald Wirklichkeit: Dort wird seit dem 1. Mai 2025 strenger kontrolliert, ob Nasenriemen zu eng verschnallt sind. Dafür setzt die FEI auf einen Messkeil. Allerdings soll nicht jedes Pferd vor dem Start kontrolliert werden: Die Kontrollen sollen stichprobenartig geschehen.
Wird vor dem Wettbewerb ein zu fest verschnallter Nasenriemen bei einem Pferd festgestellt, muss er gelockert werden – oder Pferd und Reiter dürfen nicht starten. Wird ein zu enger Nasenriemen erst während des Wettkampfs festgestellt, werden Pferd und Reiter ausgeschlossen und der Reiter wird verwarnt.








