Aufmerksame Hafenbeamte entdeckten in England einen illegalen Transport mit 20 Pferden. Die Besitzer wollten nur sieben Pferde haben. Tierschützer übernahmen den Rest der „tierischen Fracht“ – und kümmern sich jetzt liebevoll um die Schmuggelpferde.
Die Pferde verdanken ihr Leben einem Zufall. „Die Beamten im Hafen von Dover wurden zunächst durch den Geruch aus einem Transporter alarmiert. Er deutete darauf hin, dass sich eine volle Ladung Tiere an Bord befand“, erzählt Kim Ayling von der Tierschutzorganisation „World Horse Welfare“. Zwar war der Geruch nicht ungewöhnlich. Dennoch sahen die Beamten genauer hin. Sie entdeckten 20 Pferde. „Dabei stellten sie fest, dass eines der Fohlen am Boden lag und nicht mehr aufstehen konnte.“
Die Pferde kamen aus Irland und sollten über Dover nach Europa transportiert werden. Welches Schicksal auf die Pferde wartete? „Alle 20 Pferde, die in Dover entdeckt wurden, befanden sich auf einem illegalen Transport“, so Ayling. Die Tierschützer glauben, dass einige Pferde zum Schlachten exportiert werden sollten.
Nur 7 Pferde legal transportiert
Die Hafenbeamte fanden heraus: Sieben Pferde sollten legal nach Europa transportiert werden. „Sie diese könnten als Tarnung für die illegal transportierten Pferde gedient haben“, so Ayling. Die Beamtenkontaktierten die Besitzer, die ihre Pferde abholten. „Die restlichen 13 Pferde wurden praktisch ausgesetzt.“ Acht der Pferde, darunter eine trächtige Stute, ein Pony, das mit einer schweren Hautinfektion kämpft, drei Fohlen, zwei irische Vollblüter und ein Reitpony, wurden zur Hall Farm gebracht. Dort kümmern sich jetzt die Tierschützer intensiv um sie.

Über die Vorgeschichte der Pferde rätseln sie noch. „Wir haben Pässe für alle Pferde, die zu uns kamen. Aber zu diesem Zeitpunkt wissen wir nicht, ob die Dokumente echt sind – wie wir wissen, sind Papierpässe anfällig für Fälschungen. Eines der Pferde hat zwei Mikrochips und eines scheint gar keinen zu haben.“
Auch eine trächtige Stute sollte geschmuggelt werden
Als die Pferde auf der Farm kamen, kümmerte sich Farm-Managerin Sue Hodgkins mit ihren Mitarbeitern sofort um sie. „Wir begannen, sie abzuladen, und es wurde schnell klar, was für eine bunt gemischte Gruppe von Pferden es war. Unsere Hauptpriorität war es, sie gründlich zu untersuchen. Denn sie waren einige Stunden in einer Pferdebox unterwegs. Wir luden jedes der Pferde einzeln ab, und ein Pony fiel auf, da es mit Hautverletzungen und offenen Wunden übersät war.“
Nach dem ersten Blick vermutete das Team, dass eine braune Stute tragend sein könnte. „Als der Tierarzt den Scan durchführte, lag das Fohlen leider ziemlich weit vorne und sehr tief. Dadurch war es schwierig, das Alter des Fohlens zu bestimmen. Und unser Tierarzt hatte Schwierigkeiten, eine Reaktion aus dem Fohlen herauszuholen. Deshalb werden wir die Stute noch einmal untersuchen, um festzustellen, ob das Fohlen noch am Leben ist.“

Viele Pferde waren krank und schwach
Der Zustand der Pferde macht die Mitarbeiter wütend. „Viele waren zu krank und zu schwach, um zu reisen, aber sie waren in einen Lastwagen gepfercht worden. Einige von ihnen zeigten klinische Anzeichen von Druse – sie hätten gar nicht mir den anderen transportiert werden dürfen.“
Dazu war vor allem Pony Kevin in einem schlechten Zustand. „Er war untergewichtig, hatte schlechte Hufe. Und er litt an dieser schweren Hautkrankheit, die fast die Hälfte seines Körpers bedeckte. Er hatte einen schrecklichen Juckreiz und sich deshalb heftig gebissen. Dadurch hatte er schmerzhafte, offene Wunden.“

Nicht die ersten Schmuggelpferde in England
Bei seiner Ankunft war Kevin sehr nervös. „Aber wir haben geduldig mit ihm gearbeitet und seine Haut behandelt. Wir haben ihm gezeigt, dass er uns vertrauen kann und wir hier sind, um zu helfen. Nach sorgfältigem Scheren, Baden und Medikamenten freuen wir uns, dass sich seine Haut verbessert hat“, so Hodgkins. „Aber seine Genesung ist nicht nur körperlicher Natur. Er braucht Zeit, Geduld und Liebe – wie alle Pferde…“
Für die Pferdeschützer sind ihre Schützlinge nicht der erste Schmuggeltransport. Vor einem Jahr wurde ebenfalls in Dover ein Transport mit 26 Schmuggelpferden gestoppt. Unter den Pferden waren ältere Tiere, völlig verängstigte Jungtiere – und auch fünf trächtige Stuten. Und eine von ihnen schenkte den Tierschützern jetzt das erste Fohlen in diesem Jahr: Daisy brachte ein gesundes Hengstfohlen zur Welt, das Pompey getauft wurde. „Wir haben es nach der britischen Hafenstadt Portsmouth benannt, um unsere laufenden Bemühungen hervorzuheben, die illegalen Bewegungen von Pferden in und aus Großbritannien zu stoppen“, so die Tierschützer.

Pompeys ergreifende Geburt unterstreiche die harte Realität, mit der Pferde konfrontiert seien, die in diesem illegalen Handel gefangen sind, so ein Sprecher der Tierschutzorganisation. „Tagelang ohne Pause unter überfüllten und unhygienischen Bedingungen transportiert, leiden diese Pferde unter einem Mangel an Grundbedürfnissen wie Futter und Wasser, ertragen raue Behandlung und sind einem erhöhten Krankheits- und Verletzungsrisiko ausgesetzt.“








