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Equines Herpesvirus: 7 Fakten zu der „Winterkrankheit“

Anke Rottmann by Anke Rottmann
1. Dezember 2025
Speichel tropft vom Pferdemaul.

Foto: pixabay.com/Alexandra (Symbolfoto)

Es war eine Tragödie: Bei dem großen Turnier in Valencia infizierten sich im Februar 2020 mindestens 160 Pferde mit dem Virus EHV1, insgesamt starben 17 Pferde. Warum ist Equines Herpesvirus so gefährlich? Wieso verbreitet sie sich rasend schnell? Und was hat sich seitdem Drama in Spanien geändert?

Für viele Profireiter war es ein fester Termin im Kalender: Das einwöchige Turnier in Valencia im Februar. Doch 2020 wurde es eine Tragödie. Denn es kam zum größten Herpesausbruch seit Jahrzehnten in Europa. Bis zum 19. März starben der FEI zufolge 17 Pferde an den Folgen der Viruserkrankung.

Die deutschen Reiter traf es dabei besonders stark. Unter ihnen auch Springreiter Sven Schlüsselburg aus Nürtingen. Er brachte das Virus unwissentlich auf seinen Hof, zwei Pferde starben, dazu verfohlten sechs seiner Stuten. Insgesamt starben alleine bei den deutschen Reitern acht Pferde und sechs Fohlen an Herpes.

Doch was macht das Equine Herpesvirus so gefährlich? Und gibt es einen Schutz vor der Krankheit? Hier die wichtigsten Fakten:

1. Herpes ist nicht gleich Herpes

Herpes – für Pferdebesitzer ist die Diagnose ein Albtraum. Dabei gibt es  neun unterschiedliche Virus-Typen – mit verschiedenen Folgen. Die bekanntesten sind:

  • Typ 1 führt zu Erkrankungen des Bronchialsystems, Aborten und Lähmungserscheinungen
  • Typ 2 zeigt sich in Form einer Augenentzündung (Keratokonjunktivitis)
  • Typ 3 führt zu Bläschenbildung an den Genitalien („Deckseuche“)
  • Typ 4 führt zu Atemwegserkrankungen und Lähmungserscheinungen
  • Typ 5 führt zu Atemwegsproblemen, Gewichtsverlust und Augenentzündungen

Das zeigt: Vor allem Equines Herpesvirus Typ 1 und 4 können zu schweren ansteckenden Erkrankungen führen. Aufgrund der Folgen werden sie auch als Pferdeabort-Virus (Typ 1) und Rhino-pneumonitis-Virus (Typ 4) bezeichnet.

Ältere Pferde in der Herde.
Foto: Rottmann Photography

2. Equines Herpesvirus: Fast jedes Pferd trägt es in sich

Experten gehen davon aus, dass rund 80 Prozent aller Pferde mit EHV  infiziert sind. Doch in den allermeisten Fällen „schläft“ das Equine Herpesvirus ihr Leben lang in ihnen.  Der Grund: In vielen Fällen verläuft die Erkrankung völlig ohne Symptome.

Doch ist ein Pferd einmal an Herpes erkrankt, verschwindet das Virus nicht mehr aus seinem Körper. Es schlummert in den Nervenzellen, in den Lymphozyten oder den Schleimhäuten des Atemtrakts. Und dort ist das Virus für das Immunsystem unerreichbar. Außerdem kann das betroffene Pferd über die Körperausscheidungen andere Tiere des Bestandes anstecken.

Warum Herpes dann plötzlich ausbricht? Wie bei uns Menschen ist Stress ein großer Auslöser. Und der kann bei Pferden vielfältig sein: bei einem Turnier, nach einem Transport oder in der Klinik. Aber auch psychischer Stress kann Herpes auslösen, zum Beispiel bei Rivalitäten in der Herde, einem Stallwechsel oder Verlust eines Stallkumpels. Und auch bei kranken und alten Pferden ist der Organismus anfälliger – die Viren werden aktiviert und freigesetzt.

Herde im Schnee
Foto: pixabay.de/FlashBuddy (Symbolbild)

3. Herpes – die „Winterkrankheit“

Zwar kann Herpes das ganze Jahr über auftreten, dennoch ist es vor allem eine „Saison-Krankheit“. Der Grund: In der nasskalten Jahreszeit sind die Bedingungen für das Virus am günstigsten. Deswegen treten Ausbrüche häufig beim Übergang zum Winter auf, also zwischen Herbst und Winter sowie zwischen Winter und Frühjahr.

Leider hat EHV eine relativ lange Inkubationszeit. So können zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome bis zu zehn Tage vergehen. Und in dieser Zeit können sich natürlich auch weitere Pferde anstecken. Denn: Der Erreger gelangt durch Tröpfchen beim Husten oder Schnauben in die Umgebung und kann auf diesem Wege andere Pferde erreichen.

4. Husten kann ein erstes Herpes-Symptom sein

Es gibt bei Herpes nicht das eine Symptom, bei dem sofort alle Alarmglocken schrillen. Typische Hinweise zum Beispiel für eine EHV1-Erkrankung sind:

  • Infekt der oberen Atemwege (Husten, Nasenausfluss)
  • verdickte oder geschwollene Lymphknoten
  • Fieber
  • Appetitlosigkeit
  • Lethargie
  • Nasenausfluss
  • nervöse Störungen
  • Lähmungserscheinungen
  • Aborte im letzten Trächtigkeitsdrittel

Die Lähmungserscheinungen kommen zustande, weil sich durch Entzündungen der Gefäßwände Thromben bilden und dadurch Körperteile unterversorgt werden.

Pferd auf der Weide
Foto: pixabay.com/Manfred Antranias Zimmer (Symbolfoto)

Bei Verdacht auf EHV-1 solltest Du sofort den Tierarzt rufen. Er macht beim Pferd einen Nasenabstrich, der dann mittels PCR analysiert wird – ähnlich wie bei dem COVID-19-Test beim Menschen. Hat das Pferd hohes Fieber, kann auch eine Blutprobe auf EHV-1 untersucht werden. PCR-Tests gibt es auch für Zuhause, zum Beispiel von Pezz. Diese können sinnvoll sein, wenn Du mit Deinem Pferd zu einem Turnier oder in den Urlaub fahren und vorher ausschließen möchtest, dass es an Herpes erkrankt sind.

Dazu solltest Du bei einem Verdacht am besten zweimal täglich Fieber messen. Ist die Ruhetemperatur höher als 38 Grad, gilt das als verdächtig – und auch die direkten Pferde-Nachbarn sollten mit untersucht werden.

5. Nur die Symptome sind behandelbar

Das Fatale an Herpes: Es gibt keine direkte Behandlung zur Bekämpfung des Virus. Und das heißt: Lediglich die Symptome können behandelt werden. So werden meist Medikamente gegeben, die das Immunsystem pushen, das Fieber senken und Entzündungen stoppen. Manchmal werden auch spezielle Medikamente gegen die Virenvermehrung eingesetzt.

Treten Lähmungserscheinungen auf, werden die Pferde zum Beispiel in Netzen aufgehängt. Dadurch sollen sie aufrecht stehen bleiben, was für den gesamten Organismus wichtig ist.

Impfpflicht Pferde-Herpes: Tierärzte impfen Pferd
Foto: Adobe Stock (Symbolfoto)

6. Betroffene Pferde unbedingt isolieren

Ist ein Pferd an Herpes erkrankt, betrifft es immer den ganzen Stall. Denn die Sofortmaßnahmen gelten nicht nur für das kranke Pferd. Das heißt:

  • betroffenes Pferd isolieren: kein direkter Kontakt zu anderen Pferden
  • keine Besucher auf der Krankenstation
  • Schutzkleidung für Mitarbeiter auf der Krankenstation
  • Gegenstände wie Mistgabeln und Futterschüsseln dürfen die Krankenstation nicht verlassen
  • Quarantäne für gesamten Stall – für mindestens drei Wochen
  • am Eingang zur Krankenstation Desinfektionsmatten für Schuhe auslegen

Ist der Ausbruch vorbei, muss der gesamte Stall einmal von Grund auf desinfiziert werden. Denn die Viren können bis zu drei Monaten auf Gegenständen wie Besen überleben.

7. Impfpflicht für Turnierpferde aufgehoben

Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) empfiehlt die EHV-Impfung schon  seit vielen Jahren. Und nach dem Ausbruch in Valencia hatte unter anderem die Deutsche Reiterliche Vereinigung eine Herpes-Impfpflicht für Turnierpferde beschlossen. So sollten die Menge zirkulierender Herpesviren durch infizierte Pferde deutlich reduziert werden. Denn geimpfte Tiere scheiden weniger Viren aus. Daher ist es wichtig für den Erfolg der Impfung, dass möglichst alle Tiere eines Bestandes geimpft werden.

Nach rund eineinhalb Jahren wurde die Impfpflicht zwar wieder abgeschafft. Dennoch empfiehlt die StIKo Vet weiterhin, Pferde gegen Herpes impfen zu lassen.

Tags: Equine Herpesvirus

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