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Extrem gefährdet: Dieser Mann will Rottaler Pferde retten

Anke Rottmann by Anke Rottmann
30. November 2021
Bernhard Käß mit Rottaler Fohlen

Foto: privat

Als Bernhard Käß vor 20 Jahren seine Stute Maica kaufte, ahnte er nicht: Sie ist eine Rarität auf vier Hufen. Denn die Rappstute ist ein echter Rottaler – eine Rasse mit jahrhundertelanger Tradition. Heute ist sie vom Aussterben bedroht. Das will der 60-Jährige verhindern. pferde.de sprach mit ihm über eine ganz besondere Liebe, die um jedes neue Pferdeleben kämpft.

Wie Bernhard Käß zu den Rottalern kam? „Durch einen Zufall“, sagt er lachend. „Ich hatte schon früher Pferde. Dann kam der Beruf, es blieb keine Zeit mehr. Vor 20 Jahren habe ich dann aber beschlossen: Ohne Pferd geht es nicht.“ Er schaute sich verschiedene Pferde an und verliebte sich schließlich in eine Rappstute. „Sie hatte einen Bayern-Brand, ich dachte sie wäre ein bayerisches Warmblut.“ Erst als er Maica bereits gekauft hatte, erfuhr er vom Vorbesitzer: Sie ist ein Rottaler Pferd – und damit eine Rarität auf vier Hufen.

Denn die Rasse steht auf der Roten Liste der „Gesellschaft zur Erhaltung vom Aussterben bedrohte Haustiere“ und gilt als extrem gefährdet. Dabei hat sie eine lange Tradition: Das Rottaler Pferd ist neben der ostfriesischen nachweislich die älteste geschichtlich erwähnte Pferdezucht in Deutschland. Die Geschichte sagt, dass die Vorfahren der heutigen Rottaler ungarische Beutepferde waren. Sie kamen im Jahr 909 nach einer Schlacht zwischen Bayern und Ungarn an der Rott in die Ställe der bayerischen Sieger. Doch es dauert noch einige Jahrhunderte bis die systematische Pferdezucht startete.

Stute mit Fohlen
Foto: privat

Rottaler waren aus Bayern nicht wegzudenken

Erst Herzog Albert I. ließ im Jahr 1558 wertvolle Hengste auf Klosterhöfen unterstellen, um dort die Stuten der Bauern decken zu lassen. Und im Jahre 1770 kaufte Kurfürst Max Josef für viel Geld 61 Hengste aus allen bekannten Pferdezuchtgebieten Europas und stellte sie zur Zucht im Münchener Marstall und in bayerischen Schwaigen auf. Danach waren die Rottaler aus Bayern nicht mehr wegzudenken. „Sie wurden auf dem Feld und bei der Armee eingesetzt“, sagt Bernhard Käß. „Und am Wochenende spannte der Bauer seinen Rottaler ganz stolz vor die Kutsche. Denn mit ihren guten Bewegungen fielen diese Pferde sofort auf.“

Doch gerade diese Vielseitigkeit wäre den Rottalern fast zum Verhängnis geworden. Denn dann kam die Motorisierung – „und die Pferde wurden als Arbeitstiere nicht mehr gebraucht“. Die Rottaler traf das Schicksal vieler anderer Rassen. „Plötzlich war das vielseitige Pferd nicht mehr interessant. Auch in Bayern wollten alle nur noch sportliche Pferde haben. Und kauften Hannoveraner, Holsteiner oder Trakehner.“ Das Ende der Rottaler begann – und niemanden schien es zu interessieren. 1965 wurde dann auch das Zuchtbuch geschlossen. Damit schien das Aus für die Rasse besiegelt…

Zwei Hengste – mehr gab es nicht

Bis sich vor etwa 30 Jahren die Familie Scherling für das Rottaler Pferd interessierte und feststellte, dass die Rasse fast ausgestorben war. Die Familie fand in Bayern nur noch 25 Stuten und zwei Hengste – verstreut bei fast ebenso vielen Besitzern. Und die Pferde waren im Schnitt 16 bis 17 Jahre alt und damit vielen für die Zucht zu alt. Das wäre das Aus für die Rottaler gewesen. „Aber die Familie kaufte sich Stuten zusammen und begann mit der Zucht“, erzählt Bernhard Käß. Mit Erfolg: 1994 wurde auch das Zuchtbuch wiedereröffnet.

Und doch hat die Rasse bis heute zu kämpfen. „Sie lebt eigentlich nur noch, weil es ein paar Verrückte gibt, die alles tun, damit sie bleibt“, sagt Bernhard Käß lachend. Er selbst gehört auch dazu. „Als ich damals Maica kaufte, sagte der Vorbesitzer: Wenn Du mit ihr züchten willst, es gibt da einen Verein…“

Kutsche Einspänner
Foto: privat

14 Fohlen hat er schon gezüchtet

Ein halbes Jahr später meldete Bernhard Käß sich bei dem „Förderkreis des Rottaler Pferdes e. V.“, heute ist der Mann aus der Oberpfalz der Vorsitzende. Und hat selbst bereits dafür gesorgt, dass die Rottaler weiterleben werden: 14 Fohlen hat er schon gezüchtet.

Doch der Bestand ist noch immer viel zu klein: Insgesamt gibt es aktuell 80 Rottaler, darunter vier Zuchthengste und 25 Zuchtstuten. Aufgeben wollen Bernhard Käß und die Freunde der Rottaler nicht. „Wir haben immer noch die Hoffnung, dass es ein echtes Comeback für den Rottaler geben wird.“ So wie es zum Beispiel die Alt-Württember erlebt haben. „Vor 15 Jahren war die Rasse in der gleich Situation wie die Rottaler. Heute haben sie uns fünf Mal überholt…“

Prämien für Rottaler? Ein Tropfen auf heißem Stein

Woran das liegt? „Das Landgestüt in Marbach unterstützt die Rasse, das hilft enorm.“ So eine Unterstützung würde er sich auch aus Bayern wünschen. Doch bislang winkt das Haupt- und Landgestüt Schwaiganger ab. „Sie setzen lieber auf das bayerische Kaltblut oder auf Haflinger“, so Bernhard Käß. Immerhin: Von der Landesregierung gibt es eine Prämie: 250 Euro für eine Zuchtstute, 500 Euro für einen Zuchthengst – „das ist natürlich finanziell gerade mal ein Tropfen auf dem heißen Stein“, so Bernhard Käß.

Dabei hätten die Rottaler mehr Fans verdient, so Bernhard Käß. „Sie sind die idealen Familienpferde!“ Bei der Zucht steht ihre Vielseitigkeit und ihr ruhiges Wesen im Vordergrund. Die Hengste werden bei der Leistungsprüfung geritten und gefahren. Und die Stuten müssen auch einen Wesenstest bestehen. „Dabei müssen sie einen Parcours mit zehn Stationen bewältigen“, erklärt Bettina Schieder vom Förderkreis. Die geborene Rottalerin hat die Rasse erst in der Oberpfalz kennen- und lieben gelernt. „Sie sind meine Leidenschaft und Passion.“

Und: Die Warmblüter können auch großen Sport! Hengst Lando geht bis Klasse S und Grand Prix, Hengst Palazzo startete sogar bei der EM für Österreich. „Sie sind eben wirklich vielseitig“, sagt Bernhard Käß. Aber vor allem sind sie eins, sagt er: „Sie sind echte Lebenspartner auf vier Hufen.“

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Comments 2

  1. Hannes Sporer says:
    5 Jahren ago

    Die Rottaler Pferde gehörten vor der Motorisierung zu den teuersten Arbeits und Kutschpferden.
    Zu dieser Zeit wurde von den Bäuerinnen der Spruch geprägt : Wenn Männer sterben ist das kein Verderben, aber wenn die Ross verrecken, daß ist ein Schrecken „

  2. Tina Hellmuth says:
    5 Jahren ago

    Wir haben bei uns im Stall auch einen Rottaler, ein tolles Pferd, mit einer tollen Ausstrahlung und einem tollen Wesen.

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