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Fellwechsel im Frühling: Die 7 häufigsten Fragen

Anke Rottmann by Anke Rottmann
18. März 2024
Putzen beim Fellwechsel kann ganz schön anstrengend sein.

Foto: Adobe Stock/Nadine Haase (Symbolfoto)

Alle Jahre wieder: Kaum berühren wir unsere Partner auf vier Hufen, kleben schon die ersten feinen Haare an uns. Kein Wunder, schließlich steht für Pferde jetzt der Fellwechsel auf dem Programm. Und der kostet ganz schön Kraft. pferde.de beantwortet hier die sieben häufigsten Fragen rund um die haarigen Wochen im Frühjahr.

Einmal im Jahr verwandeln sich unsere Pferde vom „Aschenputtel“ in glänzende Lieblinge auf vier Hufen: Dann verlieren sie ihr eher stumpfes, dickes Winterfell und zum Vorschein kommt das neue Sommerkleid. Kurz: Sie sind im Fellwechsel. Und darauf stellen auch wir Menschen uns ein. Denn statt Fleecejacke tragen wir lieber glatte Stoffe – sonst kleben die Haare die nächsten Wochen an uns…

Doch warum gibt es eigentlich den Fellwechsel? Diese und andere wichtige Fragen beantworten wir hier:

1. Warum wechseln Pferde überhaupt ihr Fell?

Ganz einfach: Das ist ein wichtiges „Schutzsystem“ des Körpers. Denn in der freien Natur brauchen Pferde im Winter ein bisschen Extrafell. Das ist schön plüschig und schützt sie vor Kälte und Nässe. Deshalb schieben Pferde im Herbst Unterfell nach. Dabei verlieren sie auch Haare. Daher wird auch dann oft vom Fellwechsel gesprochen.

Pony mit Winterfell.
Foto: pixabay.de/Alexas Fotos (Symbolbild)

Aber: Der „echte“ Fellwechsel findet nur im Frühjahr statt. Dann werden nämlich die Unterhaare zusammen mit den Oberhaaren abgestoßen – die Pferde wechseln also wirklich ihr Fell.

2. Wann beginnt der Fellwechsel?

Wir sprechen zwar immer vom Fellwechsel im Frühling, aber eigentlich ist das falsch. Denn tatsächlich startet er bereits im Dezember, genauer am 21. Dezember. Dann beginnt der Winter – und gleichzeitig ist es der kürzeste Tag des Jahres. Heißt also: Danach werden die Tage wieder länger.

Was das mit dem Fellwechsel zu tun hat? Ganz einfach: Er wird vom Tageslicht „bestimmt“. Gibt es also wieder mehr Licht, weiß der Pferdekörper: Jetzt kommt das Frühjahr. Und damit beginnt er dann auch schon mit dem Fellwechsel. Diesen Start kriegen wir meist nicht mit. Das liegt daran, dass der Haar-Tausch vier Phasen hat – und wir erst die letzte wirklich bemerken:

  • Wachstumsphase: Das Haar wird mit Nährstoffen versorgt und wächst
  • Ruhephase: Das Haar wird nicht mehr mit Nährstoffen versorgt, das Wachstum wird eingestellt
  • Übergangsphase: Das neu gebildete Haar lockert das alte und schiebt es heraus
  • Haarverlust: Das alte Haar fällt aus; das neu gebildete Haar tritt an die Stelle des alten

Übrigens: Da für uns der Wechsel erst im Frühjahr beginnt, wenn das Fell ausfällt, glaubten viele lange Zeit, dass er von den Temperaturen abhängt. Schließlich ist es dann meist schon etwas wärmer. Tatsächlich lösen die Temperaturen den Fellwechsel nicht aus – sie haben aber dennoch Einfluss. Denn: Wenn es im Januar noch einmal richtig kalt wird, geht der Fellwechsel in einen langsameren Modus – oder stoppt sogar ganz. Wird es dagegen dann schon richtig warm, kommt das Sommerfell schneller.

Beim Fellwechsel im Frühling verlieren Pferde ihr dichtes Winterfell.
Foto: pixabay.de/127071 (Symbolfoto)

3. Wie lange dauert der Fellwechsel?

Da gibt es keine exakte Antwort. Denn er ist von vielen Faktoren abhängig, wie zum Beispiel Rasse, Haltungsbedingungen, Wetter und Alter. Im Frühjahr, wenn das dicke Plüschfell abgeworfen wird, dauert der Fellwechsel meist mehrere Wochen. Denn Pferde werfen ihre Haare nicht auf einen Schlag ab, sondern Stück für Stück: Erst verlieren sie die langen Oberhaaren, danach folgt die dicke Unterwolle. Im Herbst ist die haarige Zeit dann oft deutlich kürzer.

4. Spielen Hormone eine Rolle?

Ja! Denn zuständig für den Fellwechsel ist die Zirbeldrüse. Das ist eine Hormondrüse, die dem Gehirn angegliedert ist. Sie ist zum Beispiel für die Produktion des sogenannten Schlafhormons Melatonin zuständig. Und genau das löst den Fellwechsel aus. Denn es steuert den Biorhythmus des Pferdes, die Bereitschaft zur Fortpflanzung – und eben auch den Fellwechsel. Wenn die Tage im Winter langsam wieder länger werden, produziert der Körper nämlich weniger Melatonin. Und stellt den Körper damit auch auf den Fellwechsel ein.

5. Verlieren Pferde in dieser Zeit an Gewicht?

Ja, denn der Fellwechsel ist Schwerstarbeit für den Pferdekörper. Zum einen muss Dein Pferd auf jede Temperaturschwankung reagieren, um den Fellwechsel zu stoppen oder zu beschleunigen. Dadurch ist die körpereigene Thermoregulierung im Dauereinsatz. Und: Die Produktion des neuen Fells belastet Kreislauf und Immunsystem.

Zum anderen muss Dein Pferd beim Fellwechsel viele Eiweiße bilden, um die neuen Haare aufbauen zu können. Das bedeutet Höchstleistung für den Stoffwechsel. Vor allem schwerfuttrige Pferde verlieren im Fellwechsel oft Gewicht, da sie es schwer haben, ausreichend Futter aufzunehmen, um ihren täglichen Energiebedarf zu decken. Übrigens: Die meisten Sportpferde sind schwerfuttrig, Kaltblutpferde und schwere Warmblüter sind dagegen oft leichtfuttrig.

Jeder Reiter kennt den Fellwechsel beim Pferd, trotzdem gibt es dazu noch einige Mythen.
Foto: Adobe Stock/Nadine Haase (Symbolfoto)

6. Was unterstützt den Fellwechsel?

Du kannst Deinem Pferd in der haarigen Zeit mit Vitaminen und Nährstoffen helfen. Zu den natürlichen Helfern gehören zum Beispiel auch:

  • Zink – um Keratin, den Hauptbestandteil des Haares, zu bilden
  • Bierhefe – Aminosäuren helfen dem Körper bei der Produktion von Haut- und Haarzellen, Biotin, Folsäure, Eisen und Zink unterstützen den Fellwechsel zusätzlich.
  • Öl – Omega-3-Fettsäuren für glänzendes Fell
  • Magnesium und Vitamin E – regt die Hautdurchblutung an
  • Schwefel und Silizium – fördern die Haar- und Hautentwicklung.
Schwarkümmelöl kann Pferden beim Fellwechsel gut tun.
Foto: pixabay.de/GokalPiscan (Symbolfoto)

7. Gibt es Pferde, die Probleme beim Fellwechsel haben?

Ja, dazu gehören zum Beispiel Pferde-Senioren. Sie bilden meist weniger Winterfell – und werden dieses im Frühjahr auch schwerer wieder los. Der Grund: Die Reproduktionsprozesse laufen bei ihnen verzögert ab, sie brauchen schlicht mehr Zeit, neues Fell aufzubauen.

Probleme beim Fellwechsel sind aber nicht ausschließlich ein Oldie-Problem. Auch eine  Stoffwechselerkrankung oder ein Mineralmangel kann dahinterstecken. Wenn Dein Pferd sich besonders schwertut, solltest Du den Tierarzt fragen. Dann könnte auch Cushing die Ursache sein.

Tags: FellwechselPferdegesundheit

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