Bei uns Menschen heißt es: Öle sind wie flüssiges Gold – und genauso wertvoll für den Körper. Auch im Stall zieht dieser Trend immer mehr ein. Aber sind Öle wirklich gut für unsere Lieblinge auf vier Hufen? pferde.de klärt auf.
Wenn es um Kraftstoff geht, dann tanken Pferd mit Öl nicht normal, sondern Super – denn ein Liter Öl liefert im Schnitt 38 Megajoule. Zum Vergleich: Ein Kilo Hafer, für Pferde der bekannteste Energielieferant, kommt auf 11,1 Megajoule. Und ein Kilo Heu schafft gerade mal 6,3 Megajoule…
So gesehen sind Öle also tatsächlich die absolute Nummer Eins. Nur: Brauchen Pferde überhaupt so viel Energie?
Die Antwort ist individuell. Zum einen brauchen Pferde, die mehr oder weniger den ganzen Tag auf der Weide stehen und kaum bewegt werden, weniger Energie als Sportpferde, die täglich trainiert werden. Haben diese Leistungssportler auf vier Hufen eine Unverträglichkeit bei Kraftfutter, kann Öl die fehlende Energie abdecken. Und auch zum Beispiel für Pferde, die an der Muskel-Stoffwechselerkrankung PssM (Polysaccharidspeicher-Myopathie) leiden, können Öle wichtig sein – da diese Tiere so wenig lösliche Kohlenhydrate wie möglich futtern sollen, die aber leider in Hafer, Müsli und Co. stecken.
Öle bekämpfen Entzündungen
Und noch etwas anderes macht Öle wirklich interessant für Pferdebesitzer: Sie liefern auch ungesättigte Fettsäuren, die für Menschen und auch für Pferde lebensnotwendig sind. Zwei Fettsäuren sind dabei besonders wichtig: Alpha-Linolensäure aus der Gruppe der Omega-3-Fettsäuren – sie ist in Gras und Pflanzensamen enthalten und bekämpft zu Beispiel Entzündungen. Und die Linolsäure aus der Gruppe der Omega-6-Fettsäuren, die zum Beispiel in Getreide enthalten ist und unter anderem das Wachstum fördert.

Das Öl-Motto: Weniger ist mehr!
Aber Vorsicht: Bei Ölen gilt unbedingt das Motto „weniger ist mehr“ zu beachten. Pferde ernähren sich, im Vergleich zum Beispiel zu Menschen, öl-ärmer – mit ein Grund, warum sie keine Gallenblase besitzen. Sie produzieren ihre Gallenflüssigkeit in der Leber und können so auch aufgenommenen Fettsäuren verdauen – aber eben nicht zu viel.
Wenn Du jetzt Öl füttern möchtest, musst Du erst einmal rechnen. Als Höchstgrenze gilt nämlich: 1 Gramm Öl pro 1 Kilo Pferd am Tag. Aber diese Höchstgrenze solltest Du nur in Ausnahmefällen erreichen – meist reichen bereits 250ml am Tag vollkommen aus. Und: Gewöhne Dein Pferd langsam an die Ölfütterung.
Leinöl für glänzendes Fell
Doch welche Öle sind wirklich gut fürs Pferd? Die Nummer 1 ist Leinöl: Es ist reich an Omega-3-Fettsäuren, sorgt für ein glänzendes Fell, kann sich positiv auf die Hufqualität auswirken und unterstützt die Verdauung und das Immunsystem. Vorteil: Schon 50ml Leinöl täglich reichen. Nachteil: Leinöl ist nicht lange haltbar und sollte schnell (sechs bis acht Wochen) verfüttert werden.

Reiskeimöl für die Muskeln
Reiskeimöl unterstützt den Muskelaufbaus während des Trainings – das macht es interessant für Sportpferde. Dafür verantwortlich ist der pflanzliche Wirkstoff Gamma-Oryzanol, der in dem Öl steckt. 25ml soll bei Großpferden täglich reichen – früher galt für Turnierpferde bei Reiskeimöl eine 48-stündige Karenzzeit, weil ihm eine anabole Wirkung nachgesagt wurde. Das wurde mittlerweile geändert und ist jetzt konform mit den Anti-Doping- und Medikamenten-Kontrollregeln.
Schwarzkümmelöl bei Atemwegserkrankungen
Auch Schwarzkümmelöl ist reich an Omega-3-Fettsäuren und wird zum Beispiel bei Allergien und Hautekzemen eingesetzt. Bei Pferden mit Atemwegserkrankungen kann das Öl dauerhaft eingesetzt werden, um die entzündlichen Prozesse im Körper zu verringern. Achtung: Zu viel Schwarzkümmelöl kann Magen und Darm allerdings aus dem Takt bringen. Die Menge solltest Du deshalb zwingend mit Deinem Tierarzt absprechen.
Hanföl für Fell und Haut
In Sachen Fell und Haut ist Hanföl dank seiner Gamma-Linolen-Säure für Pferde eine gute Wahl – auch beim Fellwechsel kann es den Pferden helfen. Insgesamt ist das Öl reich an ungesättigten Fettsäuren und weist ein optimales Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren auf. Dazu kann es das Immunsystem und die Zellregenration unterstützen.








