Vermutet wurde es schon lange, jetzt bestätigt die Auswertung mehrerer Studien: Koppen kann das Risiko bestimmter Kolik-Arten fördern.
Forscher schätzen, dass zwei bis zehn Prozent aller Pferde koppen. Beim Koppen spannen Pferde ihre Halsmuskulatur an, ziehen Luft ein und schlucken diese scheinbar herunter. Dabei entsteht dann der sogenannte Kopp-Ton. Denn: Wenn ein Pferd koppt, klingt es ein bisschen so, als würde ein Mensch rülpsen.
Über die Gründe gibt es mehrere Hypothesen in der Wissenschaft. Einige Forscher führen diese Verhaltensstörung etwa auf einen Bewältigungsmechanismus zurück. „Diese Hypothese legt nahe, dass stereotype Verhaltensweisen für Pferde eine Möglichkeit sind, mit Stress umzugehen, beispielsweise mit suboptimalen Lebensbedingungen“, so Briefer Freymond, Forscherin am Schweizerischen Nationalgestüt Agroskop in Avenches laut „TheHorse“. „Beispiele für solche Zustände sind körperliche Eingrenzung und soziale Isolation oder Probleme mit der Ernährung und dem Futtermanagement. In solchen Situationen kann das Koppent ein Mittel zur Selbstberuhigung sein. Dieses Verhalten ermöglicht es einem Pferd, seinen Stresspegel zu senken.“
Koppen führt zu Magengeschwüren
In der Tat kann das Koppen ein gestresstes Pferd beruhigen, aber diese Beruhigung bringt auch gesundheitliche Probleme. Dazu gehören zum Beispiel:
- Zahnanomalien und Abnutzung
- Magengeschwüre
- Gewichtsverlust
- schwächere Leistung

„Kolik ist ein weiteres großes Problem im Zusammenhang mit koppenden Pferden“, so Louise Southwood, Professorin für Notfallmedizin und Intensivmedizin an der School of Veterinary Medicine der University of Pennsylvania. Sie forscht vor allem zu Magen-Darm-Erkrankungen bei Pferden, mit Schwerpunkt auf Koliken.
Koppende Pferde zwölfmal häufiger an Kolik erkrankt
Nachdem jahrelang spekuliert wurde, dass Koliken häufiger bei Pferden auftreten, die koppen, haben Forscher endlich konsistente Daten vorgelegt, die diesen Zusammenhang bestätigen. Bereits 2011 berichteten beispielsweise Claire Scantlebury und ihre britischen Kollegen an der University of Liverpool, dass koppende Pferde zwölfmal häufiger an wiederkehrenden Koliken leiden als nicht-koppende Pferde.
2014 führte eine andere Gruppe von Wissenschaftlern aus Liverpool eine fragebogenbasierte Studie an Besitzern von koppenden Pferden durch. Von den 365 Pferden berichteten die Besitzer, dass 130 Pferdebesitzer gaben an, dass ihre Pferde eine oder mehrere Kolikepisoden erlitten hatten. Bei insgesamt 365 Pferden, deren Halter befragt wurden, entspricht das einer Quote von 35 Prozent. Insgesamt waren es 672 Koliken über einen Zeitraum von zwölf Monaten. 13 Mal mussten Pferde deshalb operiert werden. Die Prävalenz von Koliken in der allgemeinen Pferdepopulation liegt zwischen 3,5 und 10,6 Fällen je 100 Pferdejahre.

Zusammenhang von Koppen und Kolik noch unklar
Weitere Untersuchungen zeigen, dass bei Koppern häufig zwei Arten von Koliken auftreten: die einfache Obstruktion des Dickdarms und die Einklemmung des Foramen epiploicum (EPE). Thomas van Bergen von der Universität Gent in Belgien berichtete Anfang 2019, dass 60 Prozent der 142 EPE-Operationen an koppenden Pferden durchgeführt wurden.
Auf dem Kongress der „World Equine Veterinary Association“ 2015 zeigten Daten, dass Koppen neben Ernährungsumstellung, Zahnproblemen und Besatzdichte auf dem Pferdehof einer der Hauptrisikofaktoren für wiederkehrende Koliken ist. „So wie wir nicht vollständig verstehen, warum manche Pferde überhaupt an stereotypen Verhaltensweisen leiden, bleibt unser Wissen über den Zusammenhang zwischen Koliken und Koppen unklar“, so Louise Southwood, Leiterin der Studie.

Nur wenig Luft kommt in den Darm
Könnte der Zusammenhang einfach eine abnormale Luftaufnahme beim Koppen sein, die zu Bauchbeschwerden führt? Vielleicht eine gute Theorie, aber Forscher widerlegten sie bereits 1995. Ihre Studienergebnisse zeigen, dass beim Koppen tatsächlich nur eine begrenzte Luftmenge in den Magen-Darm-Trakt gelangt. Der Großteil der Luft gelangt nur bis zur oberen Speiseröhre.
„Mein Bauchgefühl ist, dass es einen Zusammenhang zwischen Koppen und Koliken gibt, und wir müssen uns genauer damit befassen“, sagt Southwood. „Koppen könnte einfach eine Möglichkeit für Pferde sein, mit chronischen, leichten Bauchschmerzen umzugehen. Wenn ihr Unterleib schmerzt, kann es passieren, dass Pferde koppen.“








