Bodenarbeit? Das ist doch nur Spielerei! So lautet zumindest das Vorurteil. Dabei steckt hinter diesem Training viel mehr. Pferde.de verrät, warum Vertrauen dabei eine wichtige Rolle spielt – und wie Du selbst mit Bodenarbeit beginnen kannst.
Oft steht sie bei der Winterarbeit auf dem Trainingsplan – als Abwechslung. Und dann wird genau das gemacht, was der Name signalisiert: Die Arbeit mit dem Pferd vom Boden aus. Doch schon hier beginnt das Missverständnis. Denn Bodenarbeit bedeutet viel mehr: Es ist vor allem Kommunikation mit dem Pferd – auf Augenhöhe! Und das bedeutet, dass nicht nur dein Pferd dabei etwas lernt, sondern du ebenfalls.
Neben dem gegenseitigen Verstehen fördert Bodenarbeit noch etwas Grundlegendes – das Vertrauen! Wenn Du mit Deinem Pferd gute Bodenarbeit machen möchtest, dann muss es Dir vertrauen, sich auf Dich konzentrieren. Das stärkt auch Eure Bindung.
Und Bodenarbeit hat noch mehr Vorteile:
- Dein Pferd lernt auf kleinste Hilfen von Dir zu reagieren – auch wenn Du danach wieder im Sattel sitzt
- die Körperkoordination Deines Pferdes wird verbessert – es kann mehr auf seinen Körper und das eigene Gleichgewicht achten
- ideales Gelassenheitstraining – nicht nur für schreckhafte Pferde
- Du kannst Dein Pferd schneller und einfacher korrigieren
- idealer Muskelaufbau für schwächere Pferde
- für alle Pferde geeignet, auch für alte und kranke
Bleibt die Frage: Was ist Bodenarbeit eigentlich? Ehrlich gesagt: Fast alles, was Du möchtest! Sie kann ein Training zum Grundgehorsam sein oder eine „Weiterbildung“ fürs Pferd in Sachen Reitübungen wie Seitengänge, Schulter herein oder auch die Piaffe. Aber auch Zirkuslektionen sind klassische Bodenarbeit.
Wenn du jetzt mit Bodenarbeit beginnen möchtest, haben wir hier fünf Übungs-Ideen für dich:
1. Am Putzplatz fängt die Bodenarbeit an
Tatsächlich kannst Du schon vor dem Training mit etwas Bodenarbeit, sprich Kommunikation und Vertrauen, beginnen. Genauer: Schon beim Putzen kannst Du testen, wie gut das Verständnis zwischen Dir und deinem Pferd ist. Wie das geht? Ganz einfach: Wenn Du Dein Pferd normalerweise beim Putzen anbindest, dann leg den Strick diesmal locker über den Hals Deines Pferdes und fang wie immer mit dem Putzen an.
Natürlich wird Dein Pferd seine „Freiheit“ schnell merken und sich dann bestimmt auch bewegen. Und hier beginnt Deine Aufgabe: Sobald Dein Pferd von Dir weggeht, kommt von Dir die Korrektur. Bleib dabei ganz ruhig – auch wenn Dein Pferd am Anfang vielleicht immer wieder neu testet, ob Du aufpasst beziehungsweise ob Du es wirklich ernst meinst. Dann heißt es: nicht schimpfen, sondern schweigend korrigieren. Bleibt Dein Pferd ruhig stehen, dann lobe es.
Wichtig, wie bei allen Lektionen in der Bodenarbeit: Überfordere Dein Pferd und Dich nicht. Diese Arbeit ist zuerst ungewohnt und erfordert viel Konzentration – auch von Dir. Deshalb reichen zu Beginn schon wenige Minuten, die Du dann von Mal zu Mal immer weiter ausdehnen kannst.
2. Go and stopp
Eine gute Übung um das Miteinander zu fördern ist das Go-and-Stopp. Dabei geht Dein Pferd neben Dir und stoppt immer, wenn Du auch stoppst. Fange am besten einfach an, indem Du zuerst zum Beispiel immer 20 Schritte gehst und dann anhältst. Klappt das, kannst Du die Schwierigkeit erhöhen: Gehe 15 Schritte, dann Stopp. Danach 14 Schritte, wieder Stopp. Dann 13 Schritte, Stopp. So zählst Du weiter runter, bis Du bei einem Schritt angekommen bist, danach geht es wieder aufwärts.
3. Jetzt mal rückwärts
Dein Pferd soll auf das kleinste Signal von Dir rückwärtsgehen? Kein Problem. Stell Dich für diese Übung vor Dein Pferd, so dass Ihr Euch anseht. Jetzt streichle den Nasenrücken Deines Pferdes, dann lass Deine Fingerspitzen dort liegen. Einige Pferde reagieren jetzt bereits, indem sie das Gewicht nach hinten verlagern. Wenn Dein Pferd nichts macht, übe ganz leichten Druck auf den Nasenrücken aus. Passiert nichts, warte etwa zehn Sekunden, dann erhöhe den Druck ganz leicht. Sobald Dein Pferd das Gewicht etwas nach hinten verlagert – loben!

4. Sei mein Spiegel…
Diese Übung ist ein wunderbarer Einstieg Richtung Lektionen bei der Freiarbeit. Dabei geht es darum, dass Dein Pferd wie Dein Spiegelbild arbeitet und das macht, was Du machst. Ein guter Start ist das Beinekreuzen. Dafür stellst Du Dich vor Dein Pferd, so dass Ihr Euch gegenübersteht und anseht.
Verlagere Dein Gewicht von einem Bein aufs andere, zum Beispiel von links nach rechts. Dabei tippst Du Deinem Pferd mit der Gerte sanft an die rechte Schulter. Wenn Dein Pferd das Gewicht ebenfalls verlagert – loben! Wiederhole diese Start-Übung, bis Dein Pferd genau weiß, was es machen soll.
Jetzt kannst Du ein Bein vor dem anderen kreuzen, zum Beispiel das linke Beine vor dem rechten Bein. Gleichzeitig tippst Du mit der Gerte sanft an die rechte Schulter, diesmal etwas tiefer. Wenn Dein Pferd sein Bein etwas zur Seite bewegt – loben! Wenn Du das ein paar Mal machst, versteht Dein Pferd, das es ebenfalls seine Beine kreuzen soll.
5. Zum Schluss noch ein Lächeln
Ein kleiner Trick, der Deinem Pferd und Dir Spaß bringt, ist das Lächeln. Es ist für Dein Pferd ganz leicht, weil es dem Flehmen ähnelt. Was Du brauchst? Geduld – und Leckerlis…
Stell Dich vor Dein Pferd, nimm ein Leckerli in die Hand. Führe es an die „Nasenspitze“ Deines Pferdes, zieh es leicht nach oben und sag dabei ein Signalwort, das Dir gefällt, zum Beispiel „lächel“. Wenn Dein Pferd die Oberlippe leicht hebt: loben und das Leckerli geben. Diese Übung wiederholst Du, bis Dein Pferd direkt die Oberlippe hebt, wenn Du das Leckerli an die Nase hältst.
Jetzt kommt Schritt 2: Zieh das Leckerli von der „Nasenspitze“ etwas nach oben und ein bisschen von der Nase weg, sag dabei Dein Signalwort. Folgt Dein Pferd mit seinem Kopf der Hand und zieht dabei die Oberlippe nach oben: loben, Leckerli geben.
Schritt 3: Jetzt nimmst du das Leckerli so in die Hand, dass Du gleichzeitig einen Finger ausstrecken kannst. Dadurch verlagerst du auf Dauer die Aufmerksamkeit deines Pferdes auf Deinen ausgestreckten Finger. Du kannst mit dem Finger auch leicht wackeln, damit Dein Pferd aufmerksamer ist. Ansonsten bleibt alles wie beim zweiten Schritt. Und auch hier gilt: Nimmt Dein Pferd den Kopf leicht nach oben und hebt die Oberlippe, sofort loben und das Leckerli geben.
Schritt 4: Jetzt kannst Du langsam anfangen, Dich ein bisschen von Deinem Pferd zu entfernen. Gehe zuerst nur einen Schritt weg und übe weiter, bis die Lektion klappt.









